Menschenhündin Fifi

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Dienstag, 3. November 2009 - 19:45

Es gibt Menschen, die sind im falschen Körper. Die einen werden als Mann geboren und fühlen sich zeitlebens als Frau oder umgekehrt. Manchmal nimmt die Natur aber wesentlich bizarrere und merkwürdige Wege und erschwert so manchen Kreaturen ungemein das Leben.

In Wien lernte ich einen … ja … nennen wir ihn der Einfachheit halber zunächst – Menschen – kennen. Er sah aus wie ein Mensch, hatte alles, was ein Mensch braucht und sah eigentlich auch richtig gut aus. Er war ein kontaktfreudiger, vielseitig interessierter Mensch, der, soweit sich das beurteilen lässt, mit beiden Beinen im Leben stand.

Nur: er war kein Mensch. Zumindest definierte er sich selber nicht so. Er war ein Hund. Genauer: eine Hündin.

Nicht das falsche Vorstellungen aufkommen: Unsere Hündin spielte nicht eine Hündin. Jemanden der punktuell sich ein Kostüm anzieht, eine Maske aufsetzt, sein Fressen aus dem Hundenapf aufnimmt – und nach Ablauf einer bestimmten Zeit wieder Mensch ist. Jemand der es mag, von Zeit zu Zeit ein sogenanntes Petplay(1) zu machen.  Petplay – eine, für manche skurril anmutende, aber doch freundliche Szene, die nicht gerade klein ist und unterschiedliche menschliche Tiere von Zeit zu Zeit hervorbringt und gleich eines Rollenspiels diese verkörpern.

Fifi, so nennt sich unsere Hündin, ist ein Menschenhündin. Als Menschenhündin geboren, spielte sie nicht die Hündin, war nicht über eine definierte Zeit eine Hündin, sondern immer eine Hündin. Immer. Jeden Tag, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr. Eine Hündin, die als Mensch leben muss und bei der oft genug die hündischen Gene durchkommen. Kein Petplay aus erotischen Gründen, sondern ein Human-Play aus sozial notwendigen Gründen.

Fifi hält sich gern dort auf, wo sie einfach sie selbst sein darf. Die Bizarre bei den noch Bizarreren, die sie aber einfach als das akzeptieren, was sie ist: Eine Hündin, eine Menschenhündin. Man trifft sie in der BDSM(2) -Bewegung, genauso wie in Swingerklubs. Überall dort, wo Menschen sind, die Toleranz nicht nur aus dem Lexikon kennen. Dort sitzt sie dann. Meist .. naja, eben da wo Hunde sich aufhalten .. zu Füßen eines Menschenwesens, bellt Neuankömmlinge freundlich an und freut sich über jeden, der sie ein wenig krault.

Hunde machen in der Regel, was sie machen wollen und haben durchaus ihren eigenen Willen. Meist nicht so ausgeprägt wie bei Katzen, aber umso ausgeprägter bei Fifi, unsere Hundedame.

Viele Hunde haben eine ausgeprägte Ader dafür, ständig auf sich aufmerksam machen zu wollen -  besonders Fifi. Glücklicherweise bellt sie aber einem nicht das Ohr zu, sondern  hat inzwischen die Menschensprache so gut gelernt, dass sie lediglich in einer Tour quasselbellt. Man könnte den Hund ja knebeln, aber eine gewisse Angst vor dem Tierschutzverein schwingt da schon mit. Wir versuchten es mit der harmloseren Variante des Augenzubindens. Wenn Hund nichts mehr sieht, ist es vielleicht ruhig. Und siehe da, es wirkte. Allerdings beginnt man als Mensch schnell sich Sorgen zu machen, wenn das Tier die ganze Zeit schweigt. Dann doch lieber Rumgebelle und Zugelaberbell…

So eine ausgewachsene Hündin hat durchaus auch ihre Vorteile. So manch anderer vorwitziger Hund – meist eine Nervensäge- wird schnell von unserer Hündin in die Schranken verbellt. Manchmal streiten sie allerdings auch – zum Beispiel wenn Frauchen den Tierhund , dem Menschhund gegenüber vorzieht. Dann kann einem die Knurrerei schon ganz schön auf den Zeiger gehen. Davon abgesehen, ist so ein Hund aber ansonsten sehr pflegeleicht. Man braucht sich keine großen Gedanken in der Beziehung zu machen, da Hunde auf ihre Frauchen und Herrchen fixiert sind. Egal, wie sie behandelt werden. Eben wie im realen Leben.

Was rede ich! Fifi IST real! Es ist eben die Welt der Hündin.
Warum Hündin, werden Sie fragen, verehrte Leserschaft? Na, weil sie eben eigentlich eine Hündin ist. Es war eine Laune der Natur eine Hündin in Menschengestalt hervorzubringen und Mutter Natur setzte noch einen drauf, in dem sie die Hündin in einen männlichen Menschenkörper steckte. Fifi kann nun wirklich nichts dazu!

Es brauchte viele Gespräche und Gesprächsbells, um tatsächlich zu verstehen, dass dieses Wesen wie ein Hund fühlt und auch denkt. Obwohl es wie ein Mensch aussieht und spricht. Es ist schwer nachzuvollziehen und so mancher wird die ganze Zeit schon denken, "der gehört zum Psychiater"! Aber kennen Sie einen Psychiater, der einen Hund heilen kann? Ein Chirurg wäre da deutlich sinnvoller. Aber aus einem Menschen einen Hund zu machen – soweit ist die Chirurgie noch nicht.

Wäre Fifi gefährlich, würde sie andere Beißen oder andere schlimme Dinge tun, so würde ich Ihnen vielleicht recht geben. Vielleicht wäre es dann sinnvoll eine Therapie bei einer Tierpsychologin zu machen. Aber Fifi ist eine freundliche Hündin. Eine, die niemanden etwas tut. Und wo sollte es ein Problem sein, sie mal freundlich zu kraulen, während sie einem freundlich entgegen bellt? Warum müssen also Menschen gleich immer nach einem Fachmann der menschlichen Seele rufen, wenn etwas anders ist, als man bisher kannte? Warum kann ich nicht einfach akzeptieren, dass es so unendlich mehr noch neben mir selber gibt?!

Sowas kann einem Reich machen  - an fantastischen Gedanken in wundervollen Welten und Blicke jenseits eigener Grenzen und Tabus. Und wissen Sie eigentlich, wie schön es ist, in die Augen einer Hündin zu schauen, wenn sie ganz Ganz sein darf?

1 Petplay = Erotisches Rollenspiel, bei dem mindestens ein Partner die Rolle eines Tieres spielt (Wikipedia)
2 BDSM = Bondage - Disziplin / Domininanz – Submission / Sadismus - Masochismus

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (2 Bewertungen)

Kommentare

Satire? Wohl nicht

Zunächst dachte ich, es handelt sich hier um eine Satire, vielleicht aber auch um eine Parabel. Beim Weiterlesen glaubte ich feststellen zu können, dass der Autor diese Menschenhündin tatsächlich kennengelernt hat. So wie man halt einen Hund in einem menschlichen Körper kennen lernen kann.

Erinnert habe ich mich beim Lesen des Beitrages an ein Buch, das ich bereits vor vielen Jahren las: Oliver Sacks "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte". In Wikipedia steht zu diesem Buch:

Oliver Sacks

Oliver Sacks

"Sein (Oliver Sacks, Hirn- und Nervenkundler) Bestseller "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" berichtet, wie sich die unterschiedlichen Störungen und Erkrankungen auf den Alltag der Patienten und betroffenen Angehörigen auswirken. Oliver Sacks erzählt in dem Buch zwanzig Geschichten von Menschen, die aus der „Normalität“ gefallen sind.

Das Buch ist so geschrieben, dass es für jeden verständlich ist, auch wenn man sich noch nie mit Medizin, Neurologie oder Psychiatrie befasst hat. Es geht kaum um medizinische Seiten, mehr um die Welt, in der diese Menschen leben. Das Buch macht klar, wie Wahrnehmung allein vom Gehirn abhängt – Realität spielt sich im Kopf ab. Für „Normale“ ist es beispielsweise unvorstellbar, dass ein Mann seine Frau mit einem Hut verwechseln kann. Zum Beispiel, dass der Patient zwar Dinge sieht, sie aber nicht beim Namen nennen kann, so beispielsweise eine Rose als „rotes, gefaltetes Gebilde mit einem geraden grünen Anhängsel“ identifiziert. Diese schildern teils lustige, teils traurige Geschichten. Sie zeigen gleichzeitig, wozu das menschliche Gehirn fähig ist, wie schnell man seine „Realität“ verlieren kann und was letztendlich die Persönlichkeit ausmacht.

Die Neuropsychologie befasst sich nicht mit rein psychischen Problemen, sondern mit Störungen, die aufgrund von Verletzungen, Ausfällen im Gehirn usw. hervorgerufen wurden. Eine winzige Hirnverletzung, ein kleiner Tumult in der cerebralen Chemie – und wir geraten in eine andere Welt."

Dieses Buch kann ich jedem nur anempfehlen.

Ich habe Fifi tatsächlich kennengelernt

Es ist nichts ausgedacht und auch wenn beußt einige humorvolle Sätze im Beitrag sind, so ist eine Satire nicht beabsichtigt. Dennoch bin ich mir der Gratwanderung durchaus bewußt.

Es bedurfte tatsächlich einiger Gespräche - oder wie Fifi es ausdrücken würde: Gesprächsbells - um es selber zu verstehen. Aber Fifie ist ein intelligentes Tier und weiß sich auszudrücken. Es ist spannend und aufregend sie ind ihre Welt zu erfahren. Und das ist viel leichter, wenn man Freud & Co. einfach mal aussen vor lässt. Vielleicht ist ja auch alles normal - wir wissen es nur nicht ;)

 

Axel

Scho recht :-)

Hi,

ich kenne beide, Axel und Fifi, schon recht lange - die Geschichte ist wahr so wie sie geschreieben ist.

LG

Sven

Geschichte Teil 1

Hallo,
hier den Anfang meiner Geschichte, wie ich sie vor einem Jahr erdachte.
Bei Interesse mehr.
Rheno

Der Anfang
letzten Sommer, es war August, gab ich im Netz folgende Anzeige auf:
Betreuung für mich als ihr Haustier vornehmlich als Hund für die Dauer von 2 Wochen gesucht.
In dieser Zeit möchte ich gerne ihr persönlicher Hund sein. Keine Gewalt erwünscht, angemessene Bezahlung garantiert. Gerne komme ich zu einem Paar oder einer Dame auf dem Lande.

Es meldete sich darauf ein Paar mittleren Alters , auf dem Land, auf einem ehemaligen Bauernhof wohnend, mit eigenem Hund, das daran interessiert war. Allerdings waren meine Vorstellungen in der Anzeige ja nicht gerade präzise, sodass ich in einer mail diese noch einmal präzisieren sollte. So tat ich dies dann auch mit dem Wissen, dass eine zu genaue Beschreibung meiner Vorstellung so wie auch eine zu ungenaue Beschreibung zum Misserfolg führen würde.

So sah meine Antwort aus:
danke, dass Sie sich bei mir gemeldet haben und sich meine Betreuung als ihr Haustier vorstellen können, das hat mich sehr gefreut. Zunächst stelle ich mich Ihnen mal vor: ich bin 44 Jahre alt, 170 cm gross und wiege 68 Kilogramm. Ich bin gesund und flexiebel was Zeitdauer und Länge angeht. Dies ist mein erster Versuch sowas zu tun und ich möchte das wirklich machen, bin also kein Spinner, der sich nur ein bisschen aufgeilen will.
Ich beschreibe Ihnen nun einen Ablauf so wie er sein könnte, nachdem ich bei ihnen eingetroffen bin:
Zunächst bekommen sie von mir die Utensilien übergeben, die sie brauchen werden um mich als ihren Hund zu halten:
1.mein Hundehalsband mit Hundeleine,
2.mein Körbchen,
3.Knieschoner,
4.fixierbare Fäustlinge,

Da sie ja noch einen andere Hund besitzen, haben sie ja sicherlich schon eine Hundeleine aber ich habe trotzdem noch eine zusätzliche, meine eigene mitgebracht. Knieschoner werde ich brauchen, da ich als ihr Hund nicht aufrecht gehe und mich nur auf allen Vieren fortbewege. Windeln werde ich eventuell anfangs auch noch brauchen, da ich noch nicht stubenrein bin. Wenn sie daran denken, mich in einem Zwinger im Hof unterzubringen, können sie auf die Windeln natürlich auch verzichten. Dies alles muss vorher festgelegt werden, da ich als ihr Hund nicht mehr reden und Ihnen keine Fragen mehr beantworten kann. Ich werde das auch auf keinen Fall tun, es sei denn ich kann Ihnen in der Hundesprache antworten. Falls ich diese, meine Vorgabe nicht mehr erfüllen könnte, wäre für mich der Aufenthalt bei ihnen als Ihr Hund sofort beendet. Ich hoffe aber, es kommt nicht dazu.

Und die Antwort von Ehepaar Mitlink sah so aus:
deine Antwort ist uns ausführlich genug, so dass wir uns deine Unterbringung bei uns als Hund vorstellen können. Du beschreibst allerdings keine besonders genaue Vorstellung, wie das wäre für dich als unser Hund. Du kannst aber gerne im Hof bei uns in den Zwinger, da kann es aber schon mal ziemlich kalt werden, nachts, zumal du ja dann auch absolut nackt sein wirst. Wenn du noch nicht stubenrein bist, kommst Du auf keinen Fall bei uns ins Hause, da musst du auf dem Hof, im Zwinger oder in unserem Schuppen bleiben. Wenn wir irgendwann sehen dass es geht, dann nehmen wir dich vielleicht mal mit in unsere Wohnung, aber da kriegst du dann auf jeden Fall auch Windeln angezogen. Wir bekommen auch noch Besuch von unserer Nichte in der Zeit in der du bei uns sein wirst. Sie bleibt das ganze Wochenende bei uns, möchtest du dann lieber erst danach kommen oder da lieber in den Keller gehen wo sie dich nicht sieht? Sie ist 5 Jahre alt und hat Tiere gern. Wir könnten ihr aber eventuell auch sagen, dass du mal eine gewisse Zeit Hund bei uns spielen willst, was ja auch stimmt. Sag uns bitte, wie du dich entschieden hast.

Die Ankunft:
Ich sagte natürlich zu und auch, dass ich mit ihrer Nichte keine Probleme hätte.
Und so packte ich dann auch meine Sachen, um zum vereinbarten Termin pünktlich zu erscheinen.
Ich brauchte ja ausser den schon erwähnten Utensilien nicht viel mitzubringen.
Als ich auf dem ehemaligen Bauernhof ankam, war ausser Frau Mitlink niemand anwesend. Das machte mir aber nichts weiter, denn ich hatte ja alle Sachen, die ich benötigte, selbst dabei.

ich kenne fifi persönlich............sehr persönlich

Es gibt keine Nacht ohne die Wärme an meinem Rücken zu spüren, manchmal, wenn das Fenster im Winter geöffnet ist auch die kalte Nase an meiner Schulter. Das Drängen nach dem Platz an meiner Seite, wenn ich mich im Schlaf umdrehe und mich entferne. Und wenn sie bemerkt wird, dass ich aufwache, mein Atem flacher wird und das gespiegelte Licht vom Fenster im Spiegel meine Nase kitzelt. Dann spüre ich die Bewegung auf meine Brust zu, ich nehme das Lauern und Warten wahr, bis ich ein Auge vorsichtig öffne und dem Morgen ein Lächeln schenke. Dann kommt dieses Wesen an meiner Seite in Bewegung, freut sich, als wäre es tagelang von mir getrennt gewesen und in ihrer Freude stoppt sie gerade noch ab um dann sehr vorsichtig und zärtlich ihren warmen Körper auf meine Brust und ihre Wange an meine zu drücken mit einem zärtlichen verspielten Quicken. Dann kann ich nicht anders, als sie an mich zu drücken und bevor ich dann das warme Bett verlasse noch einmal unter meiner Decke an mich zu drücken. Bis dann die kalte feuchte Nase sich langsam nach oben arbeitet und aus dem Bett springt. Dann steht sie davor und deutlich zeigt sich ein Lächeln um ihre Schnauze, denn sie hat so eine eigene Art eine Lefze hoch zu ziehen, dass es aussieht als würde sie etwas schelmisch lächeln. Noch etwas, das ich an einem Hündinnenwesen noch nie so erlebt habe, wenn sie auf meinem Schoß sitzt, dann schlingt sie mir ihre Pfoten links und rechts um den Hals und drückt ihre Wange an meine und legt das Kinn auf meine Schulter und dann höre ich ihre seliges Atmen an meinem Ohr. Sie knabbert an meinem Ohrläppchen – oder war das jetzt fifi, die mich gerade umarmt?
Was ist nun dieses Wesen an meiner Seite? Eine Hündin in einem Menschenkörper oder doch von ihrem Wesen ein Mensch in einem Hundekörper, weil manchmal glaube ich, sie versteht jedes Wort denn ihre Reaktionen sind die eines Menschen verdächtig ähnlich.
Und dann ist da fifi an meiner Seite, die ebenso sich in der Nacht an mich kuschelt, ich ihre Wärme und Liebe jeden Tag spüre. Manchmal streiten die beiden Wesen sogar um den Platz an meiner Seite. fifi ist eifersüchtig, wenn ich die kleine Jeanny versorge und die kleine Hündin kann unsere Umarmungen einfach nicht unkommentiert lassen mit ihrem Gebell. Aber schließlich weiß das kleine Hündinnenwesen, dass die Menschenhündin, immer der erste Platz an meiner Seite gehört.
Ich liebe Dich so sehr meine wunderbare fifi

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