Mehrere hundert Tageszeitungs-Redakteure streiken im Land für journalistische Qualität und gegen massive Gehaltseinbußen

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Streikversammlung 14.30 Uhr im Stuttgarter Literaturhaus | Demozug und Kundgebung gegen 17 Uhr auf dem Schlossplatz
Dienstag, 3. Mai 2011 - 14:04

verdi

Mehrere hundert Redakteure aus über zehn baden-württembergischen Zeitungen streiken heute den ganzen Tag oder ab etwa 14.00 Uhr bis Mitternacht, um so ein deutliches Unmutszeichen an die Adresse des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) zu geben. Die Zeitungsverleger verschleppen nach Angaben der dju in ver.di Baden-Württemberg und des DJV Baden-Württemberg nicht nur seit Juli 2010 die anstehende Gehaltsrunde und seit Januar 2011 die Manteltarifverhandlungen. Sie fordern überdies als Arbeitgeber von allen gegenwärtig beschäftigten Redakteuren einen Verzicht auf das Urlaubsgeld - das entspricht fünf Prozent des Jahresgehalts. Ferner haben sie ein sogenanntes Gehaltstarifwerk II vorgelegt, das für Berufseinsteiger und bei einem Verlagswechsel für die Betroffenen eine Reduzierung der Gehälter um 25 Prozent vorsieht. Gegenüber heute müsste ein Redakteur in zehn Jahren auf 100.000 Euro Gehalt verzichten.

Angesichts dieser nicht gerechtfertigten Sparpolitik zeigen die Journalisten Flagge und treffen sich am Dienstag Mittag zu einer landesweiten Streikkonferenz im Stuttgarter Literaturhaus, um später den Streiktag mit einem Demonstrationszug und abschließender Kundgebung auf dem Stuttgarter Schlossplatz zu beenden.

Im Mittelpunkt der Streikkonferenz stehen auch die anstehenden Streiks, die Redakteure, Beschäftigte der Druckindustrie und Zeitungsverlagsangestellte in den kommenden Wochen gemeinsam führen wollen.

Auch von diesen Beschäftigten verlangen die Zeitungsverleger Abstriche von ihren bisherigen tariflichen Beschäftigungskonditionen.

„Kein Cent vom Status Quo" ist die klare Linie der Journalisten-Organisation dju in ver.di. Die bisherigen Tarifverträge sind in gleicher Güte fortzuschreiben, da gute Tarifverträge auch in einem engen Zusammenhang mit journalistischer Qualität stehen.

„Wer glaube, dass ein Redakteur mit 2.600 Euro brutto nach einem abgeschlossenen Studium zu einer Tageszeitung komme, hat sich als Verlag verrechnet. Dafür erhält er eine B-Besetzung, aber keine Spitzen-Kräfte", erklärte Mediensekretär Gerhard Manthey von ver.di in Stuttgart: „Angesichts der gewiss vorhandenen Strukturprobleme der Zeitungen kommt es aber verstärkt darauf an, journalistische Qualität im Verlag und im Verbund mit online, Radio und Fernsehen zu verbinden. Und dazu bedarf es dem Gegenteil von Tarifverschlechterungen."

Die Journalisten-Organisationen fordern deshalb auch für alle journalistisch Beschäftigten in einem Verlag, ob in einem News-Room und in der Online-Redaktion, die Anwendung der Tageszeitungstarife und eine tarifvertraglich geregelte Weiterbildung. Auch eine lineare Erhöhung der Gehälter von vier Prozent auf zwölf Monate gehört zum Forderungskatalog der Redakteure.

Sowohl in Baden-Württemberg als auch bundesweit werden am heutigen Tag der Pressefreiheit und morgen die Tageszeitungsredakteure streiken, um bei der am 4. Mai 2011 anstehenden weiteren Verhandlungsrunde mit dem BDZV endlich ein seriöses Angebot der Verleger zu erhalten, einschließlich einer Verzichtserklärung auf die geforderten Verschlechterungen. Sollte diese Entwicklung nicht eintreten, wird sich die Stimmung in den Zeitungen drastisch verschlechtern.

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