"Linsenblicke" - Ausstellung mit Fotografien von Marie-Francoise Straub
Das gibt es in der Fotografie heute nur noch selten: Fotos, die nicht auf dem Computer nachbearbeitet werden. Originale, keine Nachhilfe in der Belichtung, keine Bearbeitung des Bildausschnitts, keine Manipulation der Kontraste und was die Software-programme heute alles an Nachhilfe-Möglichkeiten anbieten. Marie-Francoise Straub fotografiert fast schon antiquiert, sie verzichtet auf all diese Möglichkeiten, verlässt sich nur auf ihre Linse und natürlich auf ihr Auge.
Mit viel Geduld wartet sie auf den richtigen Augenblick, das richtige Licht, die optimale Stimmung. Fotos, die ausschließlich im Kopf der Fotografin entstehen. Insofern ist der Titel „Linsenblicke“ nicht ganz treffend. Die Linse ist nur das technische Hilfsmittel, die Bild-Vorstellungen der Fotografin einzufangen. Marie-Francoise Straub beobachtet vor allem die Natur um uns herum sehr genau. Die Wasserfontaine eines Pariser Brunnens bildet urplötzlich eine Gruppe geschwätziger Frauen ab. Ein Gesteinsaufschluss mutiert zum Fußstapfen eines Fantasietieres. Tannennadeln, Baumrinde und Kieselsteine samt Treibholz erzählen fantasiereiche Bildergeschichten. Fotos, die man mit viel Muße betrachten kann. Mit derselben Muße, mit der sie gemacht wurden. Dabei ist nichts inszeniert, Frau Straub zeigt einfach Bildausschnitte unserer Umwelt, die jeder sehen kann, der in der Bilderflut unserer Zeit nicht verlernt hat, genauer hinzuschauen. Bilder, die entstanden sind bei langen Spaziergängen in Kanada, Paris oder auch am Altrhein bei Speyer, wo die Foto-Künstlerin wohnt.
Marie-Francoise Straub hat die Liebe zur Fotografie schon als Kind mit 12 Jahren entdeckt, als sie vom Vater eine Zeiss-Ikon, hergestellt vor dem 2. Weltkrieg, geschenkt bekam, der Beginn einer Leidenschaft, die sie während der Schulzeit und des Studiums pflegte. Allerdings waren Filme und Entwicklungskosten damals noch recht teuer, sodass sie von Anfang an lernte, die Motive mit großer Sorgfalt auszuwählen. Diese Konzentration auf das Motiv, hervorgegangen aus wirtschaftlichen Zwängen, ist heute ein Markenzeichen der Fotografin, die heute natürlich längst digital unterwegs ist. Ihre Art des Sehens hat aber mit der Schnelllebigkeit der heutigen Zeit nichts zu tun. Marie-Francoise Straubs Fotos strahlen eine seltene Ruhe aus, eine Aufmerksamkeit für Details und den Augenblick. Sie sind Dokumente der Suche nach Stimmungen, Farben und Formen, die in der Natur und in Landschaften verborgen sind, und die ihre innere Stimmung widerspiegeln.
Die Foto-Ausstellung ist bis Mitte November im Bruchsaler Schlachthof zu sehen.
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