Karl Hubbuch, "der Hurenmaler" und "Kummunischt" aus Kraichtal-Neuenbürg
Diese Geschichte erzählte der frühere Bürgermeister von Kraichtal, Berthold Zimmermann anlässlich einer Veranstaltung im Gochsheimer Schloss zum Gedenken an den 120. Geburtstag des Malers, Lithografen und Kunstprofessors Karl Hubbuch, dessen Elternhaus in Neuenbürg steht.
Zugetragen hat sich dieser Schwank im Rahmen der Vereinigung der Städte Gochsheim und Unteröwisheim sowie der Gemeinden Bahnbrücken, Landshausen, Menzingen, Münzesheim, Neuenbürg, Oberacker und Oberöwisheim zur Stadt Kraichtal. Die Stadt Kraichtal entstand am 1. September 1971. Und wie es so geht bei der Zusammenlegung von Ortschaften, auch Bruchsal kann ein Liedchen davon singen, plötzlich gab es mehrere Ortschaften, die Straßen mit dem gleichen Namen hatten. Besonders beliebt war dabei die „Hauptstraße“, die in nahezu jedem Teilort vorkam.
Was tun? Zwingend notwendig wurde, einige Straßen umzubenennen. Wie Berthold Zimmermann ausführte, war und ist er ein Verehrer der Kunst von Karl Hubbuch. So war für ihn eine folgerichtige Idee im Gemeinderat den Vorschlag zu unterbreiten, die Neuenbürger Hauptstraße umzubenennen in Karl-Hubbuch-Straße. Eine Straße benennen nach Karl Hubbuch, dem „Hurenmaler“, wie viele Dörfler damals (heute auch noch?) sagten, da Karl Hubbuch doch eine erkleckliche Anzahl von Nacktstudien zeichnete und malte.
Gesagt getan. Bürgermeister Zimmermann brachte den Vorschlag in den Gesamtgemeinderat ein – und erntete dröhnenden Protest von den zwei Gemeinderäten aus Neuenbürg. Eine Straße benennen nach Karl Hubbuch? Nein, das ginge jetzt ja im Leben nicht. Zutiefst empört meldeten sich die beiden rechtschaffenen Gemeinderäte aus Neuenbürg zu Wort. Wisse er, Zimmermann, nicht, dass „der Hubbuch en Kummunischt is? Unn aus der Kerch isser aa ausgedredde. Unn iwwerhaabt, der hot nur naggische Weiba gmolt!“.
Letztendlich bekam Bürgermeister Zimmermann seinen Vorschlag doch noch durch - mit den Stimmen der Gemeinderatsmitglieder der anderen Teilgemeinden.
Karl Hubbuch lebte noch, als die Neuenbürger Hauptstraße in Karl-Hubbuch-Straße umbenannt wurde. Als Bürgermeister Zimmermann ihm von der Geschichte erzählte, musste Karl Hubbuch, der aufgrund seiner politischen Einstellung 1933 aus dem öffentlichen Dienst entlassen und mit Berufsverbot belegt wurde, schmunzeln.
Einige Tage später trudelte ein Schreiben von Karl Hubbuch bei der Gemeinde Kraichtal ein, in dem er sich für die Ehrung bedankte – mit einem Scheck über 1.500 DM für den Neuenbürger Kindergarten.
© R.S.
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