"Holzmarkt soll künftig Otto-Oppenheimer-Platz heißen. Das schlägt OB Petzold-Schick vor"

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Montag, 11. April 2011 - 21:26

„#Bruchsal: Holzmarkt soll künftig Otto-Oppenheimer-Platz heißen. Das schlägt OB Petzold-Schick vor. Mehr Namedropping Di-Ausgabe BNN".

Diese Nachricht durfte heute Abend um 18:35 auf Twitter gelesen werden.

Um was geht es? Nicht nur der bruchsal.org-Leser weiß, dass vor knapp einem Jahr das Thema Otto-Oppenheimer-Platz bereits im Bruchsaler Gemeinderat war. Damals gab es, positiv ausgedrückt, einige Irritationen, über die bruchsal.org berichtete: http://www.bruchsal.org/story/taktische-spielchen-verhindern-platzbenennung. Die überregionale Presse berichtete ebenfalls über diese "Provinzposse": http://www.bruchsal.org/story/city-bruchsal-continues-debate-over-naming-square-after-former-jewish-resident

Darf man dem obigen Tweet inhaltlich folgen, wird wohl in der nächsten Gemeinderatssitzung am 19. April hoffentlich endgültig darüber entschieden, dass der Bruchsaler Heimatdichter Otto Oppenheimer (Der Brusler Dorscht) die ihm zustehende Würdigung durch eine Platzbenennung erfährt.

Dem Bruchsaler Gemeinderat wird wie der o. g. Tweet vermeldet, vorgeschlagen, den Holzmarkt umzubenennen in Otto-Oppenheimer-Platz. Den „Segen" für diese Benennung hat die Stadtverwaltung von der GroKaGe und dem Narrenrat Brusl (Tweet: "Endlich Bewegung in Sachen Otto-Oppenheimer-Platz.. OB Petzold-Schick folgt dem Vorschlag der GroKaGe und des Narrenrats Brusl"). Auch die in dieser Angelegenheit engagierten Bruchsaler Bürgern können diesem Vorschlag zustimmen.

Sollte es nicht noch unerwartete Widerstände aus Reihen des Gemeinderates geben, könnte Otto Oppenheimer bald die Ehrung erhalten, die er verdient hat.

Bruchsal.org hat Informationen darüber, dass ein Enkel von Jakob Oppenheimer (Jakob Oppenheimer war der Bruder von Otto Oppenheimer) Bruchsal besuchen wird. Dieser Enkel musste 1938 zusammen mit seiner Familie aus Deutschland fliehen, um der Ermordung durch die Nationalsozialisten zu entgehen. Schon lange verfolgt er übers Internet die Diskussionen in Bruchsal um die Würdigung seines Großonkels.

Sollte nicht dieser Besuch des Enkels oder die Ankündigung von der Enkelin von Otto Oppenheimer, Frau Ansell (auch diese musste vor dem Naziterror aus Deutschland fliehen). nach Bruchsal kommen zu wollen so ihr Großvater geehrt würde (http://www.bruchsal.org/story/bruchsal-new-york-israel), ein Anlass sein, endlich positiv aktiv zu werden?

© Rolf Schmitt

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Kommentare

Na so was !

Na so was ! Der „Holzmarkt" soll künftig „Otto-Oppenheimer-Platz" heißen. Es ist doch nicht mehr 1. April sondern schon der 11., als die Meldung in bruchsal.org auftaucht. Da fragt man sich, was das soll? Ist man da möglicherweise auf dem Holzweg, einem Irrweg oder in der Sackgasse gelandet? Offensichtlich fehlt es dem Rathaus etwas  an historisch  versierten Beratern. Wie wäre es mit der Neugründung eines entsprechenden Gremiums von Hobby- und Profihistorikern?

Der Holzmarkt und der Spitzname „Bruchsaler Holzlumpen",  dialektmäßig „Brusler Holzlumbe", haben unmittelbar miteinander zu tun. Die Holzhändler frequentierten nach ihren Geschäften die vier unmittelbar benachbarten Gasthäuser. Nicht nur die Fastnachter sollten mal ihre Vereinsbücher aus der Feder Werner Greders gründlich studieren. Statt dessen also: Weg mit dem historischen Holzmarkt.

Am Holzmarkt lag vormals die Wirtschaft „zum Einhorn". Der letzte Wirt war der spätere Kreisleiter Epp. Folglich avancierte das Einhorn zur Parteizentrale der NSDAP. Auf dem Platz fanden Aufmärsche, Versammlungen und Kundgebungen unter den Hakenkreuzfahnen statt. (In Bildbänden über Alt-Bruchsal zu sehen. Und im Stadtarchiv.) Solches konnte natürlich nicht auf einem „Holzmarkt" stattfinden. Der „Holzmarkt" wurde also in jenen braunen Zeiten zum „Adolf-Hitler-Platz" umbenannt. (Nachzulesen in: Heimatlexikon Bruchsal, S. 76 / 77). Jetzt also Otto-Oppenheimer-Platz. Als Kontrapunkt sozusagen oder was?

Statt den kleinen, neuen Platz südlich der Stadtkirche mit dem wieder aufgebauten Bubenbrunnen und Spielmöglichkeiten für Kinder einem ausgewiesenen Kinderfreund wie Otto Oppenheimer zu widmen. Es war Aktiver im Komitee bei den 1902 eingeführten Sommertagszügen, unter der Präsidentschaft seines Freundes und Hoteliers Ferdinand Keller.

Sein Liedtext „Was stelzt uff dem Dach dort ..." (auf die Melodie ‚Hinaus in die Ferne, Text in Fritz Herzer: Bruchsaler Heimatgeschichte, S.123) gehört ins Repertoire der Umzugslieder.

Die historische Benennung Holzmarkt scheint doch insgesamt erhaltenswerter zu sein als alle anderweitigen Klimmzüge.  Möge der Gemeinderat doch mehrheitlich Einwendungen gegen die Umbenennung hegen, schon um Irritationen zu vermeiden und die Farce der Bruchsaler Platzbenennungen nicht um eine weitere Variante aufzustocken.

Das ruinierte Erbe

Der Bombenhagel des 2. Weltkrieges hat fast ganze Arbeit geleistet. Fast. In der Ära Doll ging die Arbeit mit der Spitzhacke weiter. Nun tritt seine Nachfolgerin Petzold-Schick in Dolls Fußstapfen und legt die Spitzhacke an das sprachliche Erbe. Den Holzmarkt umbenennen? Damit künftige Generationen beim Anblick historischer Bilder noch ein Handbuch bemühen müssen, um sich zurechtzufinden ? Damit alte Bruchsaler ihren Bezug zur Heimatstadt weiter verlieren?

Hmm...

...von Adolf-Hitler-Platz zu Otto-Oppenheimer-Platz. Was für ein Zynismus. Gilt für Bruchsal immer noch die Gleichung Trübsal-Brechsal-Bruchsal? Geht die Provinzposse weiter? Oder sollte ich falsch liegen und die neue Namensgebung etwa den Sieg des Guten über das Böse symbolisieren? Oder ist es ganz einfach so, daß der Name des Platzes bei der Kirche schon durch eine "Höhere Gewalt" festgelegt wurde, die irgendetwas mit Maria zu tun hat?

Otto-Oppenheimer-Platz

Letzendlich entscheidet das gewählte Gremium, der Gemeinderat, ob und welche Ehre dem verdienten Bürger, Heimatdichter, Sommertagszugskomitee-Mitglied, GroKaGe-Mitglied usw. ,Otto Oppenheimer, zuteil wird. Dabei stehen nach langen Diskussionen verschiedene Möglichkeiten zur Wahl.

Wir Fasnachter würden uns über beide Plätze freuen. Sowohl der Platz bei SEPA, wie auch der Holzmarkt liegen im Fokus des fasnachtlichen Geschehens in Bruchsal.

Wir müssen nicht in den Büchern Werner Greders nachlesen, um zu wissen, welche historische Bedeutung der Holzmarkt hat. Gerade der Bezug zu den "Holzlumpen", heute noch fasnachtlich präsent in einer Fasnachtgruppe in Bruchsal, spricht für eine Benennung nach Otto Oppenheimer.

Bedenken wegen seiner braunen Vergangenheit hatte eine Umbenennung des Platzes auch bei uns zunächst hervorgerufen. Allerdings kann man das auch als eine späte Genugtuung für den Juden Oppenheimer sehen, wenn dieser Platz der menschenverachtenden braunen Aufmärsche, jetzt einem Gutmenschen, der Oppenheimer zweifellos war. gewidmet wird.

Nach über einjähriger Diskussion um einen Otto-Oppenheimer-Platz, ist es jetzt endlich an der Zeit eine Entscheidung zu treffen und dafür wünsche ich dem Gemeinderat eine gute Wahl!

 

Michael Vettermann

Präsident der Großen Karnevalsgesellschaft 1879 Bruchsal e.V.

 

Kein Zynismus

Der von Herrn Waldemar.Z befürchtete Zynismus wird zumindest von der jüdischen Gemeinde so nicht gesehen. Diese schreibt unter anderem, dass "aus jüdischer Sicht" nichts dagegen spricht, " einen Platz, der früher Adolf-Hitler-Platz hieß, nach einem jüdischen Bürger zu benennen. Ganz im Gegenteil, in gewisser Weise wird damit die unrühmliche Vergangenheit mit etwas Positivem - dem Gedenken an einen Mann, der viel für seine Heimatstadt gemacht hat - übertönt. Wir begrüßen daher diese Initiative und würden uns freuen, wenn die Bemühungen von Erfolg gekrönt würden."

Letztendlich entscheidet...

"Letzendlich entscheidet das gewählte Gremium, der Gemeinderat, ob und welche Ehre dem verdienten Bürger, Heimatdichter, Sommertagszugskomitee-Mitglied, GroKaGe-Mitglied usw. ,Otto Oppenheimer, zuteil wird. ..."

Zugegeben. Nicht einleuchten will mir aber in Dreiteufels- oder wahlweise oder auch aller Heiligen Namen, weshalb es erst im vergangen Juni notwendig gewesen sein sollte, eben diesem Gemeinderat bei der sich abzeichnenden eindeutigen Situation in den Arm zu fallen und die angesetzte Abstimmung über die Beschlussvorlage der Verwaltung zu verhindern.

Ein Bubenstück? Nein, in diesem Fall definitiv nicht. Und die Erklärung wird wohl auf Ewig im Intransparenten wabern...

Wabern...

...so wie vieles Andere auch hier in Brech... äh in Bruchsal.

Platzbenennungsinteressen

Es war anfänglich ein Anliegen als Vorsitzender des Narrenrates, dem Verfasser des "Brusler Dorscht"  ein Denkmal zu setzen.

Im Verlauf der Ereignisse habe ich mich dann allerdings persönlich mit der Familie Oppenheimer und deren Wirken in der Stadt Bruchsal auseinandergesetzt und es erschien mir auch als Bürger von Bruchsal  sinnvoll und erstrebenswert, den Platz zwischen Sepa und Sparkasse nach Otto Oppenheimer zu benennen.

Nachdem um die Benennung dieses Platzes immer wieder andere Varianten ins Spiel kamen begann sich der Kreis derer, die ein Interesse an der Otto-Oppenheimer-Platz Version hatten, Gedanken um Alternativen zu machen.

Einige Möglichkeiten wurden in Betracht gezogen, doch ob der Außenwirkung , welche zweifelsohne nicht gering ist, war man sich einig, dass ein Platz zu Ehren eines verdienten jüdischen Bürgers nur dergestalt sein kann, dass dies ein Ort sein soll, der auch dauerhaft von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Als Fasnachter kann ich mit der Umbenennung des Holzmarktes ebenso gut leben wie mit der Namensgebung für den Platz bei Sepa.

Die Problematik des ehemaligen "Adolf-Hitler-Platzes" war auch mir im ersten Gedanken problematisch erschienen. Doch der Zweite war eben, dass die Benennung nach Otto Oppenheimer durchaus nicht anstößig sein muß, was laut Rolf Schmitt auch von der jüdischen Gemeinde so gesehen wird.

Es wird im Ermessen des Gemeinderates liegen, die Benennung oder die Umbenennung zu beschließen.

Ich wünsche den Fraktionen dabei eine glückliche Hand.

Markus Böhmer,

Vorsitzender des Narrenrat Brusl

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