Karlsruher Verkehrsverbund passt seine Tarife an
Wegen der stark gestiegenen Energiepreise für Bahnstrom und Diesel sowie erneuten Personalkostensteigerungen muss der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) seine Fahrpreise zum 11. Dezember 2011 im Durchschnitt um 3,9 Prozent anpassen. Damit liegt der KVV auf dem Niveau der umliegenden Verkehrsverbünde. So erhöhen auch der Heilbronner-Hohenloher-Haller Nahverkehr, die Verkehrsgemeinschaft Landkreis Freudenstadt, der Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis und die Verkehrsgesellschaft Bäderkreis Calw die Fahrpreise ebenfalls um 3,9 Prozent. Lediglich der Verkehrsverbund Rhein-Neckar und der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart, die ein deutlich höheres Preisniveau haben, liegen mit 3,5 und 2,9 Prozent darunter.
Bereits in den vergangenen Jahren sind die Energiepreise erheblich gestiegen. Die Beschaffungskosten für Bahnstrom nahmen im Jahr 2010 um rund sechs Prozent zu und die Kosten für Dieselkraftstoff sogar um über 13 Prozent. In den ersten Monaten des laufenden Jahres stiegen die Dieselpreise explosionsartig um 20 Prozent an. Es ist zu erwarten, dass die Preise in den kommenden Jahren weiter in die Höhe klettern werden. Auch die Personalkosten werden 2012 weiter steigen. Der KVV erwartet finanziell schwierige Jahre, denn auch die kommunalen Gebietskörperschaften können als Eigentümer oder Aufgabenträger angesichts der defizitären Haushalte keine weiteren Mehraufwendungen übernehmen.
Der KVV unternimmt größte Anstrengungen, die Mehrkosten nicht nur auf den Preis der Fahrkarten umzulegen. Hierzu zählen vielfältige Marketingaktivitäten zur Gewinnung von Neukunden. Der Verbund hatte in diesem Sommer erneut ein Spezialangebot vorgelegt: Wer die „SommerCard“ erwarb, konnte entweder in den beiden Monaten Juli und August oder in den beiden Monaten August und September für äußerst günstige 69 Euro im ganzen Netz des KVV unterwegs sein. Ziel war es, 10.000 SommerCards zu verkaufen. Mit 13.000 Nutzern wurden die Erwartungen der Tarifexperten deutlich übertroffen. Wer sich als „SommerCard“-Besitzer anschließend für ein KVV-Abonnement entschied, bekam den ersten Monat seines Abos gratis.
Die im Januar 2010 erfolgreich eingeführte „9-Uhr-Karte“ weist mittlerweile monatlich etwa 4.500 Kunden auf – mit steigender Tendenz. Hierbei wird denjenigen Kunden ein Preisnachlass gewährt, die ihre Fahrten außerhalb der Hauptverkehrszeit vornehmen.
Bei den Abonnenten wird sich der KVV gegen Ende des Jahres für deren Verständnis und Geduld in den zurückliegenden Monaten bedanken. Aufgrund von Baustellen und Streik mussten Zugausfälle und Verspätung in Kauf genommen werden. Als kleines "Dankeschön" können alle Abonnenten (ausgenommen ScoolCard-Inhaber) zwischen dem 15. Dezember und dem 31. Januar 2012 eine zweite Person kostenlos mit auf Ihre Fahrt nehmen - egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit und unabhängig davon, ob dies an einem Werktag, am Wochenende oder an einem Feiertag geschieht.
Um auch künftig den Kundenwünschen gerecht zu werden, wurde die Firma Planung Transport Verkehr AG (PTV) beauftragt, in den kommenden Monaten die Tarifstruktur des KVV zu untersuchen. Anhand dieser Ergebnisse sollen noch im kommenden Jahr die Tarifangebote kundengerecht weiterentwickelt werden.
Im Preisvergleich mit anderen gehört der KVV insbesondere bei den Monats- und Jahreskarten zu den günstigsten Verbünden.
Die einzelnen Tariferhöhungen sehen wie folgt aus:
Einzelfahrscheine:
Mit einem Anteil von 70 Prozent aller verkauften Einzelfahrkarten werden die Ein- und Zwei-Waben-Karten (Stadtgebiet Karlsruhe oder Baden-Baden) am stärksten nachgefragt. Da erst im vergangenen Jahr eine Preiserhöhung erfolgt ist, bleiben die Preise für diese Stufe ein weiteres Jahr unverändert. Die Preise für Einzelfahrscheine für ausgedehntere Fahrten innerhalb von drei bis fünf Waben erhöhen sich um zehn Cent, die für sechs Waben um 20 Cent und für „7 Waben und mehr“ um 30 Cent. Im KVV wird auch die BahnCard der DB anerkannt. Wer eine solche besitzt, erhält einen Preisnachlass von 25 Prozent.
Die Preise der 4er-Karten sehen wie folgt aus: Für zwei Waben fallen künftig 8,30 statt 8,00 Euro an. Auch die Fahrkarte für drei Waben wird um 30 Cent angehoben. Vier Waben kosten künftig 40 Cent mehr, fünf Waben 50 Cent.
24-Stunden-Karten:
Bei den Fahrkarten, die 24 Stunden lang gelten, sehen die Erhöhungen folgendermaßen aus: Die häufig für Einkäufe ohne Auto genutzte City-Karte für eine Person kostet nun 5,20 Euro (bisher 4,90), als Cityplus-Karte für fünf Personen 8,20 Euro (bisher 7,70). Der Preis für die bei Ausflügen beliebte Regio-Karte für eine Person liegt bei 9,10 Euro (bisher 8,60), in der „plus“-Version bei 15,40 Euro (bisher 14,50). Die Quattro-Karten, die Karten für Preisbewusste, mit denen 25 Prozent aller Fahrten unternommen werden, erhöhen sich ebenfalls. Der Preis für die City quattro steigt um einen Euro auf 18 Euro und der Preis der Regio quattro von 29,60 auf 31,30 Euro.
Monats- und Jahreskarten:
Der Preis für eine übertragbare Monatskarte für Karlsruhe (zwei Waben) steigt von 48 Euro auf 50 Euro und für das Gesamtnetz von 134 Euro auf 139,50 Euro. Nutzer eines übertragbaren Jahresabos zahlen künftig statt 41,20 Euro für die Fahrt in zwei Waben einen Euro mehr pro Monat, der Preis für das Gesamtnetz steigt von 115,00 Euro auf 120,50 Euro pro Monat.
Auch die „9-Uhr-Karte“ erfährt eine Preiserhöhung: Die Fahrkarte für drei Waben kostet künftig 38,50 Euro pro Monat (bisher 37,00 Euro) sowie für das komplette KVV-Netz 54,00 Euro (bisher 52).
Der Preis für Ergänzungskarten für Monats- und Jahreskarteninhaber bleibt unverändert.
Die netzweit gültige KombiCard, die von etwa 13.000 Kunden genutzt wird, kostet im Abo statt 66,50 Euro monatlich 69,00 Euro, die KombiCard Partner statt 50 Euro nun 52 Euro. Für die Karte ab 60, die mit 33.000 Abonnenten die nach der ScoolCard am stärksten nachgefragte Karte ist, beträgt der neue Abbuchungsbetrag 35,50 Euro. Die Jahreskarte kostet damit 426 Euro (bisher 408 Euro), also pro Monat 1,50 Euro mehr.
Die „alten“ Einzelfahrkarten, 4er-Karten und 24-Stunden-Karten sind noch bis 30. November 2012 gültig.
Fahrkarten für Fahrten über das KVV-Gebiet hinaus:
Die RegioX-Karten, mit denen Fahrgäste auch zu Zielen außerhalb des KVV fahren können, kosten 14,50 Euro (bisher 14,00) beziehungsweise als „plus“ 23,30 Euro (statt 22,50).
Übergangskarten:
Die Preise von den Übergangskarten für Ziele außerhalb des KVV-Gebiets erhöhen sich wie folgt: Übergangsgebiet Ü1 mit 2,20 Euro bleibt unverändert; Übergangsgebiet Ü2 von 3,90 auf 4,00 Euro; Übergangsgebiet Ü3 von 6,10 auf 6,30 Euro.
Deutsche Bahn:
Die Baden-Württemberg-Tickets der Deutschen Bahn werden analog zum Rheinland-Pfalz-Ticket zukünftig für ein, zwei, drei, vier oder fünf Personen ausgegeben. Der Preis des Tickets für eine Person beträgt in beiden Bundesländern weiterhin 21 Euro, für jede weitere Person erhöht sich der Preis um vier Euro. Das Schöne-Wochenende-Ticket steigt von 39 auf 40 Euro.
Die ScoolCard und StudiKarte bleiben von den Tarifanpassungen im Dezember wie gewohnt unberührt. Die neue Preisgestaltung wird wie in den vergangenen Jahren vor Beginn des neuen Schuljahrs 2012/2013 bekannt gegeben.
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Kommentare
Neue Preisgestaltung 2012/2013 für Scoolcard
Hoffentlich kommt es zu keiner Preiserhöhung der ScoolCard im Schuljahr 2012/2013.
Haben wir für die ScoolCard im Juni 2006 noch 26.80 € gezahlt so werden inzwischen schon 39 € von unserem Konto abgebucht.
Dies macht bezogen auf 2006 eine Erhöhung um 45,5%
Im Vergleich dazu: Das statistische Bundesamt ermittelte in seinem Preismonitor einen durchschnittlichen Preisanstieg der Einzelfahrkarte im Nahverkehr von 2005 bis 2011 um ca. 30%
Link:
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Co...
Warten auf godot-filou
Wo bleibt filou?
Hier wäre doch was, um mal auf "Wortglaubereien" (Glifferspitzer?) einzugehen:
Vorschläge:
"anpassen"
"neue Preisgestaltung"
Dies "Anpassungen" sind nur vorrübergehend...
... denn die Währungsreform wird schon vorbereitet.
Filou isst vermutlich gerade zu Abend...
... damit er, wie ich besser k..... kann. So eine heuchlerische PR-Schleimerei. Furchtbar.
Was ist den schon dran, einfach "Preiserhöhung" zu schreiben - es geht doch um eine glaubhafte Begründung. Aber in diesem Stil wird ja die beste Argumentation vergiftet und damit unglaubhaft gemacht.
Selbst Beckett kennt Godot nicht
Wortglauberei -> Duden Rechtschreibung: Wortklauberei Substantiv, feminin - pedantisch enge Auslegung der Worte, kleinliches Festhalten an der wortwörtlichen Bedeutung von etwas Gesagtem, Geschriebenem
Glifferspitzer -> Duden Rechtschreibung, 21. Auflage, Griffelspitzer Wort nicht auffindbar. Im Übrigen, auch Spötter müssen sterben, aber aussterben sollten sie nicht. Und ich behalte alle Rechtschreibfehler, die ich finde, ich gebe sie keinesfalls zurück.
Hint: Shift+Return erzeugt einen Zeilenumbruch, ein hartes Return ist nicht immer erforderlich.
Ich würde so gerne polemisieren, aber die Wirklichkeit ....
Leider ist es so, dass weder die Arbeitnehmer noch die Rentner, noch andere Gruppen sich so einfach am gedeckten Tisch bedienen können wie die öffentliche Hand, die Kommunen, die Versicherungen, die Verkehrsbetriebe, die Energielieferanten.......
Leider müssen hier nicht Tarifverträge zwischen Anbietern und Abnehmern geschlossen werden. Die Erhöhung erfolgt einseitig. Das hat früher funktioniert, als der Anstieg der Löhne und Gehälter so wie der Renten die Teuerung ausgeglichen haben.
Man hat mit früher der Lohn-Preisspirale argumentiert. Wobei die Gewerkschaften immer von der Preis-Lohnspirale gesprochen haben.
Heute sind die Arbeitnehmer abgehängt. Sie haben seit 15 Jahren jedes Jahr weniger Lohn- und Rentenzuwachs als die Teuerungsrate beträgt.
Ich lasse mich gerne korrigieren.
Ich hab's - Streik!!!
Jawoll - wir bestreiken ab sofort den oder die KVV! Unbefristet!!
Preiserhöhung bei mangelhaften Leistungen
Neben den Preiserhöhungen zeigt sich aber auch mangelnder Service im Bahnverkehr.
Wie aus der Drucksache 14/130 des Landtags Baden-Württemberg (link: http://www.landtag-bw.de/wp14/drucksachen/0000/14_0130_d.pdf) hervorgeht, durchfährt der TGV täglich die Strecke zwischen Karlsruhe-Durlach und Bruchsal mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160km/h. Laut §16 Absatz 5 der EBO (Eisenbahnbau und Betriebsordnung link: http://norm.bverwg.de/jur.php?ebo,16) müssen Bahnsteige die von Zügen mit „mehr“ als 160km/h befahren werden mit Lautsprechanlagen ausgerüstet sein. Dies ist zwar der Fall, doch leider habe ich daraus noch keinen Warnhinweis, vor den durchfahrenden TVGs, erhalten.
Aber wahrscheinlich wird auch hier dem kleinen Wörtchen „mehr“, mehr Bedeutung als dem Kundenservice eingeräumt. Zumal im Zeitalter der Computertechnik die Durchsage vom Band kommen könnten.
Korrektur!
Laut §16 Absatz 5 der EBO heißt es : ---Sollen--- nicht ---müssen--- Bahnsteige, die von Zügen mit mehr als 160km/h ......
Ja - und...?
Und was bedeutet nun "soll"?
Hier geht es doch weiter.
Bitte nicht auf freier Strecke anhalten - durchfahren!
Und wo kommen wir dann an?