In Memoriam

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Erinnern kann man sich nicht nur auf dem Friedhof...
Dienstag, 13. Dezember 2011 - 19:09

Tannen

Sie stehen schon seit Jahrzehnten

Zwölf riesige Tannenbäume schwanken im Wind. Dunkel heben sie sich vor dem blauen Hintergrund des Himmels ab. Sie haben schon, seit sie vom "alten Mohr" vor Jahrzenten gepflanzt wurden, so manchen Wintersturm überstanden. Ich komme sehr oft an diesem Ort vorbei. Vor einigen Jahren teilten mir die Nachbarn mit, daß der "Apotheker Mohr" dermaleinst das tannenbegrenzte Grundstück sein Eigen nannte, ob es heute noch der Familie gehört, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall haben seine Bäume ihn, den "Mohrenapotheker", lange überdauert, und nun auch seinen Sohn, den vor kurzem ebenfalls verstorbenen Nachfolger in der Apotheke, Fasnachter und DRK'ler. Von diesem Grundstück hat man einen schönen Blick über das Saalbachtal und die Stadt Bruchsal, man hat die Peterskirche im Blickfeld, das Paulusheim, die Andreasstaffel, den Schlachthof. Es ist nun ein bißchen verwildert, eine Hütte mit einer Plattenterasse steht oben nahe des Eingangs und man kann sich vorstellen, wie die Familie an schönen Tagen im Schatten der Tannen saß, den Blick auf Bruchsal genoß und die Kinder im Garten spielten. Jedenfalls stelle ich mir das so vor, wenn ich an den hohen Tannen vorbeigehe, anhalte und mir den Garten anschaue. Und jedesmal kommen auch Erinnerungen an die Kindheit hoch, an die Mohrenapothe und ihren Apotheker, der immer für einem freundlichen Plausch mit seinen Kunden zu haben war. Auf der Verkaufstheke standen einige gläserne Bonbonieren, gefüllt mit Himber- und sonstigen Fruchtbonbons in allen Farben, und wir Kinder durften uns reichlich bedienen. Für mich sind nun, außer der Apotheke, nur noch die eigenhändig vom "Mohrenapotheker" gepflanzten Tannen da, die im Wind rauschen und an die Vergänglichkeit des Seins erinnern - und an die "Mohrenapotheker".

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