Marie Marcks

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Das caricatura museum frankfurt – Museum für Komische Kunst zeigt vom 9. August 2012 bis 21. Oktober 2012 „Marie Marcks“.
Donnerstag, 9. August 2012 - 21:20

Von Donnerstag, 9. August 2012
bis Sonntag, 21. Oktober 2012

Am 25. August 2012 wird die in Berlin geborene und heute in Heidelberg lebende Karikaturistin Marie Marcks 90 Jahre alt. Grund genug, fand Achim Frenz, Leiter des caricatura museums frankfurt, „eine der größten deutschen Zeichnerinnen" so richtig zu feiern: Ab 9. August 2012 in der großen Geburtstags‐Ausstellung "Marie Marcks".

In der Ausstellung „Marie Marcks“ lädt das caricatura museum frankfurt seine Besucher zu einer kurzweiligen Begleitung ihres Schaffens ein, nicht nur die Bundesrepublik der letzten 60 Jahre betreffend. Marie Marcks´ Arbeiten spiegeln ein Kaleidoskop gesellschaftlicher Themen wider. Marie Marcks hat immer ganz genau hingesehen.

Roll doch das Ding, Blödmann! © Marie Marcks

Roll doch das Ding, Blödmann! © Marie Marcks

Marie Marcks liefert mit ihrem Werk sechs Jahrzehnte unterhaltsamer, durchgängig hintergründiger und häufig bissiger Zeitkritik. Dabei war sie es oft genug selbst, die mit ihrer messerscharfen Beobachtungsgabe neue brisante Konfliktfelder aus den Tiefen bundesbürgerlichen Wohlbefindens zutage gefördert hat. Mit ihrem kritischen Blick und ihren meisterhaft gezeichneten grimmigen Idyllen hat die vielfach ausgezeichnete Karikaturistin wesentlich dazu beigetragen, Themen wie zum Beispiel Umweltschutz und Emanzipation im Bewusstsein der Deutschen zu verankern. Sie zeichnete dazu bereits Karikaturen, als noch niemand in Deutschland die Geschlechterrollen thematisiert und über die Umwelt nachgedacht hat.

Die Zeichnungen der wohl bekanntesten Karikaturistin Deutschlands bieten dem Betrachter eine ganz besondere Art raffinierter künstlerischer Camouflage. Auf den ersten Blick muten die Zeichnungen idyllisch an. Feine Tuschezeichnungen, Buntstiftskizzen oder Aquarelle, oftmals gepaart mit großen Sprechblasen, wirken heiter und fein, manchmal fast ein bisschen kindlich‐naiv. Erst der zweite Blick offenbart die kritische Position, die Polemik und distanzierte Haltung der Künstlerin. Ein ausgeprägter Sinn für (Selbst)Ironie und die in jedem Bild dennoch erkennbare Menschenfreundlichkeit von Marie Marcks versöhnen den Betrachter ihrer Kunstwerke mit ihrer radikalen und glasklaren Sicht auf die Dinge. Mit ungeheurem Mut und knappen, knackigen Pointen positioniert sich Marie Marcks im moralischen Haifischbecken politischer Debatten und gesellschaftsrelevanter Diskussionen mit ihren Zeichnungen als starke Beobachterin mit eindeutiger Botschaft.

Nacktbackverbot (1976) © Marie Marcks

Nacktbackverbot (1976) © Marie Marcks

Dabei gibt es durchaus Themen, mit denen Marie Marcks nichts am Hut hat, wie zum Beispiel Pornographie, die zumeist frauenfeindlich ist. Auch Spott über fremde Religionen sind für die einfühlsame Künstlerin tabu. Die Begründung für diese Haltung passt zu Marie Marcks ebenso gut wie ihr gleichzeitiger Ansatz, die christlichen Kirchen durchaus und gerne zum Gegenstand kritischer Zeichnungen zu machen: Dort, wo sie sich auskennt und einer aufgeklärten Umgangsweise mit Kritik sicher sein kann, schlägt sie mit ihrer Feder erbarmungslos zu. Dort, wo Ironie und Kritik durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen weder geschützt noch nachvollziehbar sind, hält sie es mit Friedrich dem Großen: „Jeder soll nach seiner Façon selig werden“.

A-BI-TUR! (1976) © Marie Marcks

A-BI-TUR! (1976) © Marie Marcks

Die Welt, die die Cartoonistin zeichnet, kennt sie genau. Entsprechend sind ihre Bildergeschichten, Karikaturen und Graphiken keine schreienden Anklagen, sondern kleine bohrende Fingerzeige, die nachhaltig beeindrucken.
Marcks Zeichnungen vermitteln ihre Botschaft leise. Dennoch sind sie deutlich. Selten verleiten sie zu lautem Gelächter, aber zum Nachdenken bringen sie den Betrachter definitiv. Marie Marcks scheut sich nie, eine klare Meinung zu vertreten, legt aber zugleich großen Wert darauf, ihre Unabhängigkeit zu betonen. Sie hat sich weder politisch auf eine bestimmte Richtung festgelegt, noch hat sie sich jemals für die Frauenbewegung vereinnahmen lassen, obwohl Schwangerschaftsabbruch und die Diskussion um den Paragraphen 218 zu den inhaltlichen Schwerpunkten ihrer Arbeit gehörten. Es sind ihre emotionale Betroffenheit und ihr echtes Interesse, die ihre Annäherung an Themen so gewissenhaft machen und die Künstlerin selbst so eindeutig Stellung beziehen lassen. Ihre unabhängige Position und die skeptische Grundhaltung vereint Marie Marcks zu einer bemerkenswerten Unbestechlichkeit.

Das ist ein Steifftier (1994) © Marie Marcks

Das ist ein Steifftier (1994) © Marie Marcks

Das caricatura museum frankfurt zeigt in seiner Hommage an Marie Marcks einen Überblick über ihr Lebenswerk und das Spektrum ihrer thematischen Arbeit. Die Auswahl aus ihrem umfangreichen Schaffen wurde gemeinsam mit der Künstlerin für die Ausstellung zusammengestellt. Neben frühen Grafiken sind Karikaturen zu ihren Schwerpunktthemen zu sehen, die Marie Marcks mühelos als bedeutendste deutsche Meisterin der Karikatur erkennen lassen.

Dank der Unterstützung von Kuratoriums‐Mitglied Claus Wisser wurde die Sammlung des caricatura museum frankfurt durch einen Ankauf und eine Dauerleihgabe um insgesamt 46 Karikaturen erweitert, die ebenfalls im Rahmen dieser Ausstellung gezeigt werden. Ein weiterer Höhepunkt ist die Präsentation des gesamten ersten Teils von Marie Marcks gezeichneter Autobiographie „Marie, es brennt!“ von 1984 (zusammen mit dem fünf Jahre später publizierten Band „Schwarz‐weiss und bunt“ erschien 1995 der Doppelband „Marie, es brennt!“ im Kunstmann Verlag).

Die Künstlerin – Marie Marcks

Marcks

Marie Marcks ist Künstlerin von Kindesbeinen an, Künstlerin durch und durch.
Äußerlich erkennbar an ihrem perfekten zeichnerischen Handwerk und an ihrer bestechenden erzählerischen Eleganz – innerlich durch die Einnahme zweier gegensätzlicher Positionen in ihrem künstlerischen Schaffen zum Ausdruck gebracht: Sie ist zugleich distanzierte, kritische Beobachterin und emotional involvierte, persönlich betroffene Frau. Die Verbindung beider Perspektiven macht aus ihren handwerklich perfekten Zeichnungen, Karikaturen und Cartoons die Kunst, die den Betrachter in ihren Bann zieht.

Die Karikaturistin wurde am 25. August 1922 in Berlin als Tochter des Architekten Dietrich Marcks und Else Marcks‐Penzig, Leiterin einer privaten Kunstschule, geboren. Ihr Onkel war der Bildhauer Gerhard Marcks, mit dem sie seit ihrer Kindheit bis zu seinem Tode eng verbunden war. Papier und Stifte waren entsprechend auch zu Kriegszeiten wie selbstverständlich im Elternhaus vorhanden. Marie Marcks profitierte von den künstlerisch aktiven Vorbildern und deren Anregung. Sie selbst sagt von sich, dass sie „da weiter nichts Rechtes gelernt, aus dem Gekritzel ihren Beruf gemacht“ hat – ein Beruf, den sie seit sechs Jahrzehnten mit wahrer Meisterschaft ausübt. Nach einer Ausbildung an der Kunstschule der Mutter studierte Marie Marcks noch während des Weltkriegs einige Semester Architektur in Berlin und Stuttgart.

So. Wir machen also noch in die Hose © Marie Marcks

So. Wir machen also noch in die Hose © Marie Marcks

Seit Kriegsende war die Künstlerin erfolgreich als Grafikerin tätig. Aus dieser Zeit stammen ihre berühmten Plakate für den Heidelberger Filmclub und den Jazzclub CAVE 54. Mit dem Auftrag für die Gestaltung des deutschen Pavillons bei der Weltausstellung in Brüssel 1958 erhielt Marie Marcks ihren ersten Staatsauftrag. Der publizistische Durchbruch gelang ihr mit der Veröffentlichung ihrer Karikaturen in der wissenschafts‐politischen Zeitschrift „atomzeitalter“, aus der bald nachgedruckt wurde.

Mit den frühen 60er Jahren begann Marie Marcks große Zeit als einzige politische Karikaturistin. Das damalige gesellschaftliche Klima, die zunehmende Politisierung vor allem der jungen Generation, die immer lauter werdenden Einforderung des individuellen Rechts auf Mitbestimmung waren der Hintergrund für die öffentliche Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen: Marie Marcks fühlte sich direkt angesprochen. Ihre politischen Karikaturen waren und sind Aufforderungen zum Handeln. Sie wollte nach eigener Aussage verhindern, dass es zu einer der Nazi‐Zeit vergleichbaren Situation kommt, in der die Menschen zwar gegen etwas sind, aber nichts dagegen tun.

o.T. (1951) © Marie Marcks

ohne Titel (1951) © Marie Marcks

Seither setzt Marie Marcks inhaltliche Schwergewichte wie Rüstung und Militär, Bildung und Erziehung, Emanzipation, Alter und Jugend, Rechtsextremismus, Innen‐ und Außenpolitik, Wissenschaft und Forschung in Zeichnungen, Karikaturen, Illustrationen, Bücher und sogar Filme um. Mit ihrem Schaffen positioniert sich die Karikaturistin nicht nur als herausragende Künstlerin, sondern als Chronistin unserer Republik.

Nicht nur mit ihren Zeichnungen, sondern auch mit ihrem Leben als Mutter von fünf Kindern war Marie Marcks ihrer Zeit voraus: Bereits eine Generation vor den Erfolgen der Frauenbewegung bewältigte sie den Spagat der Doppelbelastung zwischen Familie und produktivem Künstlerinnenalltag. Nach eigenem Bekunden ist es insbesondere ihre Familie gewesen, die sie zu Themen angeregt und ihre zutiefst menschliche Sichtweise geprägt hat.

Zu ihren bedeutendsten künstlerischen Vorbildern gehören der rumänischamerikanische Zeichner und Karikaturist Saul Steinberg, der französische Zeichner Jean‐Jacques Sempé ebenso wie Paul Flora und F.K. Waechter. Unter den heute noch aktiven Vertretern der Komischen Kunst ist es Hans Traxler, den sie sehr schätzt.

Wenn wir nicht stören... (1985) Süddeutsche Zeitung © Marie Marcks

Wenn wir nicht stören... (1985) Süddeutsche Zeitung © Marie Marcks

Marie Marcks Zeichnungen sind unter anderem 35 Jahre in der Süddeutschen Zeitung, oft in `Die Zeit´ und im `Vorwärts´, gelegentlich in `Titanic´, `Der Spiegel´ und `Brigitte´ u.a.m. erschienen. Zahlreiche Ausstellungen begleiten bis heute ihr Werk. Nach den intensiven Jahren als politische Karikaturistin arbeitete Marie Marcks auch als Buch‐ und Kinderbuch‐Illustratorin und wirkte an der Produktion von Kurz‐ und Trickfilmen mit.

Heute lebt die vielfach ausgezeichnete Karikaturistin in Heidelberg.

 

Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr

Mittwoch 10 - 21 Uhr

Montag geschlossen

Preise

5,. € / 2,50 € ermäßigt

 

Anschrift

caricatura museum frankfurt

Museum für Komische Kunst

Weckmarkt 17

60311 Frankfurt am Main

caricatura [dot] museum [at] stadt-frankfurt [dot] de

www.caricatura-museum.de

 

Anfahrt

Bahnverbindung U4 / U5 Römer 

 

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