Land Baden-Württemberg kauft 45,01% an EnBW

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Hat Mappus einen guten Deal gemacht?
Dienstag, 7. Dezember 2010 - 23:28

EnBWDer Stromkonzern EnBW ist wieder ganz in deutscher Hand. Das Land Baden-Württemberg legt Milliarden auf den Tisch, um die mögliche Übernahme des Strom- und Gasversorgers durch Gazprom oder andere Spieler zu verhindern. Ist das wirklich ein guter Deal oder zockt Mappus jetzt mit Steuergeldern?

EnBW ist jetzt wieder komplett in der Hand der öffentlichen Hand. Das hört sich doch eigentlich gut an. Ist das wirklich gut für Baden-Württemberg und die Verbraucher?

Eins ist klar, die Strompreise werden nicht sinken, denn die Landesregierung beabsichtigt den gerade erworbenen 45,01% Anteil an der Börse - möglichst in Streubesitz hinein - bald wieder zu veräußern. Auch und gerade Kleinaktionäre erwarten eine ordentliche Rendite! Das hat uns die jüngste Finanzkrise am Beispiel der isländischen Kaupthing Bank doch gerade ausreichend klar gemacht.

Die mageren 3% mit denen die EDF in den letzten 10 Jahren in etwa gelebt hat können es nicht gewesen sein. Nachdem nun klar war, dass EDF niemals (oder zumindest nicht zu vertretbaren Kosten - manchmal werden auch oberschwäbische Landräte schwach) die Mehrheit erlangen kann, hat man sich in Paris entschlossen sich von dem Engagement in Deutschland zu trennen.

So weit - so gut. Aber warum muss das Land Baden-Württemberg unbedingt in einer Nacht-und-Nebel-Aktion mittels einer Vorratsfirma 45,01% für die sagenhafte Summe von 4.670.000.000 € kaufen? Dazu noch einen Versorger, der mit einem Atomstromanteil von 57% ein zumindest in Deutschland äußerst risikoreiches Geschäftsmodell verfolgt. - Ich meine JA, dass musste jetzt sein.

Warum?

1) Richtig teuer ist das Geschäft nicht, auch wenn man sich vor Augen führt, dass man vor gerade eben 10 Jahren desinvestiert hat. Im Jahr 2000 verkaufte das Land BW Anteile von 25,1% für 2,4 Mrd € an EDF.  Das müssten damals etwa 39,15 € pro Aktie gewesen sein. Jetzt kaufen wir 45,01% für 4,67 Mrd € zurück. Heute zahlt Mappus 41,50 €, also einen Aufschlag von etwa 2,35 € pro Aktie. Das sind in den 10 Jahren rd 0,6% pro Jahr.

Allerdings gab es in den 10 Jahren bis auf 2003 - dem Antrittsjahr von Utz Classen - Dividenden. Das waren in Summe rd 10 € Dividende pro Aktie - absolut etwas weniger 1 Mrd € für EDF, so dass unter dem Strich ein Ergebnis von etwa 12,35 € oder 3,13% Verzinsung der Investition pro Jahr herauskommt. Das ist etwas mehr als eine Geldanlage auf dem guten alten Sparbuch. Da gibt es lohnendere Investitionen (Natürlich ist das hier alles ein wenig vereinfacht, weil EDF ihren Anteil von 2000 bis 2005 von 25,01% auf 45,01% aufgestockt hat).

2) Das Risiko ist überschaubar, denn wir (Bundesrepublik Deutschland) haben gerade eine Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke beschlossen. Wenn also bald die Anteile wieder verkauft werden, dann dürfte sich das Risiko in Grenzen halten, denn es werden sich Anleger finden, die mindestens 41,50 € pro Aktie zahlen.

3) Nur wenn man besitzt kann man auch gestalten. Diese Möglichkeit besteht nun. Denn langfristig ist das Geschäftsmodell der EnBW im Bereich Strom durch den hohen Anteil der Kernkraft (Atom 57%, Fossile 32%, Erneuerbare 11%) als nicht nachhaltig zu beurteilen. Dazu gibt es noch einen hohen Druck von Seiten der EU Kommission zum Verkauf des Stromnetzes, so wie das mittlerweile z.B Vattenvall und RWE getan haben.

Das Stromnetz ist aber genau der entscheidende Teil, an dem die Kommunen in BW Interesse haben sollten. Wenn die Landesregierung hier schlau agiert und vor dem Verkauf an der Börse das Stromnetz abtrennt und in Landesbesitz behält, wäre viel gewonnen. Denn in den Stromleitungen lässt sich nicht nur Atomstrom transportieren, sondern auch jede Menge nachhaltig erzeugter Strom auch Erneuerbaren Energiequellen.

Der lässt sich dann selbst erzeugen oder überall zukaufen. Die benötigten 120 Mrd kWh kommen schon zusammen, wenn man nur will.

Hier macht unsere Landesregierung einmal wirklich (bisher) alles richtig.

Also Stromnetz abtrennen und den Rest verkaufen. Warum nicht an Gazprom? - Wenn ohne Stromnetz nicht genug zu erzielen ist, dann können wir ja immer noch Stuttgart 21 sein lassen ;-)

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Kommentare

Warum dann erst privatisiert?

Als es noch Baden-Werk hieß und dem Land gehörte, konnte es nicht schnell genug gehen mit der Privatisierung. Wegen angeblichem Konkurrenzkampf und niedriger Preise für den Endverbraucher. Über die Strompreise brauch ich mich nicht mehr äussern. Haben wir der FDP zu verdanken. Und jetzt werden wieder Anteile gekauft? Natürlich zu stolzen Preisen, versteht sich. Was für ein Theater! Hätte man alles in der Hand des Landes belassen, wäre viel Geld (vom Steuerzahler) gespart worden.

Richtig!

Der Ötti hat's damals verbockt. Finde es jetzt aber gut, dass die ENBW zu Teilen wieder beim Land ist, dank Mappus.

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