Klimaschutz forever?
Die EU kämpft gegen die Erderwärmung. Mit Dämmstoffen und herausgeschraubten Glühbirnen, soweit es den Verbraucher betrifft. Letzteres macht neuerdings auch die Volksrepublik China, die gleichzeitig jeden zweiten Tag (!) ein neues Kohlekraftwerk ans Netz hängt. Kein Wunder, denn Wirtschafts-wachstumsraten von kleiner 10 % signalisieren offenkundig die nationale – chinesische - Katastrophe. Die internationale Katastrophe, um genauer zu sein, denn China ist für die Industrie, namentlich die deutsche, ein gewaltiger Absatzmarkt. Nach der letzten bekannten Zahl (I. Halbjahr 2010) nehmen die deutschen Exporte nach China um 17,1 % zu.
Täglich lesen wir von Klimaschutz-Zielen, vom Einsatz alternativer Energie, von energieeffizienten neuen (Haushalts-) Geräten, von der Rettung des Planeten, um es großspurig zu formulieren.
Eine gewisse Verzweiflung macht sich nun nach der Veröffentlichung des MIT breit, dass in 2010 die „schädlichen“ Klimagase um mehr als 6 % zugenommen haben. Einem ZEIT-Blog ist ferner zu entnehmen, dass diese Klimagase zwischen 1990 und 2010 um 45 % zugenommen haben. 2010 also war ein Rekordjahr – trotz parallel verkündeter Planeten-Rettungs-Ziele.
Man muss kann Philosoph sein, um einen gewissen Größenwahn in der Absicht (falls das jemand tatsächlich ernsthaft meint) zu erkennen, dass der Mensch (Teil eines Systems) das System „retten“ will.
Was unzweifelhaft stattfindet, ist die Vernichtung unserer Ökosysteme und die Ausrottung von Tieren und Pflanzen im Rekordtempo. Letzte Topmeldung: Das letzte Vietnam-Nashorn wurde soeben erschossen und verwertet.
Dass jede Menge Aktivisten die „Klimaschutzziele“ guten Herzens mittragen, weiß man. Dass viele Politiker auch daran glauben, muss man ihnen schon deshalb abnehmen, weil sie keine Zeit zum gründlichen Nachdenken haben. Wenn es denn schon für diese ein allgemeinverträgliches politisches Ziel gibt, für das auch noch Instrumente verfügbar zu sein scheinen, muss man einfach dafür sein. Angela Merkel ist hierfür die perfekte Opportunisten-Blaupause.
Leider ist das ganze ein sehr schlechter Witz – und da muss man den Chinesen mit ihren Glühbirnen-Plänen (parallel zum Kohlekraftwerk-Bau) danken, denn sie erleichtern das Verständnis der tatsächlichen Entwicklung, der tatsächlichen Wirkmächte.
Zum Einen:
Die Gesetze des Marktes besagen, dass abnehmende oder, richtiger, gebremste Nachfrage den Preis für das dadurch wenige nachgefragte Gut sinken, bzw. weniger stark steigen lassen. Das bedeutet, das eingesparte seither passiv verbrauchte Energie (Wärme, Haushaltsstrom) den Markt entlastet und damit die aktive verwendbare Energie fördert. Vereinfacht gesagt: Statt in Haus-Abwärme und wärmende Leuchtmittel wandert die eingesparte Energie in den Produktionsprozess. In diesem wiederum entdecken wir die wahre Essenz unseres Seins: die Steigerung der Produktion, das Wachstum der (Welt-) Wirtschaft. Nils Minkmar in der FAS hat gestern (6.11.2011) den Wirtschaftswachstumswahn gegeißelt, wenngleich nicht im Zusammenhang mit Energie oder Klimaschutz, sondern in Verbindung mit dem Schuldenwahnsinn.
Man mag ihm zögernd zustimmen, insbesondere dann, wenn man den Blick auf das von mir ausgewählte (Teil-) Thema richtet. Dann kommt man zur einfachen Schlussfolgerung: Die deutschen Verbraucher sparen Energie, damit die Schwellenländer mehr produzieren, auch mehr von unserer Industrie kaufen und konsumieren können. In Russland und China kann man sich beispielsweise an deutschen SUV-Fahrzeugen nicht sattsehen. Allein in Moskau werden täglich 2.000 Fahrzeuge neu (zusätzlich) zugelassen. Dass sind in 3 Jahren rund 3 Millionen neue Fahrzeuge, natürlich bevorzugt der Oberklasse und noch bevorzugter: SUVs.
Auch in Deutschland ist dieser Trend intakt. 25.000 SUV-Fahrzeugen in 1995 stehen 245.000 in 2010 (Faktor 10) gegenüber. Da mag der Verbrauch pro Kilo Lebendgewicht (des Fahrzeugs) noch so effizient sein, die Dinger sind nach meiner Empfindung eher so eine Art rasender Kleinlastwagen, die bereits in der Produktion, weil groß, weil schwer, Energie genug fressen, allerdings erfreuliche Wirtschaftsleistung generieren.
Fazit: Nicht Klimaschutz ist das Ziel – es geht allein um Wirtschaftswachstum. Und das wiederum braucht noch mehr Energie. Die Prognose der IEA (Internationale Energieagentur): Brauchten wir noch 2010 510 Quadrillionen Btu, werden es 2030 722 Quadrillionen Btu sein. Die Herrschaften werden sich irren. Denn die Politiker aller Länder wollen wiedergewählt werden und brauchen dafür mehr Wohlstand und keinen Ärger im Land wegen lästiger Verteilungskämpfe. Das geht am einfachsten und nachdenkensfrei mit „Wirtschaftswachstum“. Wer China vor 20 Jahren und China heute sieht, hat einen groben Anhalt für die Entwicklung. Deshalb können Wirtschaftsleistung und damit Energieverbrauch 2030 auch das doppelte von 2010 sein, als 1.020 Quadrillionen Btu. Wer weiß das schon genau?
Genau wissen wir allerdings jetzt, dass Klimaschutz und Klimaschutzziele der politische Witz schlechthin sind. Die wirtschaftliche Betrachtung lehrt uns zudem, dass eingesparte passive Energie zu mehr verbrauchter aktiver Energie (Produktion) führt. Das können wir auch in der Erläuterung zum „verfehlten Klimaschutzziel 2010“ lesen. Mehr Produktion in Schwellenländern, wie Brasilien und Indien, sowie vermehrter Energieverbrauch durch Reisen wegen besseren Wirtschafts-Klimas(!) werden zur Begründung für die neuen Zahlen angeführt. Wer möchte auch nicht mit dem Dreamliner fliegen??
Fazit: Wer das Klima tatsächlich schützen will, muss Energie verjubeln, damit die nicht für noch mehr Produktion zur Verfügung steht.
Besser, genauer, realistisch wäre die nicht die Bereitstellung alternativer (= zusätzlicher) Energie, sondern die Reduktion der insgesamt verfügbaren Energiemenge, wenn man denn „Klimaschutz“ tatsächlich ernsthaft wollte. Man müsste also Ölquellen dichtmachen. Eine gar lustige Idee, nicht wahr? Aber da steht die menschliche Geldgier gegen. Wer beobachtet, wie gierig das wegschmelzende Polareis beäugt wird, damit dort neue Energie und neues Geld generiert werden kann, sollte sich keinen falschen Hoffnungen hingeben.
Wie geradezu pervers der Mechanismus Wirtschaftswachstum (siehe meinen Betrag: Besuch in Raumschiff Brüssel) funktioniert zeigen zwei simple Beispiele. Brasilien wird wegen seines Wirtschaftswachstums bejubelt – die Exportnationen freuen sich. Ein weiterer Jubel wird für alternative Energiebereitsteller vorbereitet: Am Rio Xingu im Bundesstaat Para, im klimaschützenden Amazonas-Urwald sollen jetzt 4,7 Gigawatt Wasserkraft-Energie via neuem Wasserkraftwerk gewonnen werden.
Leider muss man dazu den Amazonas-Urwald roden, um das Welt-Klima zu retten – rein statistisch versteht sich. Denn durch dieses Wasserkraftwerk wird Brasilien Regenerativ-Energieerzeugungs-Weltspitze. Die Energie, die das Wasserkraftwerk liefern soll (wird) im übrigen unter anderem für den Energiebedarf neuer Zementfabriken und (!) für die Aluminiumherstellung verwendet werden. Autospoiler statt Papageien, könnte ein passender Slogan sein und das alles klimarettend, rein statistisch versteht sich.
Auch die europäischen Biosprit-Pflanzen stellen natürlich zusätzliche Energie bereit. Zwar sind in den letzten 20 Jahren rund 90 % der Schmetterlinge verschwunden, das hindert uns natürlich nicht an der Klima-Rettung, rein statistisch versteht sich. Fachleute ruinieren mit fachlicher Betrachtung den letzten Rest an Menschenverstand – das hat Nils Minkmar in der FAZ heute korrekt berichtet.
Wir lernen ferner daraus, dass kein Mensch die Welt retten will, allenfalls in seiner Freizeit. Im Berufsleben muss und will jeder Geld verdienen, die Spitzen der Gesellschaft wollen und müssen (Börsen!) reich werden.
Zufrieden wäre ich deshalb bereits, wenn man wenigstens den Begriff „Klimaschutz“ in der Schublade ließe und seiner Geldgier ehrlich frönte.
Vielleicht könnte allgemeine Ehrlichkeit in unserer Lebensführung doch zu einer geistig-moralischen Wende (Alt-Bundeskanzler Kohl ist da ja gescheitert) führen, damit wir unsere Umwelt wieder real und nicht mehr nur statistisch wahrnehmen.
Günstig Tanken
Beliebte Inhalte
Heute:
Twitter Updates
Wer ist online
Veranstaltungen: Aktuelle Termine
-
Donnerstag, 24. Mai 2012 - 19:00
-
Donnerstag, 24. Mai 2012 - 20:00 - 21:00
-
Freitag, 25. Mai 2012 - 19:00
-
Freitag, 25. Mai 2012 - 20:00
-
Sonntag, 3. Juni 2012 - 11:00
Neueste Kommentare
- BÜZ oder Altenbürghalle?
vor 6 Minuten 32 Sekunden - Dampfplauderer Christian Pfeiffer
vor 1 Stunde 34 Minuten - ein paar Ideen / Wünsche / Hinweise
vor 4 Stunden 29 Minuten - Irreführung der Verbraucher
vor 5 Stunden 30 Minuten - Was nix koscht......
vor 5 Stunden 57 Minuten - Grad recht!
vor 6 Stunden 54 Minuten - "Bruchsaler Spargel" und "Made in Germany"
vor 16 Stunden 5 Minuten - Bruchsaler Spargel
vor 19 Stunden 51 Minuten - Link zum Spargel-FAS-Artikel
vor 20 Stunden 55 Minuten - Ein klassisches Marketing-Disaster
vor 22 Stunden 14 Minuten
BRUCHSAL.ORG abonnieren
Benutzeranmeldung
Neue Mitglieder
- Genossenschaftler
- Krambambuli
- HA.NEU
- frosch01
- Schmiady







Kommentare
Klimaschutz - wer schützt uns davor?
Ich finde es fantastisch, dass man in der Lage ist, den weltweiten Energierverbrauch zu ermitteln (viel schwieriger scheint es zu sein, Schulden zusammen zu zählen).
Und dann die Prognosen. Was soll das? Wenn immer mehr Länder einen höheren Lebensstandard erreichen, nimmt der Energieverbrauch zu. Da können die Energiesparer noch so viel mit Glühbirnen jonglieren, wie das die internationale Energieagentur mit Btu macht.
Die British thermal unit ist eine Einheit der Energie. Die Btu gehört nicht zum SI-System und ist definiert als die Wärmeenergie, die benötigt wird, um ein britisches Pfund Wasser um 1 Grad Fahrenheit zu erwärmen. Na toll, das ist doch mal international.
Die Bedeutung des Zahlwortes „Quadrillion“ ist je nach Sprache unterschiedlich. Im Deutschen und Französischen steht es für 10^24. Im US-Englischen steht „quadrillion“ für 10^15, was im Deutschen Billiarde heißt. Die Quadrillion heißt auf englisch „septillion“. Im Britischen Englischen wird „quadrillion“ aufgrund des Einflusses der USA sowohl für 10^15 als auch traditionell für 10^24 gebraucht.
Die Internationale Energieagentur benutzt also eine Einheit (Btu), die nicht zum internationalen Einheitensystem gehört mit einer Größenbezeichnung die sich um den Faktor 10^9 (1 000 000 000 000) unterscheiden kann!
Was sagt uns das? Es gibt immer mehr Statistiker, die irgendwelche Sachen mitteln, die weder vergleichbar sind, noch stimmen sie. Um zu erkennen, dass sich der Energieverbrauch täglich erhöht, brauchen wir keine Statistik (außer, sie würde dazu beitragen, den weltweiten Verbrauch zu senken).
Die Politik geht immer den Weg des geringsten Widerstands (sog. Merkelage). Glühbirnen gegen giftige Leuchstofflampen, das ist eine Errungenschaft! Andere Einsparmöglichkeiten werden schnell wieder verworfen, weil das Geld fehlt (Auflagen der Gebäudedämmung). Weniger Flugbewegungen (Lärmschutz) lassen sich nicht durchsetzen, lieber noch eine neue Startbahn. Vielverbaucher (Alu-Erzeugung, Chemie) werden mit subventionierten Energiepreisen gesponsert (wo bleibt da der Markt?). Nahrungsmittel in Treibstoff verwandeln, welch' tolle Idee! Panzer sind die sparsamsten Fahrzeuge, wie lustig! Kein Wunder, dass es immer mehr SUV's gibt. Generelle Geschwindigkeitsbegrenzungen brauchen wir nicht, die Entfernungen in unserm Land sind zu groß! Die im viel kleineren Frankreich, ja die können das machen.
Wir richten es uns so ein, wie es uns passt. Ohne Rücksicht. Warum soll ich Rücksicht nehmen, wenn mein chinesischer Nachbar prasst. Mein kleines Einsparen verpufft doch im großen Verbrauch. Lasst uns doch Afrika industrialisieren, das gibt Anschub in der Energieverbrauchssteigerung!
Jeden Tag eine neue Hiobsbotschaft. Die Meere versauern, die Korallen weichen auf. Grund: der CO2 Ausstoß. Ja und? Vor Jahrmillionen war der CO2 Gehalt viel höher. Das Weltklima erwärmt sich. Ja und? Es gab schon immer Eiszeiten und Warmzeiten. Die Gletscher schmelzen. Ja und? Die waren schon größer in der Ausdehnung und auch schon kleiner. Die Meere steigen an. Ja und? Der Meeresspiegel war schon viel, viel höher und auch schon so niedrig, dass man England zu Fuß erreichen konnte. Alles eine Frage der Zeit. Zurückdrehen lässt sich nichts, beschleuniigen: ja.
Mir fällt dazu regelmäßig der Witz ein:
Treffen sich zwei Planeten. Sagt der eine: „Du, mich juckt's, ich habe fürchterlich homo sapiens“. Sagt der andere: „Hatte ich auch schon, tröste dich, geht vorbei“.