Ein Kinderheim in Indien
Vom Kennenlernen und aus den Augen verlieren
Kennen gelernt habe ich Rudolf (Rudi) Knapp anlässlich meiner Kandidatur zum Bruchsaler Gemeinderat. Rudi Knapp kandidierte auf der gleichen Liste wie ich. Er allerdings auf Listenplatz 13, ich nur auf Position 20. Es kam, wie es wohl kommen musste; weder er noch ich wurden in den Bruchsaler Gemeinderat gewählt.
Nach der Gemeinderatswahl verlor ich Rudi Knapp wieder aus den Augen. Bis ich meinen Bericht über den FISTULA e.V. in Bruchsal-Untergrombach veröffentlichte. Bruchsal.org-Autor Enrico Ciuffani, auch bekannt unter dem Namen Carusino, schrieb mir nach der Veröffentlichung des Artikels eine E-Mail und schlug mir vor, doch über das indische Kinderheim in Kanniyakumari zu berichten. Rudi Knapp sei der Initiator und Betreuer des Projektes, er selbst, Carusino, habe zusammen mit seiner Frau eine Patenschaft für ein dort lebendes Kind übernommen.
Aufgrund der Anregung von Enrico Ciuffani nahm ich wieder Kontakt zu Rudi Knapp auf. Rudi Knapp ist 58 Jahre alt und war 19 Jahre lang an der Realschule Eppingen tätig, einige Jahre davon als Vertrauenslehrer, bis er an die Realschule Bad Schönborn wechselte. Dort unterrichtet er unter anderem Religion, EWG und Geschichte und engagiert sich im Freundes- und Förderkreis der Realschule. Anschaulich berichtete mir Rudi Knapp, wie es dazu kam, dass er sich für das Kinderheim im indischen Kanniyakumari engagiert.
Der Tsunami war der Anlass
Es ist mittlerweile wieder fünf Jahre her, dass die schrecklichen Flutwellen eines Tsunamis mit voller Wucht an die Küsten Asiens schlugen und Hunderttausende von Menschen in den Tod rissen. Rudi Knapp war nicht vor Ort, aber als er die dramatischen Bilder am Fernsehgerät und in den Presseveröffentlichungen sah, entstand bei ihm spontan der Wunsch, den Not leidenden Menschen zu helfen.
Durch einen privaten Kontakt lernte er die in Mannheim arbeitende Ordensschwester Telma kennen, die aus der Region Kerala im Süden Indiens stammt. Schwester Telma stand in ständigem Kontakt zu ihren Verwandten und Freunden in ihrer indischen Heimat und wusste von den Zerstörungen des Tsunamis zu berichten, die dieser insbesondere in Kanniyakurami, wo drei Ozeane aufeinander treffen, anrichtete. Sie berichtete Rudi Knapp, dass drei ihrer Mitschwestern dort über 1800 Obdachlose, Waisen und Verzweifelte in einem Kindergarten und Gästehaus untergebracht und über Monate hinweg versorgt hätten.
Das Projekt wird unterstützt
Auf Einladung von Rudi Knapp sprach Schwester Telma in Bad Schönborn an der Realschule; im Oktober 2005 veranstalteten die Bad Schönborner Grund- und Hauptschule sowie die Realschule Bad Schönborn einen Sponsorenlauf. Fast 39.000 Euro wurden von 900 Teilnehmern in schier unzähligen Runden erlaufen. Dieses Geld wurde und wird dafür verwendet, um die Kinder des mit Spenden der Caritas Mannheim gebauten Waisenhauses zu unterstützen.
In diesem Waisenhaus sind 50 Mädchen im Alter von sechs bis 21 Jahren untergebracht. Einige haben ihre Eltern im Tsunami verloren, andere können von ihren verarmten Familien nicht mehr versorgt werden. Nunmehr erhalten sie in diesem Waisenhaus ein Dach über dem Kopf, regelmäßiges Essen und Geborgenheit. Die Mädchen können auch die Schule besuchen und eine Berufsausbildung absolvieren. Ein Dach über dem Kopf und eine Schulausbildung sind keine Selbstverständlichkeiten in Indien. Die Mädchen wissen, dass sie zu den Privilegierten dort gehören.
Für Rudi Knapp ist das Engagement mit dem Anschieben des Projektes nicht zu Ende. Er macht weiter, sammelt Spenden und informiert über das Projekt. Auch in seinen Religionsklassen berichtet er gerne über das Projekt: „Das Heim ist ein gutes Beispiel, wie der Glaube positiv gelebt werden kann. Es gibt jedoch keine Konfessionsbindung, das Heim ist offen für alle Mädchen aller Religionen."
Patenschaften und Spenden
Am liebsten wäre es Rudi Knapp, wenn er Paten für die Mädchen im Waisenhaus finden könnte, die durch einen monatlichen Patenschaftsbetrag in Höhe von beispielsweise 20 bis 25 Euro die Ausbildung und Zukunft der Kinder sichern. Aber auch Einzelspenden sind herzlich willkommen, denn fast 9.000 Euro kostet die komplette Versorgung der Mädchen im Halbjahr - von den Lebensmitteln bis zum Schulgeld.
Wer das Kinderheim unterstützen möchte, kann seine Spende auf das Konto vom „Freundes- und Förderkreis der Realschule Bad Schönborn" unter dem Stichwort „Kinderheim Indien" auf das Konto 17 42 33 36 bei der Sparkasse Kraichgau, BLZ 663 500 36, überweisen. Durch den direkten Kontakt zu den Ordensschwestern kommt das Geld auch direkt in Kanniyakumari an - ohne Abzug irgendwelcher Verwaltungs- oder sonstiger Kosten. Da der Freundes- und Förderkreis die Spenden verwaltet und weiter leitet, ist die Ausstellung einer Spendenquittung möglich.
Für den, der sich direkt mit Rudi Knapp in Verbindung setzen möchte, hier seine E-Mail-Adresse: rudiknapp [at] gmx [dot] de.
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