Kampf gegen Forst!
In ihrem Schreiben vom 9.2.2010 an „alle Stadträte" beklagt die Werbegemeinschaft, dass immer mehr Kurzzeit-Parkplätze fehlen und ihre Kunden lieber nach Forst zum Bäcker fahren. Hurra! Endlich wird ein realistisches Ziel für das „Mittelzentrum Bruchsal" formuliert: Wir konkurrieren Forst nieder - Kurzzeitparkplätze vor der Stadtkirche anstatt Platzgestaltung. Brötchen statt Leerstand!
Nur entgeht dem aufmerksamen Betrachter der Einzelhandelsszene und der Bruchsaler Stadtpolitik nicht, dass (autofreie und fußgängerfreundliche) Plätze just dann entstehen, wenn fremdländische Händler sich zur Niederlassung in Brusel entschließen. Sozusagen die auswärtige conditio sine qua non: Fußgänger statt Autos vorm Haus, sonst kommen wir nicht:
C & A: Friedrichsplatz. H & M und Drogeriemarkt Müller: SEPA-Umfeld.
Nun hat die Führung der Bruchsaler Einzelhändlerschaft durchaus Bemerkenswertes zu bieten, was andernorts (in 1a-Lagen sowieso) nicht mehr auffindbar ist: Ladengeschäfte im Stil der frühen 50er Jahre. Nachdem das denkmalgeschützte Rathaus erfolgreich niedergemacht ist, bleiben nur noch kleine feine 50er-Jahre-Ladeneinheiten zur Rettung übrig. Rettet also unseren Leder-Franz vor der Moderne! Hier ist sogar der Fensterkitt noch originalgetreu.
Dumm ist nur, wenn sich Handels-Vertreter aus ihrem historischen Gehäuse begeben und Stadtpolitik machen, anstatt sich auf den Denkmal-Schutz zu beschränken:
Die kundigen Vertreter des ortsansässigen Einzelhandels wollen - zum Beispiel - die obere Kaiserstraße mit Durchfahrts-Verkehr „beleben" und unbemerkt der dortigen Außengastronomie den Garaus machen. Beliebt ist es nämlich, mit Kindern vor dem Wallhall in der zweigeteilten Außengastronomie zu sitzen und die Kleinen vor den Pkws zu retten, die die Werbegemeinschafts-Kurzzeitparkplätze (mindestens 10 - alles Bäcker-Kunden) in hartem Wettbewerb zu bevölkern trachten.
Aber ein PKW ähnelt in Bruchsal wohl mehr einem niedlichen rosafarbenen Playmobilfahrzeug als einem schlichten Beförderungsmittel - scheint es. Deshalb sind Gemeinderatssitzungen und Nach-Gemeinderatssitzungen gerne ein lustiger Wettbewerb darüber, wer wo noch die Dingerchen zur „Belebung" fahren lassen will. Zur Auswahl steht noch die Hoheneggerstraße - für die Dr. Karl-Meister-Straße gibt es schon mal einen Geschafft-Stift. Offen ist die Zukunft des denkmalwürdigen „Buckels" vor dem expansivsten Bruchsaler Blumenhändler. Dort hoppeln Autos, Kaninchen gleich, in die Verbindungswege Rendezvous - Innenstadt und Volksbankgarage - Innenstadt. Deshalb der Ruf: Rettet unsere Auto-Kaninchen! Gibt's nur in Bruchsal.
Zur Erinnerung: Das Ganze war mal eine Bus-Schleuse und für die rosaroten Bruchsaler Playmobils undurchdringlich. Aber hier sind jetzt - ursprünglich als Baustellen-Umleitung für den Neubau des Siemens-Kreisels gedacht - ebenso undurchdringliche Gewohnheits-Kaninchen-Rechte entstanden.
Wenden wir uns wieder dem ruhenden Verkehr zu:
Total unbeliebt ist das in Errichtung befindliche 320-Auto-Parkhaus, das quer im Stadtgrundriss steht. Da will natürlich niemand rein, zu allerletzt die Kunden der Bruchsaler Werbegemeinschaft - wenn die nicht gerade auf dem Weg zum Bäcker in Forst sind.
Der Parkhaus-Betreiber hat das geahnt und sammelt schon mal Kunden, die als Dauerparker das Haus blockieren sollen. Andernorts sind zwar Parkhäuser die typischen Kurzzeitpark-Gehäuse, weil dort jeder Kurzparker - ohne Parksuchverkehr - sofort einen Parkplatz findet. Der kostet derzeit in Bruchsal für 30 Minuten in den städtisch betriebenen Garagen - zu Lasten der Stadtkasse - rein gar nichts. Das Parksubventions-Modell kann man demnächst abschaffen, denn nach dem Holzmarkt-Platz, dem Kübelmarkt-Platz und der Hohenegger-Straße wird nach weiteren hübsch gepflasterten Kurzparkplätzen gesucht. Auch das Rendezvous ist ja, wenn die lästigen Busse weg sind, äußerst beliebt, zumal bei den Kinobesuchern, die die nahe liegende Volksbank-Tiefgarage scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Aber vielleicht gibt's ja mal einen direkten Zugang vom Rendezvous dorthin, wie von mir gefordert. Man darf ja nie aufhören zu hoffen
Ach ja, das neue Parkhaus. Der Betreiber ist so nett und interessiert sich außer für Dauerparker zielsicher nur noch für die SEPA-Kunden.
Da hat unser Alt-OB mal wieder einen seiner zahlreichen Dartpfeile mitten im Ziel untergebracht. Aber vielleicht könnte man da mal Krach schlagen und sowohl stadtplanerisch, als auch von Seiten der alt-ehrwürdigen Werbegemeinschaft dafür sorgen, dass dort Kurzzeitparkplätze mit Park-Rückvergütung entstehen. Aber die Werbegemeinschafts-Bäcker-Kunden sollen lieber auf dem hübsch gepflasterten Kirchplatz mit Blick aufs Parkhaus parken und sagen: Ätsch - wir zahlen Euch keine Parkgebühren. Dumm nur, dass das neue Innenstadt-Klo sich im Parkhaus befindet. Da müssen die Kurzzeitparker tatsächlich doch ins Parkhaus, wenn sie sich erleichtern wollen.
Erfolgreich ist Brusel in Sachen Kurzzeitparkplätze bisher schon:
Das Verhältnis Kurzzeitpark-Plätze ./. Kunden in Bruchsal bessert sich pausenlos, auch wenn die Werbegemeinschaft ihren Erfolg noch nicht richtig wahrgenommen hat. Warum das so ist ? Weil auf einen wegfallenden Kurzzeitpark-Platz 100 wegfallende Kunden kommen - mangels Attraktivität der Innenstadt. Das hat Park-Platz geschaffen...
An die Adresse von Politik und Wirtschaft zum unsatirischen Ende:
Zum Ersten ist der neue Parkhausbetreiber in die Mangel zu nehmen, damit der sich in ein städtisches Parkierungskonzept eingliedert.
Zum Zweiten muss verhindert werden, dass der Drogeriemarkt DM das alte Kaufhaus Schneider (!) okkupiert, die vorhandene Kaufkraft nur weiter umverteilt und aus dem Mittelzentrum endgültig einen Bäckerwitz werden lässt.
Und Drittens ist zu beklagen, dass es keinen politischen Druck gibt, in Bruchsal über verbesserte „Gastronomie-Zonen", wie Schlossbereich, Kübelmarkt und Obere Kaiserstraße nachzudenken. Es fehlt an Protestierern. Die gibt es deshalb nicht, weil diese längst nach Speyer, Neustadt, Landau (gerne auch Wiesloch) pilgern, um andernorts die Gastro-Szene zu genießen. Bruchsal ist in dieser Szene unbekannt..
Viertens hofft der Autor, dass mit ihm noch andere dafür kämpfen, dass nur eines ins alte Kaufhaus Schneider kommt: Nichts als Textilien!
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Kommentare
Brötchen-Exodus
Ist es nur mein subjektiver Eindruck
oder ganz objektiv so: Auch die Auf-Bäcker machen sich davon.
Zumindest Rothermel hat auf der Parademeile Fersengeld gegeben.
Für Leder-Franz fordere ich Bestandsgarantie. Wenn dort ein weiterer 1€-Shop einzöge, täte mir das im Herzen weh. Wann immer ich dort Kunde war, habe ich mit einem guten Gefühl das Geschäft verlassen. Es war nicht allzu oft, denn das, was ich aus dem Laden trug, begleitet mich über lange Zeit durchs Leben. Einschließlich der Erinnerung an eine besonders freundliche Bedienung und kompetente Beratung.
Ich frage mich schon die
Ich frage mich schon die ganze Zeit, von welchen "Bäckereien´" den da die Rede ist... "bekannt" sind mir zumindest, in diesem Gebiet (Fußgängerzone + SEPA) nur noch 2.
Und sind wir doch mal ehrlich... wenn Jemand wegen Brötchen extra nach Forst fährt, dann bestimmt nicht, weil er dort Parkplätze finden... aber ... kein Argument, wie auch immer geartet, ist sooooo schlecht, das man es nicht ins Feld führen könnte. Vor allem, wenn man Parkplätze fordert, nachdem man vor nicht all zu langer Zeit, die 2-3 , die auf dem eigenen Boden noch vorhanden waren, zu Gunsten von mehr Ladenfläche einfach mal abgeschafft hat.
Decke im Flowerpower-Stil!
Ich möchte mich BR_Leser anschließen. Beim Leder-Franz wird man immer ganz vorzüglich bedient.
Und was die Renovierung des Ladens angeht: Lasst unbedingt die Deckenabhängung drin!!! Und das meine ich absolut ernst. Die Decke ist göttlich; im Stil der 60er Jahre, Flowerpower-Stil! Ein echter Hingucker!
vorzügliche Bedienung
vorzügliche Bedienung....
tut mir leid, daß ich da widersprechen muß.
Meinen ersten Schulranzen bekam ich damals in den 50iger Jahren vom Leder Franz. Ganz stolz war ich!
Ich wohne ja schon lang nicht mehr in Bruchsal, aber immer mal wieder, wenn ich zu Besuch war, hab ich beim Leder Franz reingeschaut.
Von kompetenter Bedienung war da eigentlich nichts mehr zu spüren. Einmal ist es mir doch tatsächlich passiert, daß die Verkäuferin besser wußte, was ich haben will.
In Bruchsal hat man oft das Gefühl, man muß was kaufen, man kann nicht mal kurz reinschauen, ob es was gibt, was einem gefällt. Vielleicht hat das ja was damit zu tun, daß sich manche Einzelhändler so schwer tun? Man geht erst garnicht in den Laden, weil man denkt (zu Recht, wie ich glaube), daß man mal wieder zu einem Kauf "überredet" wird.