Israelitischer Friedhof auf dem Bruchsaler Eichelberg bedeutendes Kulturdenkmal

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Europäischer Tag der jüdischen Kultur am 2. September | Besichtigungsmöglichkeit am Nachmittag | Für Männer Kopfbedeckung erforderlich
Samstag, 25. August 2012 - 13:26

jüdischer Friedhof

Foto: Sevan Anasal

Bruchsal (pa).Bereits zum 14. Mal findet am Sonntag, 2. September, der Europäische Tag der jüdischen Kultur statt, der in fast 30 europäischen Ländern von Großbritannien bis in die Ukraine veranstaltet wird. Seit 2004 beteiligt sich auch die Stadt Bruchsal daran und stellt dabei den eindrucksvollen jüdischen Friedhof auf dem Eichelberg in den Mittelpunkt. Der wurde mitten im Dreißigjährigen Krieg angelegt, umfasst heute nach mehreren Ausbaustufen eine Ausdehnung von rund zwei Hektar und besitzt als bedeutendes Kulturdenkmal regionale Bekanntheit. Den schlimmsten Einschnitt erlebte der Friedhof während der NS-Diktatur, als viele Gräber geschändet und ihrer Steine beraubt wurden. Nicht zuletzt durch die Bemühungen der Stadt Bruchsal ist jedoch längst wieder ein würdiger Zustand hergestellt.

Am 2. September besteht von 13.30 bis 17.30 Uhr die Möglichkeit zur Besichtigung des Friedhofes, um 14 Uhr und 15.30 Uhr finden Führungen mit dem Heimatforscher Dietmar Konanz statt. Die Veranstaltungen sind kostenfrei. Männer müssen auf dem Friedhof eine Kopfbedeckung tragen. Mit dem Auto erfolgt die Anfahrt zum jüdischen Friedhof auf dem Eichelberg von der Bundesstraße 3 zwischen Untergrombach und Bruchsal über die Zufahrtsstraße zur General-Dr.-Speidel-Kaserne. Hinweisschilder werden aufgestellt und markieren den Weg. Informationen: Stadt Bruchsal, Tel. 07251/79-380, E-Mail: Thomas [dot] Adam [at] Bruchsal [dot] de

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Kommentare

Woher diese Sonderstellung?

Ist nicht jeder Friedhof ein bedeutendes Kulturdenkmal? Oder ist heute bedeutend was früher unbedeutend war? Wurde es durch den Holocaust bedeutend? Oder weil er ungenutzt ist? Oder weil die Kirche eine Bestattung der Juden auf ihrem Friedhof nicht duldete?

Wo ist dann das Kulturdenkmal für ledige Kinder, geschiedene und sonstige Ausgestoßene, die außerhalb des "Gottes"ackers verscharrt wurden?

Ich achte den jüdischen Friedhof als Kulturdenkmal. Aber für die Eigenschaft "bedeutend" fehlt mir noch die Erklärung. Ich bin sicher, dass Erläuterungen "auf dem Fuße" folgen.

Schau mir gerne Friedhöfe an...

... aber dazu brauch ich keine Mütze aufsetzten.

Werter Filou,

manchesmal ist es ja ganz nett, ihre Beiträge zu lesen. Manchesmal auch einfach ein Graus. So wie hier.

Ja, der Holocaust ist in der Tat das Ereignis, was den jüdischen Friedhof Bruchsals zu einem bedeutsamen Kulturdenkmal macht.

Ziel des NS-Regiemes war es erklärter Weise, die Juden auszulöschen. Auszulöschen im wahrsten Wortsinn. Ganze Familienstammbäume wurden durch das Morden damals entlaubt und es wurde versucht, sie auch noch zu entwurzeln, indem man ihre Friedhöfe schändete.

Kann man nur wegen einem Einzigen der Grabsteine am Eichelberg die Erinnerung an eine jüdische Familie erhalten oder aufleben lassen, so ist das bedeutsam.

Wenigstens für die, die sich mit der  jüngeren deutschen Geschichte und auch deren unrühmlichen Zeiten beschäftigen.

Und werter Gast:

man darf da auch weg bleiben. Wenn man nicht so viel Respekt aufbringt, jenen die dort begraben liegen nach ihren Gebräuchen Ehre zu erweisen.

@MaBö

Respekt vor den Toten ist immer angebracht. Egal wer dort begraben ist. Also habe ich auch Respekt vor den gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege, denn die sind für ihr Vaterland gefallen. Und das bestimmt nicht freiwillig. Viele meiner Generation haben deswegen ihre Großväter nicht kennen gelernt.
Der jüdische Friedhof ist im 30 jährigen Krieg angelegt worden, wenn ich diesen Beitrag richtig gelesen habe. Sind immerhin schon über 350 Jahre...

Denkmal und Vorurteil

Zitat: „Ziel des NS-Regiemes war es erklärter Weise, die Juden auszulöschen. Auszulöschen im wahrsten Wortsinn. Ganze Familienstammbäume wurden durch das Morden damals entlaubt und es wurde versucht, sie auch noch zu entwurzeln, indem man ihre Friedhöfe schändete.“

Natürlich habe ich mit meinem Kommentar entsprechende Reaktionen erwartet. Vielleicht kommen sie jetzt auf diese Antwort?

1967 haben Alexander und Margarete Mitscherlich in ihrem Buch „Die Unfähigkeit zu trauern“ aufgezeigt, dass die meisten Deutschen ihre Verstrickung mit dem Nationalsozialismus nicht verarbeitet haben. Aber was ist es denn, was den Antisemitismus weiterhin in den Köpfen hält?

In seinem Essay zu diesem Buch schreibt Hans-Jürgen Wirth: seit 1967 habe sich nicht viel verändert. Im Oktober 2008 habe Sinn (IFO-Institut) die Kritik an der Gier der Manager mit der NS-Judenhetze verglichen. Etwas später verglich CH. Wulff (MP) in einer Talkshow die Kritik an den Managergehältern mit der „Progromstimmung“.

Nach Umfragen verschiedener Meinungsforschungsinstitute 1995 vertraten  im Mittel 20 % der deutschen Bevölkerung antisemitische Meinungen oder neigten ihnen zu.  Einer Forsa Umfragen zufolge stieg dieser Anteil von 20% (1998) auf 23% (2003).
Im Jahresbericht des Bundesverfassungsschutzes werden antisemitische Straftaten aufgelistet und zwar: 338 (1991), 628 (1992), 1366 (1993) ……….1199 (2003) und 1316 (2004).

Jürgen Möllemann hat im Wahlkampf 2002 versucht, durch ressentimentgeladene Kritik an Juden und an Israel, Wählerstimmen aus dem rechten Lager zu erhalten.

Meiner Meinung nach ist das Geschichtsverständnis wichtiger als alle Denkmale. Der Holocaust in der NS-Zeit war fürchterlich. Man kann jungen Leuten davon erzählen und sie werden es bedauern, aber sie fühlen sich nicht schuldig (was habe ich damit zu tun?). Mit der Erzählung und den Denkmalen ist es nicht getan. Die latenten Vorurteile, die zu dem Verbrechen geführt haben, werden dadurch nicht beseitigt.

Woher kommt der Judenhass? Es war die katholische Kirche, die im 9. Jahrhundert den Juden „ehrliche Berufe“ untersagte und sie auf verachtete Berufe wie Geldverleiher und Trödler beschränkte. Schließlich hatten sie ja ihren Heiland ermordet.

Nachdem sie erfolgreich Geldverleiher und Trödler waren, konnte man sie in der Folgezeit als arbeitscheu und Wucherer bezeichnen. Damit kam zur religiösen Ächtung die ökonomische und politische Ächtung. Es wurde ihnen unterstellt, sie würden die Herrschaft über die Christen errichten wollen und diese vielleicht sogar zu vernichten. Mit dieser Volksverhetzung wurden die Kreuzzüge gerechtfertigt.

Während der Pestzeit wurden sie der Brunnenvergiftung beschuldigt und als Schänder von Hostien bezeichnet.

Auch die Reformation brachte keine Besserung. Martin Luther forderte in seiner Schrift die Fürsten auf, die jüdischen Synagogen und Wohnungen zu zerstören, die Juden zu internieren, zu Zwangsarbeit heranzuziehen und schließlich aus dem Land zu vertreiben.
In diesem Milieu setzte sich der Judenhass fest.

Mitte des 19. Jahrhunderts keimte der Rassismus auf. Juden wurden nun als eigene „Rasse“ definiert. Damit war es mit dem Antijudaismus nicht vorbei, er wurde anders.
Literaten und Zeitungen scheuten sich nicht, Darstellungen und Artikel über Juden zu bringen, die wir heute als abscheuliche Diffamierungen bezeichnen. Später kam der Neid auf die erfolgreichen Juden dazu, was den Hass weiter schürte.
Das alles führte in einer Zeit der Not nach dem ersten Weltkrieg zu einer großen Zustimmung zur NS-Ideologie und schließlich zu deren Verbrechen. Viele, die heute behaupten, sie hätten nichts gewusst, wollten es nur nicht sehen. Ich selbst habe als kleiner Junge (nach dem Krieg) häufig gehört, wie sich Erwachsene zum Judentum äußerten. Die NS-Ideolgie war noch voll in den Köpfen, sie hatten nichts begriffen.

Während meiner Schulzeit (48 – 59) wurde die deutsche Geschichte nach 33 gar nicht behandelt. Sie wurde totgeschwiegen. Auch heute werden in der (Haupt)Schule die Wurzeln der Judenverfolgung nicht unterrichtet. Wie sollen dann die immer noch herumgeisternden Vorurteile beseitigt werden?

Wer sich aber die Gründe für diese Verbrechen nicht klar macht und die Ursachen nicht erkennt, der kann noch so viele Denkmale aufstellen, er wird die Vorurteile nicht aus den Köpfen bekommen.

@Mabö:Richtig, man darf

@Mabö:

Richtig, man darf dieser Veranstaltung auch fernbleiben, so werde ich es tun.

Ich habe diesen Friedhof früher öfter besucht, aber auf diesen "Tag der offenen Tür" hab ich keine Lust, zumal das einem Friedhof meines Erachtens nicht angemessen ist (vielleicht ist es, leider, so nötig, um zB antisemitische Schmierereien und ähnliches zu vermeiden, das wäre bedauerlich). Trotzdem: Ein Friedhof sollte ein Ort der Besinnung sein, da möchte ich nicht mit zig Menschen und diversen "Führungen" von Heimatkundlern konfrontiert werden.

Deshalb mag ich diesen Friedhof, so leid es mir tut, in dieser Form nicht besuchen  (von 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr)

Man kann sich im Übrigen auch, da gebe ich Gabe recht, ohne Kopfbedeckung respektvoll verhalten, vielleicht mehr, als es manch ein Besucher tut, der soetwas als "kulturelles Pflichtprogramm" am Besuchstag abarbeitet. ( und da dürfte es einige geben).

Ich persönlich brauche auch keinen "Tag der jüdischen Kultur" um selbige zu würdigen, das sind wirklich typisch deutsche und politisch korrekte Selbstbeweihräucherungsveranstaltungen, irgendwie muss man die Schuld ja in den Griff kriegen. Ist wie mit dem Holocaustmahnmal, das von Touristen mittlerweile "abgearbeitet" wird beim Berlinbesuch. Eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit findet DA nicht statt, jedenfalls weniger als an den Stätten des eigentlichen Geschehens, die teilweise ums finanzielle Überleben kämpfen und wo die grausame Geschichte wirklich erlebbar werden würde. Aber das ist schmerzhafter, als ein Stelenfeld zu besichtigen.

 

so manche Kopfbedeckung

wird einem ja heute als Ausdruck der Respektlosigkeit ausgelegt (z. B. Basecap), wenn man diese zu bestimmten Anlässen nicht absetzt. Selten so gestaunt, dass man nun unbedingt eine aufzusetzen hat, vielleicht gehe ich als Mützenträger dahin.

Der Anlaß ist zwar vorrüber,

Der Anlaß ist zwar vorrüber, aber trotzdem bin ich erstaunt über die geradezu kindischen Reaktionen hinsichtlich dem Tragen der Kopfbedeckung.

Es ist doch ganz einfach so, wer religiöse Gebäude oder Plätze besucht, der muss irgendwo die jeweiligen Traditionen respektieren, selbst wenn man den Glauben nicht teilt. So ist es selbstverständlich, dass in einer Moschee oder einem Hindu-Tempel die Schuhe ausgezogen werden, in einer Synagoge/jüd. Friedhof die Männer eine Kopfbedeckung tragen und in einer Kirche die Schuhe angelassen, dafür aber die Kopfbedeckung abgenommen wird.

Ich sehe hier weder ein Problem sich an solch einfache Dinge zu halten, egal ob es Tag der offenen Tür ist oder nicht. Im umgekehrten Fall fordert man dies ja auch von den anderen ein.

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