Mensch verwüstet seine Umwelt

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Nicht Hackschnitzelsucht - „Verantwortung" zerstört
Mittwoch, 31. März 2010 - 14:42

Grosses Aufsehen haben die Rodungsarbeiten entlang der B 35 zwischen Heidelsheim und Bruchsal erregt. Mit brachialer Gewalt und ohne Rücksicht auf örtliche Gegebenheiten wurden Bäume gerodet und Büsche herausgerissen.

Die AGNUS und andere mutmaßten Geldgier des Landes - denn die gerodeten Bäume wurden geradewegs der Hackschnitzelverwertung zugeführt. Das allerdings war verantwortungsvoll: Wenn schon Zerstörung, dann mit ökonomischem Nutzen. Denn Behörden zerstören nie blindlings, sondern immer mit Plan (das kennt man von der EU).

Einfach roden und dann liegen lassen - das wäre unwirtschaftlich.

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Was steckt dahinter? Erinnern wir uns an die Winterstürme und auch an Tote. Tote, die im Schwarzwald in Autos saßen, die von Bäumen (!) flachgequetscht wurden. Nun gibt es in unserer Gesellschaft überall „Verantwortlichkeiten". Sobald der Mensch seine Umwelt nicht mehr gottgegeben sieht, sondern sie in sein anthropozentrisches System integriert hat, beginnt die Verantwortung für „Naturereignisse". Der Tote im Schwarzwald wüsste, wer für seinen Tod verantwortlich ist, wenn er denn noch fragen könnte. Kann er nicht. Dafür handelt der Verantwortliche jetzt konsequent. Alle Bäume müssen weg, die irgendwo irgendeinen Menschen bei irgendeinem Sturm zerquetschen könnten. Das gibt viel Arbeit. Nicht nur an der B 35, sondern überall, auch an allen Autobahnen ist das Werk zu besichtigen. Quadtratkilometerweise wird Natur in Baden-Württemberg zerstört.

Der Sturm ist schuld! Der wiederum mag auf Klimaveränderungen zurückzuführen sein, die der Mensch (auch) zu verantworten hat. Allerdings ist das bisher so abstrakt, dass es noch keine personifizierten Zuständigkeiten gibt (Kachelmann fällt hier für längere Zeit aus).

Fassen wir zusammen. Die Anthropozentrik unseres Denkens macht Natur an sich und für sich unzulässig. Jedes unerfreuliche Naturereignis kennt Verantwortliche. Zum Beispiel für fehlende Hochwasser-Rückhaltebecken. Für umstürzende Bäume, die Menschen töten, für nicht vorausberechnete Klimaveränderungen. Für einstürzende Gebäude bei Erdbeben. (das Bruchsaler Rathaus/H & M wird gerade mit riesigem Aufwand „geschützt")
Wer weiß, dass sich die Kulturen unserer Welt auch und gerade in Wechselwirkung mit natürlichen Gegebenheiten entwickelt und entfaltet haben, kann sich angesichts der modernen Entwicklung nur grausen. Entfernung der Natur, nicht leben mit und in der Natur prägt modernes Denken.

Baum02

Deshalb müssen wir, in hochindustrialisierten Regionen der Welt zu Hause, bei dieser Denkweise von Natur im engeren und weiteren Sinne Abschied nehmen. Das sagt uns die Rodungsaktion. Die dadurch entstehende „Sicherheit" ist nur deshalb zu greifen, weil die ökologische Zerstörung - vorerst - keine für uns fühlbare Folgen hinterlässt: solange wir die Dinge, die unseren Wohlstand ausmachen „kaufen" können. Schließlich sind wir Exportweltmeister.. und von unserer Landwirtschaft fühlen wir uns schon lange nicht mehr abhängig. Im Urlaub geht's gerne auf die Malediven, sofern die noch über dem Meeresspiegel liegen.

Wir sind ernährungstechnisch allenfalls von EDEKA und REWE abhängig. Wo die einkaufen, kümmert uns nur, wenn uns der Preis für ein Produkt zu hoch erscheint. Die Zerstörung des uns umgebenden Lebensraumes bleibt bei dieser Denkweise folgenlos - deshalb kann ein für umstürzende Bäume zuständiger Straßenbauverantwortlicher landesweit Rodungen veranlassen. Er muss sich nur um die Rohstoff-Verwertung kümmern. Da kriegt er sogar ein gutes Führungszeugnis: Zur Beförderung vorgesehen.

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