Nachgedacht
Es bedurfte nur eines kleinen Funkens, und die Welt stand in Flammen. Nachdem am 28. Juni 1914 das österreichische Thronfolgerpaar ermordet worden war, erklärte die Wiener Regierung dem serbischen Königreich am 28. Juli 1914 den Krieg. Alle Diplomatie, die dazwischen lag, war vergeblich, die politischen Spannungen in Europa waren zu groß. Die Europäer schlitterten in den Weltkrieg hinein.
Am Ende des Krieges gab es 9 600 000 tote Soldaten, nicht zu rechnen die Zivilbevölkerung die durch die Kriegshandlungen umkam. Allein in Deutschland verhungerten wegen der Kriegsfolgen 600 000 Menschen.
Ein grausamer Anschlag kostete 2001 am 11. September 2977 Menschen das Leben. Das jährlich wiederkehrende Gedenken an die Opfer des Terrors macht einen tief betroffen. Im Gegensatz zu anderen geschichtlichen Ereignissen sieht man dieses schreckliche Ereignis jedes Jahr fast wie live.
Kaum in der Berichterstattung erscheinen die Menschen, die starben oder erkrankten, weil sie ohne Schutzeinrichtungen die Trümmer beseitigen mussten.
Betroffen und nachdenklich macht einen auch die Wut, die damals herrschte. Die Wut, die dann auch wieder zu schrecklichen Ereignissen führte. Ein Terror-Anschlag wurde zum Kriegsfall. Dass neben dem Diktator Hussein und seinem Gefolge nach Ermittlungen des amerikanischen Forschungsinstituts »Just Foreign Policy« bislang 1.370.000 Irakerinnen und Iraker seit Beginn der US-Invasion im März 2003 ihr Leben verloren haben, wird ohne besonderes Gedenken hingenommen. Unter diesen Menschen waren sicher auch Unschuldige, die grausam starben. Ohne auf die Verwundeten einzugehen: 4757 amerikanische Soldaten mussten mit ihrem Leben bezahlen.
Im Afghanistan-Krieg, auch eine Folge des Terror-Anschlags, sind die Kriegstoten scheinbar Geheimsache.
5. Feb. 2009: Die Zahl der Kriegstoten in Afghanistan gilt offensichtlich als geheime Verschlußsache. Wie die britische Zeitung The Sun am Mittwoch berichtete, wurde am Hindukusch ein Offizier Ihrer Majestät wegen mutmaßlichen Verstoßes gegen das Dienstgeheimnis festgenommen. Das »Verbrechen« des Briten Owen McNally: Er soll vertrauliche Informationen über die Zahl der von NATO-Truppen getöteten Zivilisten in Afghanistan weitergegeben haben – nicht an die Taliban, sondern an eine befreundete Mitarbeiterin einer Menschenrechtsorganisation.
In den von der Website WikiLeaks im Juli 2010 veröffentlichten Berichten des Afghan War Diary aus den Jahren 2004 bis 2009 wurden 24.155 Tote im Zusammenhang mit dem Krieg numerisch erfasst.
Es ist furchtbar, was Menschen anrichten. Das schrecklichste aber für mich ist, das all die Diktatoren und Terroristen wie Saddam Hussein, Bin Laden, Muammar al-Ghaddaffi, Husni Mubarak, nur um die aktuell bekanntesten auf zu zählen, zuvor von den USA (und anderen) unterstützt wurden.
Dieser Kommentar soll nichts gegeneinander aufrechnen. Er soll nachdenklich machen. Die Welt ist unfreier geworden ohne dass sie sicherer ist. „Nichts ist so wie vorher, die Welt hat sich geändert“, nein – sie ist noch so grausam wie immer.
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