Die Kohlenhandlung Kallenbach in Bruchsal

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Samstag, 4. September 2010 - 11:23

"Bebbedackelschachtel, Bebbedackelschachtel ooooh du schöne Bebbedackelschachtel!" Peter Staenglen stand auf dem Kohlenberg seiner Mutter und sang mit einer Inbrunst und Lautstärke das Lied, deren sinnvoller Vers sich ständig wiederholen ließ.


Peter Staenglen
"Bebbedackelschachtel, Bebbedackelschachtel ooooh du scheene Babbedeckelschachtel!" Na also, dieses Wort ließ sich auch wenden. Zur Lautstärke kam nun noch ein Stöcklein, das auf die Koks einschlug oder in den Eierkohlen herumstocherte. "Mama, dort unten spielt ein blondes Negerbubele" sagte ich aufgeregt zu meiner Mutter, die am Herd in der Küche beschäftigt war und Kohle nachlegte. "Der Bub hat nur blonde krause Haare", lachte meine Mutter. "Afrika ist weit", sagte sie im Topf herumrührend. "Willst du mit ihm spielen?" Meine Mutter kannte die Kohlenhaldenbesitzerin Frau Kallenbach recht gut. "Die Mutter vom Peter ist eine liebe, tapfere Frau", fügte sie hinzu.

Frau Kallenbach war nicht nur lieb, sie war eine hübsche Person, die die Kohlenhandlung, eine Krautschneiderei und eine Mosterei betrieb, zwei hübsche Töchter, die Gerda und die Doris hießen, besaß, einen großen und kleinen Sohn ihr Eigen nannte und trotz zahlreicher Schicksalsschläge immer zufrieden schien.

Kohlenverkauf
Der Hermann war ihr Großer, der uns Kinder in Kauf nahm und Peter war ihr kleiner Filius, der die Kinder um sich scharte. Und das hatte Sinn und Zweck, denn zur Süßmostzeit bekamen wir von der gutherzigen Frau Kallenbach jeder ein Becherchen, das immer rings herumging, um nachgefüllt werden. Und in der Sauerkrautzeit verteilte sie die sauren Bänder mit einer Holzzange, um sich an den armen Kleinen zu erfreuen, denen sie wohltat.

Die Briketts verschenkte sie nicht, aber sie verkaufte sie zu einem angemessenen Preis. Aber selbst die Kohlen trugen zur Erheiterung bei, wenn Peter und ich die Steinhalden erklimmen wollten, um immer wieder abzurutschen. Ich entsinne mich noch gut, wie das blonde Negerbubele zu mir sagte: "Kannst du Ski fahren? Ich kann!" Dann band er sich ein paar Fassbrettchen um und fuhr den Tratschbuckel herunter. Ich staunte. Das Zeug hielt und ich hielt den Mund, denn ich konnte überhaupt nicht Skifahren, nur rodeln und radeln.

Kohlen
Hie und da fuhr ich mit Peter und Herrn Marquedant die Kohlen aus. Und da rutschten wir auf den heiß gewordenen Kunstlederbezügen ungeduldig hin und her, bis der alte Mann die Leute und deren Keller mit Briketts und Eierkohlen gefüllt hatte und uns manchmal ein Zehnerle gab, damit wir ein Eis lutschen konnten. Herr Marquedant war sehr kinderlieb und schleifte gekrümmt die vollen Säcke in die Häuser, um anschließend wieder zufrieden lächelnd uns zu fragen: "Na, hat's lange gedauert?" Oh ja, das hat es immer, aber wir riefen: "Nein, nein!", denn nun kam der alte Lastwagen ja wieder in Gang und die Gänge krachten.

Ich denke oft an jene Zeit zurück, wo die Großen noch ein richtiges Herz hatten für die Kleinen.

Ich höre noch heute das Lied der alten Bebbedackelschachtel und sehe den quicklebendigen Buben von einst vor mir. Sauerkraut, Süßmost und Koks tauchen vor den Augen auf, die nette Frau Kallenbach mit ihrem sorgenbeladenen Gesicht aus dem zwei gütige Augen blickten, der Herr Marquedant mit seiner Kappe und dunklem Arbeitsanzug und seiner Freude, wenn er uns Kinder ein kurzes Eisglück bescherte und - natürlich die Pappendeckelschachtel, die einen Sack voll Erinnerungen birgt.

© Barbara Mitteis

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