Ingenieure ermitteln die tatsächlichen Kosten für S21-Ende
MdB Olav Gutting (CDU) widerlegt?
Freitag, 21. Oktober 2011 - 15:24
"Die Bevoelkerung stimmt darueber ab ob Ba-Wue die Vertraege brechen soll. Vertragsbruch bedeutet aber 1,5 Milliarden € Schadenersatz faellig" schreibt der im hiesigen Wahlkreis ansässige Bundestagsabgeordnete Olav Gutting in einem Tweet an seine Follower.
Eine Summe, die wirklich schwindelig machen kann. Vielleicht macht aber eher schwindelig, dass, wie die "Ingenieure22 - für den Kopfbahnhof" jetzt in einer Pressemitteilung erklären, diese von Olav Gutting so unkritisch verbreitete Panikmeldung der Deutschen Bahn vielleicht doch eher eine schwindelig machende Schwindelei sein könnte.
Die Ingenieure22 erklären in ihrer Pressemitteilung:
Stuttgart 21: „Ausstiegskosten“ betragen etwa 300 Mio. €
Presseerklärung vom 21.Oktober 2011
Ingenieure ermitteln die tatsächlichen Kosten für S21-Ende
Stuttgart, 21. Oktober 2011:
Die „Ausstiegskosten“ aus dem Projekt Stuttgart 21 als von der Bahn bisher aufgewendeter Baukosten betragen nach seriöser Einschätzung der Ingenieure22 lediglich knapp 300 Mio. EUR. Zu diesem Ergebnis kommt Hans Heydemann von den Ingenieuren22, der mit seinem Ingenieurbüro jahrzehntelang öffentliche Planungsaufträge bearbeitet hat.
Die knapp 300 Mio. EUR. setzten sich zusammen aus aufgelaufenen Planungskosten, Kosten für bereits ausgeführte Arbeiten (Gleisvorfeld, Nordflügelabriss, Baumfällungen, Grundwassermanagement, uam.) sowie Kosten, die aus den vergebenen Aufträgen entstehen. Auf Nachfrage hat Bahnchef Grube den Ingenieuren22 die von ihm genannten wesentlich höheren Ausstiegskosten aufgeschlüsselt. Diese enthalten große Posten die mit den Baukosten für Stuttgart 21 und dem „Ausstieg“ gar nichts zu tun haben, z.B. Planungskosten für die Strecke Wendlingen-Ulm. Ohne diese Fremdposten kommt auch Bahnchef Grube nur auf 427 Mio. EUR.
„Der Ausstieg aus Stuttgart 21 ist sowohl technisch als auch finanziell dringend geboten, auch wenn die Bahn dadurch ungünstigstenfalls 300 Mio. EUR verliert“, sagt Hans Heydemann von den Ingenieuren22 für den Kopfbahnhof. „Mit Stuttgart 21 würde man viele Milliarden in den Sand setzen, für ein Projekt, das uns nur Nachteile bringt: Der neue Bahnhof könnte weniger leisten als der Kopfbahnhof, wie er heute ist. Die hohen Beträge, die Bahnchef Rüdiger Grube und andere für den „Ausstieg“ gerne nennen, sind nicht seriös. Sie haben mit den aufgewendeten Baukosten für S-21 nichts zu tun! Indem Herr Grube die Rückabwicklung des Gleisgelände-Kaufes samt aufgelaufener Zinsen und auch die Planungskosten für die Neubaustrecke als „Ausstiegskosten“ für den Tiefbahnhof umdeklariert versucht er, die Menschen im Land hinters Licht zu führen und den eigenen Gewinn zu maximieren.“
Die Ausstiegskosten setzen sich wie folgt zusammen (ausführliche Aufstellung):
Umbauarbeiten Gleisvorfeld ~ 40 Mio. EUR
Geleistete Arbeiten Grundwassermanagement (einschl. Vorfertigung Tragkonstr.) ~ 7 Mio. EUR
Abriss Nordflügel (inkl. Entsorgung), Südflügel, Logistik, Kabelverlegung, etc. ~ 1,3 Mio. EUR
Baumfällungen und Verpflanzung ~ 0,2 Mio. EUR
Aufgelaufene Planungskosten für S21 (Angabe Grube) 227 Mio. EUR
Entschädigungszahlungen für vergebene, noch nicht begonnene Aufträge max. 1 Mio. EUR
Summe: ~ 277 Mio. EUR
Unsicherheit +/- 20%
Bahnchef Rüdiger Grube hat die Ausstiegskosten auf Nachfrage folgendermaßen angegeben:
Rückkauf Gleisvorfeld von der Stadt Stuttgart (keine S21-„Ausstiegskosten“) ~ 459 Mio. EUR
5,5% Zinsen für ohne Gegenleistung 2001 bezahlten Kaufpreis (keine S21-„Ausstiegskosten“) ~ 250 Mio. EUR
Aufgelaufene Planungskosten für S21 ~ 227 Mio. EUR
Aufgelaufene Planungskosten Neubaustrecke Wendlingen-Ulm (keine S21-„Ausstiegskosten“) ~ 270 Mio. EUR
Vergebene Aufträge, 'Handwerkerrechnungen' ~ 200 Mio. EUR
Das Gleisfeld wurde bereits 2001 von der Stadt Stuttgart gekauft – ohne jede Gegenleistung.
Sobald S21 gestoppt ist, ist die Bahn vertraglich verpflichtet das Gleisvorfeld von der Stadt
zurückzukaufen, die Stadt bekommt also 459 Mio. EUR zuzüglich Zinsen zurück.
Rückfragen: Dipl.-Physiker Roland Morlock, Tel. 0177-8117740 oder Dipl.-Ing. Hans Heydemann, Tel. 0711-628488
Presseerklärungen und Hintergrundinfos / Presseportal: www.parkschuetzer.org/presse
Internet: www.ingenieure22.de / Kontakt: presse [at] ingenieure22 [dot] de
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Kommentare
JA zum Volksentscheid
Zum ersten mal ind er Geschichte unseres Landes können die BprgerInnen direkt Ja oder nein zu einem Milliardenprojekt sagen. Sicher, Viele Menschen denken: Stuttgart geht uns nix an. Aber: Jede Gemeinde im Land, jedes Dorf zahlt diesen Stuttgarter Bahnhof mit. Esslingen z.B. zahlt jedes Jahr 1,85 Milionen für den S21 Bahnhof. Und Esslingen hat selber kein Geld für Stadtverschönerungen und Ausbau der Schulen und Kintergärten.
Dabei ist aber auch noch eines als sehr wichtig anzusehen. Wenn die Menschen in Biberach oder sonst wo - weit weg von Stuttgart- nicht zur Wahl gehen, werden die sogenannten Volksvertreter hinterher sagen: Die Menschen wollen doch gar nicht mitreden. Sie wollen von oben herab regiert werden.
Die Politiker haben schon mit der Grundstein legung in Baden Württemberg dafür gesorgt, dass ein Volksentscheid so gut wie unmöglich ist. Also wurde ein Quorum eingebaut, dass verlangt, dass mindestens 33,33 % der Bürger zur Wahl gehen. Das sollte verhindern, dass irgendwann
die Bürger sich in die Vetterles Wirtschaft einmischen. Jetzt erst recht. Wir haben die Chance das Land zu verändern. Wir "müssen zur Wahl gehen. Es wäre ein Schlag ins Gesicht für jeden Demokratie Verhinderer- wenn 100% der WälerInnen zur Wahl gehen. Deshalb:
Ja zum Volksentscheid.
nein, nicht widerlegt
Was haben eigentlich ingenieure mit Kostenrechnung zu tun? Es mag sich wichtiger anhören, wenn man sagt "ingenieure" haben was ausgerechnet, richtiger muss es davon aber nicht werden.
Welche Autorität hat diese von den sog. Parkschützern initiierte Internetseite? Tut mir leid, aber das umettiketieren von Rechnungsposten rechtfertigt nicht einen Schluß, dass irgendjemand "widerlegt" sein soll.
Dieses Vorgehen nennt man auch das "Pipp-Langstrumpf" Prinzip. Manche mögen sich noch erinnern: "drei mal drei macht vier ...".
Das ist ja alles sehr lustig, und wenn man nur solche leute um sich hat, kann man das ja alles gern glauben. Aber man sollte nicht den Fehler begehen, die eigene Traumwelt für die echte zu halten und den anderen erklären zu wollen, sie könnten nicht rechnen.