Kleiner Kommentar zur Benennung und Nochnichtbenennung von Plätzen
Zum Babette-Ihle-Plätzl
Es geht also doch. Nur wir Brusler haben diese dichtende Kleinbäuerin, Marktfrau und singfreudige, fromme Seele gehabt. Also prima gemacht Stadtparlament, auf sie an passender Stelle aufmerksam zu machen, an sie zu erinnern. Doch mein Glück wäre erst vollkommen, wenn ihre zierliche Gestalt als eherne Figur mit Gemüsekorb auf einer ehernen Bank neben der Stadtkirche stünde und jeder sich mal neben sie setzen könnte für ein einmaliges Souvernirfoto aus Bruchsals „neuer Mitte".
Zur richtigen Schreibweise des Babette-Ihle-Plätzchens ist anzumerken, dass die Namensgeberin zeitlebens von der Familie Babette genannt wurde. So meldet es auch ihr Grabstein (siehe Foto). Darauf findet sich auch eine Verwandte mit Vornamen Barbara. Im Taufregister wurde Babette allerdings als Barbara eingetragen. Die Formulierung Bauwett (echt Obervorstädtisch: "d Bauwett" und "d Ihles-Bauwett") oder - ungenauer - Bawett ist mundartlich.
Zum noch nicht abgesegneten Oppenheimer-Platz
Verwundert nimmt man den Anlauf zur Allerweltsbezeichnung "Marienplatz" für den Spiel- und Aufenthaltsplatz mit wieder aufgestelltem "Lausbubenbrunnen" zur Kenntnis. Dem Ex-OB hatte ich damals noch als Stadtrat diesen Ort als Möglichkeit zur Wiedererrichtung des vom Friedrichsplatz entfernten Brunnens angedient, ohne auf Gegenliebe zu stoßen. Vorschlag aus der politisch falschen Ecke, wie so oft? Der künstlerische Schöpfer, Bildhauer Theo Diehl hat es verdient, dass sein Werk gebührend geachtet wird (das wohl noch der Sparkasse gehört).
Otto-Oppenheimer-Platz oder nur Oppenheimer-Platz, eine Würdigung der jüdischen Familie wäre endlich angezeigt. Fehlt es Teilen des Gemeinderats an stadtgeschichtlichem Bewusstsein?
Otto und sein älterer Bruder Jacob waren verdiente Honoratioren der Stadt und ins Bruchsaler Leben voll eingebunden und sozial engagiert. Beide gelten als Wohltäter Bruchsals, die an ihren Gewinnen aus dem Tuchhandel (sie belieferten lange sogar die Wehrmacht) auch die Stadt partizipieren ließen. Jacob unterstützte unter anderem finanziell großzügig den Bau des katholischen (!) St. Josefhauses. Er war überdies viele Jahre Mitglied im Großen Rath der Carnevalsgesellschaft (pikanterweise übrigens unter Präsident Friedrich Holoch, Malermeister und Stadtrat!).
Otto war der Erfinder vom "Brusler Dorscht", der es zur lokalen Hymne schaffte, die auch in CDU-Kreisen liebend gern angestimmt wird. Das Lied wurde erstmals vorgetragen bei Ottos Jungesellenabschied am 27. April 1901 im Hotel Keller. Übrigens mit fünf Strophen im Urtext. Die letzte wurde mutmaßlich direkt oder indirekt durch Kunstmaler, Fastnachter und Nazifreund Karl Geitz durch dessen Kunstpostkarte mit Wirtshausschild gekappt. Otto erhielt auch Preise für Fastnachtsliedertexte. Ein Pokal steht im Städtischen Museum(!). Des weiteren war er Gönner und Unterstützer der Sommertagsumzüge (Von ihm stammt übrigens auch der Liedtext: "Was stelzt uff em Dach dort ...") Zur Platzeinweihung wären die Fastnachtslieder von Otto die rechte Begleitmusik.
Nach Jacobs Tod hetzte der "Stürmer" übel über die Beerdigung, bei der auch Peterspfarrer Stoeckle dem jüdischen Geschäftsmann für seine Großzügigkeit dankte. Otto wanderte nach körperlicher Attacke und Repressalien mit seiner Familie rechtzeitig aus, nachdem er sein Tuchhandelsgeschäft an einen nazitreuen Mitarbeiter hatte verramschen dürfen. Jacobs Ehefrau blieb und wurde eines der Bruchsaler Opfer des Holocausts.
Empfehlenswert wäre es für alle den Bruchsaler Narren verbundenen Rätinnen und Räte, zum Thema "Oppenheimer" Werner Greders Bruchsaler Fastnachtsbücher zu studieren. Dort steht auch die fünfte, meist unterschlagene Strophe.
So kam's denn auch:/ Das Schloss und Land / Nahm Kaiser Heinrich an / Und schenkte es, was allbekannt, / Dem Speyrer Bischof dann. Jedoch das Testamenticum / Steht heute noch in Kraft. / Man sieht's am Brusler Bierkonsum / Und sieht's am Rebensaft.
Ja den Dorscht, ja den Dorscht, / ja den alten Brusler Dorscht /
Kennt auch der, der dieses Liedel / Einst in Büchern hat erforscht.
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Kommentare
Wahr gesprochen!
Dem obigen Text von "Big Mac Fan" kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ob die Politik es genau so sieht? Ich wage es derzeit noch zu bezweifeln und fürchte, daß diese Zweifel durchaus berechtigt sind.