Im Bruchsaler Schwimmbad als es noch nicht SaSch! hieß
Wer früher kein Geld für eine Villa hatte, der konnte sie nicht bauen.
Und wer damals kein Geld zum Verreisen hatte, der blieb eben zu Hause.
Mein Urlaubsziel hieß meist DAHEIMIEN! Mama erzählte oft von ihren wunderbaren Reisen in ihrer Kindheit, und manchmal erfasste mich eine Art Wehmut, wenn sie von ihrer liebsten Freundin, der Baronesse von Pernwerth sprach, denn deren Eltern luden Mama in ihr Schloss ein, das auf Meran herabschaute. Berti muss ein Prachtmädel gewesen sein, deren Charakter durch das prachtvolle Schloss nicht Schaden litt.
Nun, besser als gar kein Schloss war immer noch das Schwimmbad. Und in jenes köstliche Nass tauchte ich manch heiße Stunde! Freche Buben und eilige Erwachsene versalzten zwar manchmal diese glückseligen Stunden, aber ich eilte dennoch mit schmalem Handtuch, Niveacreme und Badezeug in die geliebte Badeanstalt.
Lästige Mücken wurden beklatscht, und ihnen muss diese Vorstellung so gut gefallen haben, dass sie unzählige Da Capos gaben. Die Sonne bräunte Gesicht, Rücken, Arme und Beine und die Erwachsenen in unserer Straße sagten zu mir "Negerle", was mir eigentlich gar nicht gefiel.Ich erinnere mich noch sehr deutlich an den Bademeister von damals. Er machte ein überaus strenges Gesicht, hatte hellblonde schüttere Haare auf dem Kopf und viele blonde Kräusellöckchen auf der dunkelbraunen Brust. Er war groß und untersetzt und trug immer eine weiße lange Hose wenn es kühl war und weiße Shorts, wenn die Sonne herunter brannte.
Zwei Dinge gebrauchte der Rasen- und Bassin-Aufseher ständig: seine Trillerpfeife und seine Uhr.
Abends um sechs Uhr ertönte seine Stimme durch den Lautsprecher: "Kinder unter vierzehn Jahren haben sofort das Bad zu verlassen!" Und diesen unbeliebten Satz wiederholte er uns Kleinen zweimal. Manchmal fragte ich beherzt freundliche Erwachsene, ob meine Freundinnen und ich für einen Moment am Teppichrand Platz nehmen durften - und meistens durften wir. Und dann fragte der Bademeister: "Gehören die alle zu Ihnen?" Und wir gehörten!
Herrliche Schwimmbadstunden! Ich vergesse euch nicht. Sie ersetzten kein Schloss, und dennoch erschlossen sie mir eine lebendige Freude.
© Barbara Mitteis
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Kommentare
Bademeister
soweit ich mich erinnern kann, gab es damals 2 bademeister.
herr müss war an sich immer ein bisschen bruddelig, aber doch herzensgut. wenn ich mir mal wieder im kleefeld einen bienen- oder wespenstich eingefangen hatte, hat er den mit seinem insektenstift versorgt, dabei war er kein bisschen bruddelig.
dann gab es auch noch den herrn seeburger, er hatte für jeden ein freundliches wort, sogar als wir in unserer pubertären sturm- und drangzeit waren.
schöne erinnerungen an früher! vielen dank.
Bademeister
Die beiden Bademeister hießen Anton Mühs (oder andere Schreibweise) und Fritz Seeburger.
Der Bademeister Müss...
... war das.
Wohnte in der Moltkestraße, in dem Wohnhaus vor dem früheren Baulager.