Loveparade + Staatsanwalt

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Zeitgewinn
Samstag, 31. Juli 2010 - 18:41

Der Duisburger Staatsanwalt schreibt: Zitat: "Man versuche besonders sorgfältig zu klären, wie viele Menschen es tatsächlich waren."

Da drängt sich doch bei mir der Eindruck auf, daß dieses wohl sonst nicht unbedingt Usus war und es nun besonders zur Beruhigung der betroffenen Menschen betont werden muß!

Es wird wohl sehr lange dauern, wie im Falle Scherbel, bis die Behörden ein Ergebnis(chen) haben wollen.

So beginnen Verzögerungen und Vertuschungen.

reinhard spiegler

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Kommentare

"Die Behörden"?

"Behörden" wollen eigentlich überhaupt nichts - es sind immer deren Mitarbeiter, vorzugsweise Leiter, die etwas wollen. Oder nicht wollen.
Daran sollte man und sollten wir in Zukunft mehr denken.
Diese Behördenleiter haben einen Namen, ein Gesicht. Sie tauchen immer wieder auf.
Wir dürfen nur nicht mehr vergessen - wenn sie uns bei "angenehmen" Anlässen begegnen - dass sie uns auch mal unangenehme aufgefallen sind. Und vielleicht erinnern wir sie dann daran - und so hört das allgemeine Schulterklopfen langsam auf.
Stellen Sie sich mal vor, der nette Herr Regierungspräsident Kühner -

http://www.rp-karlsruhe.de/servlet/PB/menu/1037099/index.html

- würde gelegentlich seines Auftretens irgendwo im Regierungsbezirk immer wieder auf den "Fall Dr. Scherbel" angesprochen...

Nein - die Behörden

Die Behörden haben eben eben kein persönliches Gesicht, denn die Amtseiter, ob nun Reg.-Präs. oder sonstwer, kommen und gehen, die Behörde als solches bleibt und der Fall auch.

Es gibt Massnahmen, z. B.: Planfeststellungsverfahren, die weit über 20 Jahre schon laufen und während dieser Zeit haben alle "Behörden" schon viele Gesichter gesheen. --

Leider, denn es ist leichter eine Person in die Pflicht zu nehmen, denn eine Behörde.

e.t.c.

reinhard spiegler

 

Pauschalisierend: die Behörden/die Stadt/die Politiker

Doch, auch Behörden haben ein persönliches Gesicht - wenn man sich die Mühe machen möchte es zu finden und nicht nur pauschal "Dampf ablassen" will. Man muß dazu heute ja nur ein bischen googlen und schon hat man die verantwortlichen Personen/Vorgesetzten/Amtsleiter/Präsidenten/Bürgermeister.

Und in vielen Ämtern wechselt das Spitzenpersonal auch nur alle 10-20 Jahre, so häufig ist das auch nicht.

Da sollte sich einem (politisch) engagierten Menschen die eine oder andere Möglichkeit für direktes Feedback ermöglichen. Ich bin mir sicher, das ist für die Betroffenen unangenehmer wie ein Artikel in Internet. Dazu gilt beim gewählten Personal sowieso: Alle 4/8 Jahre hat man wieder Gelegenheit...

 

persönliches Gesicht

Also Behördenleiter werden weder alle 4 noch alle 8 Jahre gewählt, zumindestens nicht vom Wahlvolk und einen Turnus gibt es ebenfalls nicht!

Beim Rp-Khe z. B. herrscht das sogenannte "Rotationsprinzip" welches besagt, daß leitende Funktionen (Stellen) im Schnitt alle 2-3 Jahre umbesetzt werden sollen. Dieses gilt allerding nicht unbedingt für alle Refaerate, so ist z. B. das Ref.13 (Haushalt) schon immer langfristig ohne personellen Wechsel besetzt worden. Dafür gibt es Gründe, die ich hier nicht weiter erörtern möchte.

Im Gegensatz dazu wird das Ref.11 (Orgaisation) schon immer kurzfristig vom selben Ref.-Leiter geführt. u.s.w...

Die angesprochenen 10-20 Jahre sind eine ausgesprochene Rarität und dienen hier nicht zum allgemeinen Vergleich sondern eher der eigenen Argumentation.

reinhard spiegler

 

Persönliches Gesicht - contra

Mein Kommentar bezog sich bewußt nicht nur auf Regierungspräsidien, das wollte ich schon mit der Überschrift deutlich machen. Offensichtlich ist es mir nicht gelungen.

Als Beispiel für einen gewählten Behördenleiter (Leiter der gesamten Stadtverwaltung) kann man einen Oberbürgermeister in BW mit seinen 8 Jahren Amtszeit heranziehen.

Eine Verweildauer bei Amtsleitern von 10-20 Jahren war bei der Stadtverwaltung Bruchsal in den letzten Dekaden normal.

Um auf den eigentlichen Punkt zurückzukommen: Die Beschäftigung mit Individuen und ihrer Verantwortung für ihre Entscheidungen scheint mir wesentlich zielführender wie sich über die anonymen "Behörden" auszulassen.

 

Behördenleiter

Ein gewählter OB ist mitnichten nur ein gewählter Behördenleiter sondern zuständig für die gesamte Kommune, zu der natürlich auch Behörden gehören.

Bitte nicht verwechseln.

reinhard spiegler

Nachtrag:

Oder ist ein Gemeinwesen nun auch schon eine Behörde?

 

 

Persönliches Gesicht - RE

Nachtrag: Ich wollte in der Überschrift noch "skatgemäß" RE schreiben.

reinhard spiegler

 

 

Persönliches Gesicht - Bock

Wo steht bei mir ein "nur" im Kommentar?

Aber zitieren wir abschließend doch einfach die Gemeindeordnung:

§42 GemO, Abs. (1) Der Bürgermeister ist Vorsitzender des Gemeinderats und Leiter der Gemeindeverwaltung. Er vertritt die Gemeinde.

§44 GemO, Abs. (4) Der Bürgermeister ist Vorgesetzter, Dienstvorgesetzter und oberste Dienstbehörde der Gemeindebediensteten.

 

Reinhard Spieglers Behördenleiter

Reinhard Spiegler, oben:
"Ein gewählter OB ist mitnichten nur ein gewählter Behördenleiter sondern zuständig für die gesamte Kommune, zu der natürlich auch Behörden gehören."

Wie bitte???

Außerdem geht es überhaupt nicht darum.

Und gerade langwierige Verwaltungsverfahren - wie Planfeststellungsverfahren - werden von den sie durchführenden PERSONEN ständig und nachhaltig beeinflusst.
Und nicht von einem anonymen Apparat namens "Behörde."

Was soll der Widerspruch überhaupt?!

Person - Behörde -Sündenbock

Hallo,

ich muss sagen, dass die klein-klein Diskussion gerade etwas vom Hauptproblem des Artikels ablenkt, denn ich finde die Parallelen der beiden Fälle doch sehr begrenzt.
Was Duisburg angeht ist es doch hilflos, dass Presse und Mob nichts besseres einfällt als den Kopf des Bürgermeisters zu fordern.
Ich finde die gespaltene Wahrnehmung in der öffentlichen Wahrnehmung zur Zeit auffällig asymmetrisch:
Schuld sind Behörden, Polizei, Veranstalter: Die alkoholisierte (oder sonst wie benebelte) feierwütige Masse, von denen einige rücksichtslos über Mitmenschen trampeln, ist qua Definition von Massenpanik unschuldig und das schuldige Bauernopfer sollen bei verantvortungsvollem Handeln als Spaßbremsen beschimpfte langweilige Behördenleiter sein.

Was ich damit nur sagen will: Es greift in meinen Augen zu kurz, sich, zumindest im ersten Fall über eine zu langsame Staatsanwaltschaft aufzuregen, denn so einfach wie zweiterer ist dieser beileibe nicht gestrickt.

Duisburg ist überall

Die Diskussion ist alles andere als "klein-klein" - im Gegenteil. Es geht hier um ein ganz großes Problem, das leider bisher von den Wenigsten erkannt wird - nämlich den täglich zu beobachtenden Auswirkungen der Verquickung von Amt und persönlichen (finanziellen) Interessen, getarnt hinter einer sich möglichst anonym gebärdenden Institution namens "Behörde."
Es ist auch durchaus nicht hilflos, wenn Presse und Öffentlichkeit (weshalb verwenden Sie eigentlich den abwertenden Begriff "Mob"?) jetzt "den Kopf" dessen fordern, der letztendlich nach heutiger Erkenntnis das Geschehene zu verantworten hat - ohne die Genehmigung SEINER Verwaltung wäre es nicht dazu gekommen! Und dass - wohl fehlerhaft - genehmigt wurde, ist nach bisherigen Erkenntnissen auf SEIN PERSÖNLICHES FEHLVERHALTEN und den von ihm auf seine Mitarbeiter ausgeübten Druck zurück zu führen.
Und wenn Sie gespaltene Wahrnehmung asymmetrisch wahrnehmen - wie Sie sich ausdrücken - und den in Panik befindlichen Mitbeteiligten sogar eine Schuld zuweisen, sollten Sie sich vor solch unbedarften (vorsichtig ausgedrückt) Äußerungen einmal über die Phänomene einer Massenpanik informieren - darüber war übrigens in den letzten Tagen einiges zu hören und zu lesen.
Wenn Behördenleiter und -mitarbeiter in solchen Situationen immer wieder als Spaßbremsen und Bedenkenträger abqualifiziert werden, ist dies traurig, aber bekannt und kaum Einer hat bisher versucht, diese Leute zu unterstützen, auch und gerade nicht unsere Politiker, eher das Gegenteil war der Fall.
Und nun noch zu den Parallelen in beiden Fällen: Hier wie da hat ein Behördenleiter seine tatsächliche Macht eingesetzt, um des eigenen Vorteils wegen ein im weitesten Sinne gesetzwidriges Verhalten zu erzwingen.
Und wir werden es ja erleben, wie sich die Ermittlungen in Duisburg hinziehen werden - trotz eindeutigster Aktenlage (sofern noch vorhanden...).
Sie können sicher sein, dass der Herr in Duisburg sich seit dem Unglück weitaus mehr Gedanken darüber gemacht hat, wie er seinen Kopf aus der Schlinge ziehen könnte als zuvor über die sichere Durchführung oder Nichtdurchführung der Love-Parade.
Und derartige Wiederholungen zu vermeiden, zumindest dafür muss dieser traurige Vorfall gut sein.

Bruchsals Love-Parade...

... das war der Fastnachtsumzug durch die Klostergasse.
Immer dran denken!
Und es gibt noch andere Beispiele...

RE: Duisburg ist überall

Hallo,

wenn auch spät und kurz dann doch noch ein paar Punkte zur Begründung:

Bezüglich Verquickung Amt und Eigeninteressen kann ich nicht wirklich erkennen, dass das heute Schlimmer ist als vor 10, 20 oder 30 Jahren.

Dazu kommt das Problem, dass sich an vielen Stellen kaum noch geeignete Leute finden, weil es sicher nicht immer Spaß macht, wenn einem jedes Wort sofort im Mund umgedreht wird und man immerfort mit der Rücktrittskeule kommt (siehe dazu auch die Rücktritte der letzten Monate).

Ich möchte den Herren OB in Duisburg jetzt auch nicht zwingend länger im Amt sehen, was mich an diesen Reaktionen nur stört ist:
- Die Reflexhaftigkeit der Forderung
- Die Schwarz-Weiß-Malerei in der veröffentlichten Meinung, man schaue nur mal, was im sogenannten Fall Brunner so alles nicht berichtet wurde, damit die Heldengeschichte nicht geschmälert wird. Wenn das dann zu Reaktionen wie Morddrohungen führt (was Sie ja in der Metapher "den Kopf fordern" strenggenommen auch schon befördern), hat das schon den Charakter eines lynchenden Mobs, daher meine Wortwahl.
- und: wem ist denn geholfen, wenn er denn zurückgetreten ist. Nach Ihrem Kommentar ganz oben wäre es doch eine originellere Strafe ihn noch jahrelang bei jedem offiziellem Anlass auf dieses Desaster anzusprechen statt Ihn bei üppiger Pension im entspannten Ruhestand zu wissen.

Was die Massenpanik angeht:
Ich habe ehrlich gesagt nichts hilfreiches darüber lesen können, bei oberflächlicher Suche fanden sich nur Artikel mit Themen wie
"Tritt OB zurück oder nicht" und das ist ja genau ein Kritikpunkt:
Lieber wird schön über Personalfragen geschrieben, als dass man sich mal mit den wirklichen Fakten und Hintergründen befasst. Wenn Sie was interessantes dazu gelesen haben, wäre ich für einen Link danbar.

Ich kann aus eigener Erfahrung aber sagen, dass in solch grenzwertigen Situationen immer Leute zu finden sind, die sich vorbildlich Verhalten, anderen Aufhelfen usw, dass es aber auch die anderen gibt, die sich völlig unbesonnen und unmenschlich Verhalten und ohne deren Anwesenheit es zu solch einem Desaster nicht kommt. Natürlich war ich nicht dabei und möchte niemanden Vorverurteilen, nur, wenn sich alle wie zivilisierte, besonnene Menschen benommen hätten wäre es mit Sicherheit nicht zu solch einer Katastrophe gekommen und es gehört nunmal zur Komplexität von Schuld, dass auch Opfer gleichzeitig Täter sein können. Nur ist das halt für unsere schwarz-weiß-Berichterstatter ein viel zu komplexes und heißes Eisen.

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