Kreiskämmerer Adam oder

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die Verstörung subordinierter Kräfte, die an Recht und Gesetz glauben.
Freitag, 22. Januar 2010 (Ganztägig)

Man muss nicht Kleist gelesen haben, um „Adam" spannend zu finden. Aber man muss Kreisrat gewesen sein, um den Kreiskämmerer Adam für einen aufregenden Zeitgenossen zu halten.

Kreiskämmerer Adam erlebte seine Hoch-Zeit unter Landrat Claus Kretz, jener Kretz, der nach der Aufdeckung der sogenannten Mietaffäre um den „Aha-Weg" nicht nur aus dem Amt, sondern gleich aus dem Leben schied. Die Affäre wurde unter der Überschrift: „Mini-Miete für ein schönes Haus" bundesweit publik. Die schon im Falle Wörz ruhmreiche Karlsruher Staatsanwaltschaft beerdigte die Verfahren nach des Landrats Tod gegen mehrere Mitstreiter (u.a.: Kreiskämmerer Adam) vergleichsweise lautlos und preiswert. Diese Betrachtung drängt sich auf, wenn man an das Lärmen der Behörde um den angeblichen Kinderporno-Freund (SPD)-Tauss denkt.

Nun ist die „Aha-Weg-Miet-Affäre" eine deutlich interessantere Affäre, als bis dato deutlich. Das erhellt. Kreiskämmerer Adam. Dieser hatte den Kreistag mit einer frech gefälschten Vorlage zur „Rentabilität" und die „Nutzungsvorstellung" des Ahaweges als Kreisarchiv frech in die Irre geführt und zum schlechten Schluss noch einen gefälschten Haushalt vorgeführt, der den Kreisräten gar nicht gefallen hat.

Der Mann ist noch in Amt und Würden und führt zunehmend, zur Verstörung von subordinierten Kräften, die an Recht und Gesetz glauben, das große Wort. Neu-Landrat Schnaudigel ist zur souveränen Amtsführung als Arbeitgeber des Kreiskämmerers Adam offenkundig nur begrenzt fähig. Folge dieser wenig verständlichen Insuffizienz: Massenflucht qualifizierter Mitarbeiter vor dem moralfreien und machtstarken Kreiskämmerer Adam und dessen Chef.

Der zerbrochene Krug

Zurück zur Affäre. Es lohnen sich noch ein paar aufklärende Worte, die die bisherige öffentliche Wahrnehmung sprengen. Es ging mitnichten um die Einsparung von ein paar Hundert Euro Miete seitens eines geizigen Landrats.

Verdichtet der Sachverhalt: Der Landkreis hat eine Villa im Hardtwald deutlich unter Preis erworben, die für den gedachten Zweck („Kreisarchiv") komplett ungeeignet war, um diese dem „Paten" des Landkreises für eigene und Repräsentationszwecke zur Verfügung zu stellen.

Beiläufig wurde der Sohn des für die Landkreis-Berichterstattung zuständigen BNN-Redakteurs in einem Nebengebäude der Villa preisgünstigst untergebracht, damit dieser - für den Landkreis zuständig - das Maul hielte, was auch planmäßig geschah. Der Redakteur verlor seinen Job und ist seit der Affäre nur noch für das Korrigieren von Kollegen-Berichten zuständig....

Der Fall Kretz-Ahaweg ergreift - bei Licht betrachtet - die gesamte politische Klasse des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Karlsruhe.

Schon die Kaufpreisvorstellung des Landes für das Objekt war dem Landkreis (richtig: dem Landrat und seinen Partygästen) gegenüber als bescheiden zu bezeichnen. Der Gutachterausschuss der Stadt Karlsruhe - sinnigerweise eingeschaltet - (Oberbürgermeister Fenrich, Bürgermeister Eidenmüller) fand die bescheidene Forderung des Landes überzogen und ließ den Gutachterausschuss einen neuen Wert für das Anwesen ermitteln. Basis der Überlegungen: Das armselige Objekt läge neben einer Industrie-Anlage („Majolika") und sei von bescheidenem Wert. Auf dass der Landkreis das Gebäude für seinen Landrat und dessen Partygäste preiswert erwerben könne. So geschah es, bis auf Intervention böser politischer Gegner, wie dem Autor, das völlig Ungeeignetsein des „Objekts" als Kreisarchiv definiert wurde.

Und: Nach dem ungeplanten Platzen des Projektes und dem Abgang des Landrates konnte/sollte/durfte der Landkreis das für keinen anderen Zweck geeignete Objekt veräußern. Für 1,53 Millionen Euro. Dieser Betrag beläuft sich - auch unter Berücksichtigung der zwischenzeitlichen Kreis-Investments, um dem Landrat den Aufenthalt in der Villa zu verschönen - auf knapp das Dreifache der Schätzung des Karlsruher Freundeskreises. Bürgermeister Eidenmüller, für Bausachen zuständig, ist als Gast im Hause Kretz bekannt.
Der Unterzeichner (und Ex-Kreisrat) hat sich der atypischen Mühe unterzogen, mal im Immobilien-Umfeld nachzufragen, was man denn von dem Industrie-Nachbarschafts-Gebäude hielte.

Nun. Der Focus der Immobilienwirtschaft lag eher auf einer positiven Betrachtung von Majolika, Hardwald und Schloss.

Jetzt hätten wir fast - über all der Aufklärung - den Kreiskämmerer Adam (Freund von Ex-Oberbürgermeister Bernd Doll, wo wir wieder den Bruchsaler Bezug hätten) vergessen. Der befindet sich mit dem Kreistag in bester parteiübergreifender Freundschaft (Hallo, Peter!) und hat keinerlei Selbstzweifel. Das macht jetzt dem Neulandrat Schnaudigel zu schaffen und seinen Mitarbeitern, die nach dem Abgang des Vorgängers auf (mehr) Moral hofften. Jetzt suchen diese das Weite.

Die Welt ist stabiler, als die Wirtschaftskrise glauben macht.

JS

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Kommentare

jawosimmerdenn? Palermo oder

jawosimmerdenn? Palermo oder wie?

Landratsamt Karlsruhe personell verstärkt

Ob die das Weite suchenden Mitarbeiter des Landratsamtes Karlsruhe dort mehr Moral finden, bleibt abzuwarten.
Wegen des Personalschwundes braucht sich Landrat Schnaudigel jedenfalls keine Sorgen zu machen - er hat gerade den früheren Persönlichen Referenten Martin Zawichowski des ebenfalls früheren Oberbürgermeisters Bernd Doll zum Leiter seiner Pressestelle gemacht.
Zawichowski, zufällig - wie Bernd Doll - aus Untergrombach stammend kann nun den Obergrombacher Peter Adam bei dessen Bemühungen um die Sanierung des Landkreishaushaltes unterstützen - zumindest pressemäßig.

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