Kultusministerium und Bundeswehr schließen Kooperationsvereinbarung

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Was hat die Bundeswehr in der Schule zu suchen?
Samstag, 12. Dezember 2009 - 20:08
Offizier in der Schule

Mein Gott war das eine Woche. Vor lauter sich überschlagenden Ereignissen in Bruchsal, hat man total vergessen in die Bundes- beziehungsweise in die Landespolitik zu schauen. Die Bundespolitik ist sich vorweihnachtlich einig, damit ihre Chefin in Kopenhagen ein paar co2-Zertifikate an den Mann bringen kann. Und im Ländle, da wird still und leise an unserer Zukunft modelliert.

Unser Kultusminister Helmut Rau und Generalmajor Gert Wessels haben am 4. Dezember vereinbart, dass es eine Zusammenarbeit zwischen Schulen und Bundeswehr in Baden-Württemberg geben wird. Ziel ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit im Rahmen der politischen Bildung.

Minister Helmut Rau: „Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt soll die Kooperation Jugendliche an sicherheitspolitsche Themen heranführen. Damit soll der Blick auf die Chancen und Risiken unserer Sicherheit und auf das Fundament unserer freiheitlichen Grundordnung geschärft werden".

Jungoffiziere sollen wie weiterhin in den Schulen Vorträge halten und darüber hinaus in die Aus- und Fortbildung von Referendarinnen und Referendaren und von Lehrkräften eingebunden werden. Außerdem bietet die Bundeswehr Lehrerinnen und Lehrern sowie Vertretern der Schulaufsicht ihrerseits Besuche in ihren Einrichtungen und Seminare zur Sicherheitspolitik an.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, liebe Leser, aber mir wird da etwas flau in der Magengegend. Erstens hatten wir schon einmal den Fall, dass das Militär in den Schulen zu viel Einfluss hatte und Zweitens, möchte ich schon selber meinen Töchtern beibringen wer oder was, Gut oder Böse ist. Und außerdem, was heißt hier Lehrer/innen und Schulaufsichtsvertreter können an Seminare zur Sicherheitspolitik teilnehmen? Ist der Titel dieser Seminare vielleicht „Wie kriege ich Störenfriede in die Arrestzelle" oder „Richtiges Stramm stehen und Apell im Schulhof" Oh, oh ....Mir schwand schon fern der Klang von Marschmusik und Soldaten im Gleichschritt. Wird so die Wählerschaft von morgen, heute schon in Stellung gebracht?

bw raus aus den Schulen

Damit Sie sich ihr eigenes Bild davon machen können, hier ist die offizielle Presseerklärung des Kultusministeriums: Kultusministerium und Bundeswehr schließen Kooperationsvereinbarung

 

 

Wenn Ihnen jetzt etwas schwindelig ist und es sich vor Ihnen dreht - rasch den PC ausschalten. Dann sind Sie reif für den Feierabend! Zuviel Scherbelhaufen und Poitik tut dem Gemüht nicht gut.

(Schauen Sie mal genauer hin...da dreht sich nix!!)

Einen schönen 3. Advent

Dreht sich da was?
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Kommentare

Wie bitte?!

Ich hoffe doch sehr, dass Eltern und Lehrer sich bewusst darüber sind, was das bedeutet... die totale Gleichschaltung hat bei den Medien begonnen (gottseidank gibt's Dinge wie BRUCHSAL.ORG) und jetzt geht es mit der Schule weiter...

Gerade wir als Deutsche - uns wird doch seit wir sprechen und denken können eingetrichtert, anti-militärisch zu sein. Das Einreden der ganzen Schuldgefühle hat BEI MIR jedenfalls geklappt:

ich heiße die Militarisierung der Schule absolut nicht gut und kann nur Eltern und Kindern raten, das ganze zu boykottieren. Geht nicht hin!

Und kommt nicht mit fadenscheinigen Ausreden oder der Angst um Schlechte Noten - genau so funktioniert Fschismus, und wenn ihr alle mitmacht aus Angst dass ihr schlechte Noten kriegen könntet falls ihr nicht mitmacht, dann seid ihr schon GENAU SO DRAUF wie die obrigkeit es will.

Bitte lest alle mal das Buch 1984 und Schöne Neue Welt.

In der DDR ...

... hieß das damals "Wehrkundeunterricht". Oder bringe ich jetzt wieder mal was durcheinander?

Gruselig...

Auch mich gruselte es bei Veröffentlichung dieser Meldung.

Dass eine so genannte Parlamentsarmee gefordert ist ihre Aufgaben und Strukturen den Bürgern - auch den heranwachsenden - offen zu legen und zu vermitteln ist durchaus schlüssig.
Wen ich aber Sätze lese wie "Ziel ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit im Rahmen der politischen Bildung", und dabei meine eigenen Erfahrungen vor Augen halte, stellt sich unweigerlich eben jenes Gruseln bei mir ein.

Dabei muss ich nicht erst auf die aktuellen Vorfälle in Afghanistan verweisen. Zwar sind die Ermittlungen dort noch längst nicht abgeschlossen, doch zeichnet sich bereits jetzt ab, wie schnell aus dem Aufbauhelfer in Uniform ein gnadenloser Rächer werden kann. Das Handwerkszeug erhält er ja von Amts wegen bereits.

Oder man denke an die Misshandlungen von Rekruten in Coesfeld, wobei doch immer auch ausdrücklich betont wurde, es handle sich um bedauerliche Einzelfälle.

Vielleicht hat beides aber auch darin eine Ursache, dass Führungskräfte und Ausbilder oftmals selbst nicht die nötige Gesinnung oder Ernsthaftigkeit für ihre Aufgaben mitbringen und womöglich ihrerseits auch keine Verankerung in der demokratischen Gesellschaftsordnung haben.
Stichwort: persönliche Eignung!

Gruselige Bundeswehr

Na gemach...man sollte nichts übertreiben. Die Bundeswehr als Institution hat durchaus ihre Daseinsberechtigung, und ihre Hauptaufgabe, nämlich Sicherung und Erhalt des Friedens, nicht Krieg zu führen, hat sie ja ihm Rahmen des Bündnisses erfüllt - wir leben immer noch in Freiheit und nicht in irgendeiner Volksdemokratie. Auch kann man den Streitkräften nicht vorwerfen, sie hätten keine Verankerung in der demokratischen Gesellschaft - Millionen von Wehrpflichtigen haben die demokratische Gesellschaft in den den letzten 60 Jahren in die Bundeswehr hineingetragen, und durch den Primat der Politik, dem sich die Bundeswehr völlig unterordnet, kann man sie auch nicht dafür verantwortlich machen, wofür sie eingesetzt wird. Das ist Sache der Politiker und deren Profilneurosen (wir sind wieder wer, man hört auf uns, wir können wieder mitreden..). Die Soldaten haben zu gehorchen, und damit basta. Das tun sie. Und hier setzen meine Bedenken an: Zu einer Demokratie gehört nämlich auch Zivilcourage (s. Kennedy), z.B. der Mut, Kritik zu üben. Und daran mangelt es meines Erachtens gewaltig in der Bundeswehrführung, was aber in der deutschen Militärgeschichte eine lange Tradition hat. Der ehemalige Inspekteuer der Luftwaffe, Steinhoff, warf der Generalität im 3. Reich vor, kritklose Erfüllungsgehilfen gewesen zu sein. Nun, dafür kann man, angesichts der Folgen von Widersetzlichkeit, noch ein gewisses Verständnis aufbringen. Heutzutage aber wird keiner mehr einen Kopf kürzer gemacht, wenn er Kritik äußert, es kann ihn lediglich die Karriere kosten. Unterordnung unter den Primat der Politik heißt nämlich nicht, das Denken einzustellen, das Gehirn an der Wache abzugeben und in vorauseilendem Gehorsam all den Unsinn umzusetzen, den die Politik anordnet. Warum steht keiner der Generäle und Kommandeure hin und sagt: Das und das kann ich nicht verantworten und deshalb nicht mittragen, das und das ist politisch und militärisch unverantwortlich, zumal es um Menschenleben geht, und das und das muß vorher geregelt und geklärt sein, bis ich mein uneingeschränktes Ja dazu geben kann, ansonsten ich mein Amt zur Verfügung stelle. Warum sagt keine Führungskraft, die in Afghanistan ein Kommando übernehmen soll: "Nein, dazu stehe ich nicht zur Verfügung, bis die und die Punkte geklärt sind." Was kann passieren? Man kann mit militärischen Sanktionen gegen einen solchen Soldaten vorgehen. Aber dagegen kann er sich gerichtlich wehren und/oder in die Öffentlichkeit gehen - und eine Diskussion lostreten. Man muß nicht vor dem Militär Angst haben, sondern vor der Politik, die dieses Militär einsetzt. Sollte in den Schulen allerdings die Regierungspolitik "verkauft" und Nachwuchs für die Durchführung dieser Politk gewonnen werden, müßte man tatsächlich Einwände gegen den Einsatz von Bundeswehr in den Schulen gelten lassen - insofern gebe ich Herrn Schober recht: Wenn es einem gruseln soll, dann aber nicht vor der Bundeswehr - eher vor der Politik! Fürchte nicht das Messer, sondern die Hand, die das Messer führt!

Unsere Freiheit

wird doch am Hindukusch verteidigt!! Das muss man auch den SchülerInnen vermitteln - ist doch klar, oder? Bevor die dumme Fragen stellen.

Also, auf geht's. Vielleicht soll das Ganze auch mal wieder dazu herhalten, zukünftige frische SoldatInnen zu rekrutieren. Kanonenfutter - pardon, Luftschlagfutter - für eine völlig verfehlte Politik.  

Die Militarisierung des Unterrichts – die Bundeswehr an Schulen

 

hier eine interessante Studie zum Thema welches schon im Dez. 2009 auf Bruchsal.org diskutiert wurde.

Die Eroberung der Schulen

Wie die Bundeswehr in Bildungsstätten wirbt

 

 

 

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