Hofmannsthals „Jedermann" im Bruchsaler Stadtgarten

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Koralle Freilichtspiele seit 1971 am Belvedere!
Freitag, 4. Juni 2010 - 22:10

Das barocke Belvedere im Bruchsaler Stadtgarten ist Idealkulisse für das Koralle-Freilichtspiel 2010. Stellt es doch diesmal den prächtigen Wohnsitz der Welttheater-Bühnenfigur „Jedermann" dar.

Jedermann

Hugo von Hofmannsthal Tragödie „ vom Sterben des reichen Mannes" wurde 1911 in Berlin uraufgeführt, erstmals 1920 vor der Salzburger Domkulisse und ab 1926 dort alljährlich gespielt.

Hofmannsthal wollte eine Wiederbelebung des Mysterienspiels einleiten. Sein Stück atmet den Geist des Impressionismus.

Das Drama ist vollständig in gebundenen Versen gehalten. Seine Sprache hat eine mittelhochdeutsche Färbung. Sie ist eine Art „imaginäre Sprache", die eine bestimmte Stimmung der Vergangenheit heraufbeschwört, ohne diese historisch rekonstruieren zu wollen. Die Handlung kann als eine Allegorie des christlichen Weltgefüges, vor dem sich der Mensch - also jeder Mann und jede Frau - verantworten muss, gedeutet werden.

„Jedermann" wird im 39. Jahr der Koralle-Open-Airs an acht Spielterminen ab dem 19. Juni angeboten. Für die besonderen Gegebenheiten der einzigartigen Freilichtbühne wird das geistliche Schauspiel von den Mitgliedern Beate Schmidt-Gärtner und Co-Regisseur Marcus Joos inszeniert. Auch die Pause, in der das Publikum in das Bühnengeschehen sozusagen mit eingebunden wird. Die Titelrolle Jedermann übernimmt Mike Pfeff, seine Buhlschaft verkörpert Catharina Guth. (Fotos)

Lange schon läuft die Vorbereitungs- und Probenarbeit im Koralle-Riff. Kürzlich starteten bei widrigen Wetterbedingungen die Proben vor Ort. Die zahlreich mitwirkenden Korallen bedienen sich dabei einer von der Regisseurin überarbeiteten und sprachlich entstaubten Textvorlage. Alle Aktiven zu trainieren und zu choreographieren ist eine Heidenarbeit und erfordert viele Teilproben und Durchläufe.

Jedermann

Jedermann, Figur aus dem Stoff des „Evryman" eines mittelalterlichen englischen Mysterienspiels, aus dem Minnesang und einem Hans-Sachs-Spiel, ist ein reicher Prasser, geizig, hartherzig, so hab- wie genusssüchtig. Dazu lüstern und diesseitig orientiert. Geld hat für ihn gewissermaßen etwas Göttliches. Dies verdeutlicht der personifizierte „Mammon", Darüber hinaus erscheinen als theatralische Figuren Gott, Tod und Teufel.

Das Schiller- Zitat „Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben" trifft auf „Jedermann" ebenso zu wie Luthers Zeilen „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen". Jedermann bleibt keine Zeit, sein spärliches Guthabenkonto für das göttliche Gericht aufzubessern. Mahnungen seiner Mutter schlägt er in den Wind. Alle vermeintlichen Freunde und gemästeten Verwandten wie Nachbarn kehren sich von ihm ab, als die Todesbotschaft kommt. Einzig der „Glaube" und seine „guten Werke" wollen seine Begleiter auf dem Weg vor Gottes Richterstuhl und in die Ewigkeit sein.

Premiere ist am 19. Juni, weitere Vorstellungen 20. , 25., 26. und 27. Juni sowie 2., 3. und 4. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Vorverkauf im Ladengeschäft von Der Club Bertelsmann, Kaiserstr. 37 oder unter kartenreservierung @diekoralle.de im Internet. Dort finden sich zum Stück unzählige Informationen. Die zur Koralle-Produktion sind unter www.diekoralle.de abrufbar.

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