Kommunalwahl 2009 - Update 6. April 2010 - Neuwahlen sind unumgänglich
Auf neuerliche telefonische Nachfrage beim zuständigen Richter am Landgericht Karlsruhe wurde uns heute mitgeteilt, dass eine Entscheidung in Sachen Dr. Scherbel wohl Mitte diesen Monats fallen wird. Das Landgericht wird diese Entscheidung durch eine Pressemitteilung kommunizieren.
Hier unser Kommentar vom 10. Dezember 2009:
Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass die Vorwürfe gegen Dr. Scherbel zutreffend sind, dann wurde die Kommunalwahl in Bruchsal gefälscht.
In einem solchen Falle gibt es verschiedene Möglichkeiten des weiteren Vorgehens, eine der möglichen Folgen ist die in der heutigen Tagespresse kolportierte „Nachrücklösung“ eines CDU Kandidaten.
Wie bitte?
Wie könnte es sein, dass die Partei, deren Führung wohl wusste, dass ihr Kandidat nicht wählbar war und in der Folge zu Unrecht fast 8.000 Wählerstimmen erhalten hat und hierdurch das Wahlergebnis maßgeblich beeinflusste, einfach einen anderen Kandidaten nachschiebt? Die Gemeinderatswahl ist ähnlich wie die OB-Wahl eine Persönlichkeitswahl, d.h. die Wähler gaben Dr. Scherbel ihre Stimme und nicht der CDU. Wenn man zudem noch weiß, dass die Parteioberen der CDU und viele andere in der Stadt, auch in der Verwaltung und in anderen Parteien von der Wohnsitzproblematik gewusst haben, so kann es nur eine konsequente und logische Folge geben: Es MUSS reiner Tisch in Bruchsal gemacht werden, wir können nicht ein System einfach so weiter machen lassen wie in den letzten Jahrzehnten. Die Folgen strafbarer Handlungen, sollten sie festgestellt werden, müssen auch Wirkung zeigen. Das politische System in Bruchsal ist wohl in weiten Teilen korrumpiert und obwohl dies viele Bürger wissen, scheinen sie sich damit abgefunden zu haben, was ein unerträglicher Zustand ist. Stellt sich heraus, dass diese letzte Wahl manipuliert wurde, dürfen wir als Wähler und Bürger dieser Stadt nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.
Eine Neuwahl stünde für einen umfänglichen Neuanfang in der Bruchsaler Politik, eingeläutet durch den Wechsel an der Rathausspitze und manifestiert durch eine dann hoffentlich saubere Gemeinderatswahl. Außerdem könnten sich zahlreiche in der Vergangenheit als „Betroffene“ agierende Gemeinderäte endgültig und ohne weiteres Aufheben zurückziehen und neuen Kräften die Arbeit ermöglichen.
Eine Wahlwiederholung mag für viele nicht die richtige Lösung sein, insbesondere das Regierungspräsidium und die Parteien. Warum? Das Regierungspräsidium hat natürlich noch die Kreistagswahl im Hinterkopf, die ebenfalls betroffen wäre. Hier ist jedoch die Lage eine andere, denn prozentual ist im Verhältnis zu den Gesamtstimmen das Scherbelsche Ergebnis nicht von derselben Qualität wie bei der Gemeinderatswahl in Bruchsal. Und die Parteien? Generell ist es für einige der Parteien eine finanzielle Frage und andere wiederum wissen, dass ob ihrer direkten oder indirekten Beteiligung davon auszugehen ist, dass sie Stimmeneinbußen erleiden werden.
Beides sind wohl keine stichhaltigen Argumente. Ein intensiver Wahlkampf wäre nicht notwendig, es ist alles gesagt und geschrieben UND nochmals, es handelt sich um eine Persönlichkeitswahl, es bedarf keiner Parteienwerbung mehr. Und was den zweiten skizzierten Aspekt angeht: ja, wir haben kein Problem damit, wenn es Konsequenzen hat, wenn parteipolitisch geklüngelt wird. Diese Konsequenzen könnten zwar auch in 4,5 Jahren eintreten, kennt man aber die Bruchsaler Verhältnisse, dann wissen wir alle, dass bis dahin der Pulverdampf verraucht ist und dann letztendlich niemand mehr ein Problem hat.
Da es belastbare Informationen darüber gibt, dass einige Mitarbeiter der Verwaltung und verschiedene Mitglieder der Bruchsaler Parteienlandschaft von all dem wussten, stellt sich noch die Frage, wie hiermit umgegangen wird. Es gab seinerzeit eine anonyme Anzeige gegen verschiedene dieser Personen. Es bleibt abzuwarten, was die Staatsanwaltschaft hierzu der Öffentlichkeit mitteilt.
Fazit: Wenn sich die Vorwürfe gegen Dr. Scherbel bestätigen, braucht Bruchsal Neuwahlen, sonst obsiegt erneut ein längst überholtes Politsystem, das – gesteuert von einigen wenigen „Wissenden“ - die Bruchsaler Wähler für dumm verkauft.
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Kommentare
Hmmm... jetzt frage ich
Hmmm... jetzt frage ich mal:
Wer BEZAHLT das? Der Verursacher?
Mal vollkommen ausen vor, was der Wahlkampf die Kandidaten kostet... auch der Verwaltungsaufwand will bezahlt sein.
Dr. Scherbel - bitte keine voreiligen Jubelstürme
So sehr ich auch das jetzige Procedere auch begrüße, möchte ich doch vor Vorverurteilungen warnen! Auch sollten unbewiesene Behauptungen wie:--"deren Führung wusste, dass ihr Kandidat nicht wählbar war "--
unterbleiben, da ansonsten die eigene Reputation verloren geht.
Stellt euch mal vor, daß dieses Verfahren mit Freispruch endet - und dann?
Bitte FAIR bleiben auch wenn es schwer fällt.
Ich bemühe mich jedenfalls.
Noch eine Frage: Was ist rechtlich gesehen mit Gemeinderatsbeschlüssen an denen ein Rat mitgewirkt hat, der eigentlich nicht hätte dürfen???
Ich hoffe sehr, daß dieses unschöne Kapitel baldigst beendet wird!
Unsere Kommunalaufsicht -siehe Pforzheim- schläft scheinbar tief und fest.
meine Meinung--- reinhard spiegler
Schlafende Kommunalaufsicht?
Nein, der Herr Regierungspräsident ist nach allem, was man so weiß, hellwach - möchte aber, aus welchen Gründen auch immer, dem schwarzen Kätzlein in Bruchsal nicht das Glöckchen anhängen.
In Pforzheim haben offensichtlich auch alle internen Kontrollmechanismen (Rechnungsprüfungsamt!) versagt oder versagen müssen; ein Sachverhalt, auf den unsere in diesen Dingen immer unkundige oder unwillige Presse natürlich auch noch nicht aufmerksam wurde.
Muss Reinhard Spiegler
Recht geben: solange es keine Verurteilung oder handfeste Beweise gibt, sollte man vorsichtig sein mit der Aussage, dass die Parteiführung von einem Wahlbetrug wusste.
Aber natürlich drängt sich dieser Verdacht auf, da die Parteiführung durchaus über alle Kandidaten informiert sein muss und somit auch hätte wissen müssen, dass Herr Dr. Scherbel wohl nicht die Voraussetzungen für das passive Wahlrecht bei der Bruchsaler Kommunalwahl erfüllte (milde ausgedrückt).
Übrigens
muss ich ergänzen: selbst wenn Dr. Scherbel verurteilt wird, ist das natürlich noch kein Beweis für ein Mitwissen der Parteiführung. Aber vlt. ergibt sich etwas aus dem Verfahren.
Scherbels Mitwisser?
Mitwisser?
Wer, außer BNN-Streib (und der weiß es auch besser) glaubt denn, Dr. Scherbel sei auf die CDU zugegangen und habe um eine Kandidatur nachgefragt?
Also - keine Mitwisser, eher Anstifter?
Neuwahlen
Neuwahlen, nur keine Zeit verlieren, am besten noch vor dem Urteil und ohne Wahlkampf. Die Führung die alles wusste, das politische System das korrumpiert ist, die blinden Bürger, die sich anscheinend damit abgefunden haben. So ganz, kann ich nicht unterschreiben, was die drei Tenöre da singen.
Aber in einem haben sie recht. Wahlkampf muss nun wirklich nicht sein. „Menschen wie Du und Ich!“ Was vor sechs Monaten noch als devoter Aufruf galt, Seinesgleichen zu wählen, erscheint heute eher als Anmaßung.
Außer bei dem mit dem Flitzebogen. Der darf wieder kommen.
Mit trotz allem heiteren Gruß
Andreas Hege
Voreilige Forderung?
Hallo Herr Hege,
bitte nicht vergessen: Das Thema Neuwahlen wurde vor uns von anderer Seite aufgebracht, nämlich in Form vorauseilender kategorischer Ablehnung.
Herzliche Grüße
Christian Kretz
Herr Hege hat recht
- man hätte "trotz" auch so schreiben können "Trotz"
mit ebenso hoffnungsvollem Gruß
reinhard spiegler