Muhammad Ali kam nicht bis Obergrombach - der 2. Teil der Geschichte

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Dienstag, 17. Januar 2012 - 14:43

Nein, Muhammad Ali war niemals in Obergrombach. Er hat dort auch keine Verwandten oder Bekannte – nur die Kampftechnik des Boxens war (und ist) dem einen oder anderen Obergrombacher nicht fremd.

Man schrieb Mitte August 1970. Nachdem Muhammad Ali seine Boxlizenz zurück bekommen hatte, bereitete er sich auf seine ersten Aufbaukämpfe vor. In Obergrombach hingegen liefen die Planungen für einen neuen Kindergarten auf Hochtouren. Bisher war der Kindergarten in einem Wohnhaus in der Hauptstraße untergebracht, die Verhältnisse machten jedoch einen Umzug in neue Räume notwendig. Sage und schreibe eine halbe Million sollte der neue Kindergarten kosten, es waren aber nur 100.000 im Stadtsäckel. Was tun?

Da hatte der parteilose Bürgermeister und Ortsvorsteher von Obergrombach, Günter Bauer, damals 28 Jahre alt, eine gute Idee: Warum boxe ich nicht für das Gemein(de)wohl? So abwegig war seine Idee nicht; Günter Bauer errang 1959 als 17-Jähriger den Titel des badischen Junioren-Meisters im Weltergewicht.

Boxen

Günter Bauer war ein Mann der Tat, nicht nur des bürgermeisterlichen Wortes. So arrangierte er einen Vergleichskampf zwischen den Mannschaften des Boxring Blau-Weiß Pforzheim e.V.", diesem Verein gehörte er seit seinem 15. Lebensjahr an, und des Boxclub Offenburg e.V. in einem 2.000 Zuschauer fassenden Festzelt – Eintrittspreis: 3,50 Mark. Natürlich stieg der „Bürgerboxer“ selbst für „seine“ Gemeinde in den Ring; der Ausgang seines Kampfes ist leider nicht überliefert.

Die Einnahmen sollten nach Abzug der entstandenen Kosten in voller Höhe dem Kindergarten-Fonds zufließen. Die Höhe der erboxten Einnahmen ist leider nicht überliefert, der Einsatz der Obergrombacher scheint sich aber gelohnt zu haben. Denn die nächste Obergrombacher Nebenerwerbs-Veranstaltung wurde gleich nach dem Box-Event geplant: Ein Fußballgefecht der Obergrombacher Gemeinde- bzw. Ortschaftsräte gegen eine Pfarrer-Elf des Dekanats Pforzheim. Dieses Fußball-Event fand aber nicht mehr statt, denn weniger als ein Jahr nach dem Boxturnier wurde Obergrombach zum 1. Juli 1971 nach Bruchsal eingemeindet.

Ganz so launig, wie sich die Geschichte anhört, war die Situation in jenen Jahren in Obergrombach jedoch nicht. Der Vorgänger auf dem Bürgermeisterposten, Franz Geißler, war Ende 1967 gestorben, so dass der parteilose Günter Bauer wohl irgendwann Anfang 1968 in sein Amt gewählt wurde. Die Ortsgemeinschaft war danach gespalten. Recht unversöhnlich standen sich die Anhänger von Günter Bauer und dessen Gegnerschaft, vornehmlich aus den Reihen der Obergrombacher CDU, die sich von der Macht vertrieben sah, gegenüber. Unschöne Dinge fielen vor, Bauer soll auch sehr persönlich angegriffen worden sein – doch darüber sprechen will auch heute noch niemand. Aber die Angelegenheit liegt bereits über 40 Jahre zurück - lassen wir die Geister ruhen.

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Kommentare

2.500 DM und 3:0 Punkte

Der Bürgermeister erboxte 2.500 DM für die Kindergarten-Kasse und besiegte seinen Offenburger Gegner namens Trefzger (Südbad. Ex-Meister) mit 3:0 Punkten.

(Quelle: Mitteilungsblatt der Stadt Obergrombach vom 9. Oktober 1970)

Aufregung um eine Bürgermeisterwahl in Obergrombach

Es ist richtig, wie Rolf Schmitt schreibt, dass sich Anhänger und Gegner von Günter Bauer, damals vor über 40 Jahren, recht unversöhnlich gegenüber standen. Freundschaften gingen auseinander oder wurden zumindest einer sehr harten Prüfung unterworfen, die Wähler von Günter Bauer wurden lauthals als "Pöbel" beschimpft.

Was war geschehen? Nach dem Tod von Franz Geißler standen Neuwahlen für den Posten des Bürgermeisters an. Erinnerlich ist mir und meiner Familie nur noch, dass neben dem parteilosen Günter Bauer ein von den Obergrombacher Vereinen unterstützter Kandidat aufgestellt wurde. Der Name ist nicht mehr bekannt, auch nicht die Parteizugehörigkeit.

Der Wahltag kam, die Obergrombacher gingen zur Wahlurne und wählten - Günter Bauer. Entsetzen machte sich unter den Mitgliedern von Musik- und Turnverein breit als das Wahlergebnis verkündet wurde. Die Sektflaschen für die Wahlparty waren bereits geköpft, fleißige Hände hatten lecker Schnittchen vorbereitet für die Siegesfeier, die Mitglieder der Feuerwehrkapelle waren schon in Reih' und Glied in ihren Gala-Uniformen angetreten, um ein Ständchen auf "ihren" Kandidaten zu spielen. Und nun das.

Es hat sehr lange gedauert, bis die Gräben in Obergrombach wieder zugeschüttet waren - mittlerweile kann man aber über diese "Affäre" mit einem Augenzwinkern reden.

Ungeziefer und Fahrzeugattentate

Heute wurde mir erzählt, daß es ganz schön ab ging in Obergrombach damals. Die Feinde von Bauer sollen nach ihrer Wahlniederlage dem Bauer Ungeziefer in die Wohnung gekippt haben und die Räder vom Kinderwagen, Bauer hatte ein kleines Kind, gelöst oder abgeschraubt haben.

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