Ein letschter Nachruf uff unser Brusler Klohäusl …!

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Was ih noch sage wollt …
Mittwoch, 29. September 2010 - 16:08
klohaus

Morgen ist es weg

Da ab morgen das Klohäuschen das Zeitliche gesegnet hat, hier eine Email die mich heute erreichte.

Was ih noch sage wollt ...

Ein letschter Nachruf uff unser Brusler Klohäusl ... !

Do steht's noch, zwische all dene hoche Häuserfluchte, kloi, vielleicht e bissle einsam, awer mit erem fascht unumstößliche Stolz. Wie wenn's sage wollt: „Guckt alle her, ih steh noch!"

Wieviel Mensche mit erem kloine Bedürfnis hat's wohl in de letschte Johre en große Dienscht erwiese....?!

Wieviel Brusler - und vielleicht ab und zu en Zu'graiste - sin do voller Drang nei­g'flitzt!? Quasi in letschter Minut.

Gut, sie hen meischtens koi langes B'süchle g'macht...es isch ja so zu sage net grad en Ort zum Verweile, oder en Ort um sich mol wieder ebbes gönne zu könne, oder en schöne Tag mache, wenn ma grad uff Brusel nei kummt.

Awer koiner det sage, dass ma uff so e Klohäusl verzichte könnt.

Egal welche Schichte. Wie sage se doch in de Politik: „Es geht durch alle Schichte."

Schun des Wort „Schichte" im Zusammehang mit Mensche macht ma e Grumle em Bauch...

Awer um uff's Klohäusl z'rück zu kumme ..."Müsse" müsse ma alle!!

Gut dass s'es noch net abgrisse hen, zwische all dene große neie Baumaßnahme.

Do steht's noch, fascht e bissle verlore.

Eh stilles Örtle halt - für e kurzes B'süchle ...

Für alle junge Mütter mit ihre kloine Kinner, dene grad noch so in letschter Sekund  des zu enge Jeanshösle runnergezerrt wird.

Für alle ältere Mitbürger, für die de Weg in d'Innestadt eigentlich schun zu weit isch, un nur noch mit erem Zwischestopp em Klohäusl zu bewältige isch.

Für alle hoch beschäftigte G'schäftsleit, die do nach erem große Gschäftsabschluss ihr kloines intimes G'schäftle mache könne - oifach so - müsse koi  b'sondere Konditione ei'gehe ... sich nur mit erem Knopfdruck vun allem befreie un e friedlich weißes Papierle hinnenoch schicke.

Für alle Bauarbeiter, die grad en dene hoche Häuser schaffe, un jetzt in unserm  lieb g'wonnene Klohäusl throhne dürfe un net in so eh blaues Kunschtstoffhäusl sitze müsse...(Was des wohl ah wieder gekoscht hätt, die Dinger uffstelle, vielleicht des „Dixi-Klohäusl" womöglich noch uff de gleiche Platz nostelle, wo's alt Klohäusl war, do wär Fraid uffkomme. Net uffrege - sie hen's jo net g'macht.)

Kurzum - e Örtle für alle !!!

Ma muss schun zugewe, net grad „der Kommunikationstreff" vun Brusel, ma will do drin eher älloi sei, awer e unentbehrlichs Plätzle ... fascht en Geheimtipp.

Un wenn sich nach Brusl mol en Auswärtige verirrt un mich e bissle verlege nach de Toilette frogt, dann sag ich stolz: "Sie hen großes Glück, s'Klohäusl, es steht noch ... es steht grad noch."

Un wer jetzt noch d'Meglichkeit hätt, mol sozusage, wenn er grad „müsst", der könnt noch mol nei, für e kurzes B'süchle. Nur so zum Abschied nemme, wenn meglich in aller Stille, also geräuschlos, nur dass ma sage könnt - ih war dabei!

Lang halt ma's drin nemme aus, mer sieht's em a oh, dem alte Klohäusl, s'hat halt schun viel g'litte un schun viel g'sehe, ob's g'wollt hat oder net.

Heit det ma sage, s'hat e ganz b'sondere Aura.

Es derf sich nun bald verabschiede, mit erem zarte, wehmütige Düftle.

Net uffdringlich.

Nur en kloine Hauch Brusler G'schichte!

 

 

Brigitte Köck

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Kommentare

Das erste Bild vom Brusler Klohäusle?

Hier eines der ersten, wenn nicht sogar das erste Bild vom Brusler Klohäusl. Dort, wo's Adölfle immer am Brunne gschtanne is. Mit dem Abriss vom Klohäusle geht jetzt wieder ein Stück Bruchsaler Geschichte "von unten" perdu.

Klohäusle

Der Kirchturm der Stadtkirche ist noch eingerüstet. Im Vordergrund das Klohäusle. Aufnahme von 1958

Dieses und andere Fotos kann man in wenigen Wochen in folgendem Buch betrachten: Ekkehart Krauth: Bruchsal im Bild - Fotografische Schnappschüsse von 1946 bis 1963. Hierbei handelt es sich um ein gemeinsames Projekt zwischen Dr. Krauth, einem in Herrsching lebenden Bruchsaler, und dem Stadtarchiv Bruchsal.

Eingerüstete Stadtkirche

Dieses Gerüst war ein beliebter "Spielplatz" von uns "Nachkriegskindern". Nach Feierabend und an den Wochenenden "gehörte" der Kirchturm uns. Wir übten unsere Kletterkünste am Gerüst, versammelten uns natürlich ganz oben zum Zigarettenrauchen - und keiner vertrieb uns, den Erwachsenen war das ziemlich egal - heute unvorstellbar. Aber schön war's doch...

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