Hausmadonnen und ähnliche Skulpturen in Bruchsal - 2. Teil

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Sonntag, 12. August 2012 - 16:30

Hier der zweite Teil des Beitrags Hausmadonnen und ähnliche Skulpturen.

Fotos mit Abbildungen zu den vorgestellten Standbildern sind hier zu finden.

 

Hausmadonnen und ähnliche Skulpturen in Bruchsal

von Dr. Ludwig Böer

2. Teil

Stehende Madonnen mit Kind

Diese häufigste Form der Madonnendarstellung ist mehrfach vertreten. Die bekannteste ist die Madonna am Chor der Stadtpfarrkirche, die als Schutzpatronin der Stadt gelten darf. Seit etwa 1460 schaut sie auf das Markttreiben der Stadt herunter. Aus der Zeit des „weichen Stils" stammend, gibt sie noch einen Anklang an die „Schönen Madonnen", die zuvor das beliebteste Andachtsbild waren. Da diese Madonna die Aufmerksamkeit der Kunsthistoriker vielfach beschäftigt hat, braucht nicht näher auf sie eingegangen zu werden. (6).

Die meisten stehenden Madonnen Bruchsals stammen aus dem 18. Jahrhundert. An der Hausfront Kaiserstraße 87, dem früheren Gasthof „Zum Rappen", stand eine solche Madonna aus Holz (ca. 0,65 m) in gewölbter Nische. Nach Rott war es eine „barocke Holzfigur in anmutiger Formgebung" (S. 79). Nach Auskunft des früheren Inhabers des „Rappen", Herrn H. Kürz, ging die Figur beim Fliegerangriff zugrunde, sie stand in der Mitte des Hauses zwischen dem 1. und 2. Stock.

Eine sehr wertvolle Madonna auf der Weltkugel besitzt die Hofapotheke in der Friedrichstraße. Sie stand ursprünglich an der Hauswand zwischen den Fenstern des 2. Stockwerks und wurde bei der Renovation des Hauses vor wenigen Jahren in eine neu hergerichtete Nische des Eingangs versetzt, nachdem sie von dem Bruchsaler Bildhauer Leo Diel restauriert worden war. Der Rotsandstein der Figur (1,05 m) tritt in seiner ganzen Eigenart hervor. Die Madonna als Schlangen- zertreterin, das Kind rechts auf der Hüfte aufsitzend, streckt die Rechte segnend aus; sie trägt eine Krone auf dem Haupt. Die anmutige Haltung ist Zeichen der spätbarocken Entstehung der Figur, die wohl einem der Hofbildhauer Bruchsals ihr Dasein (um 1730) verdankt.

Etwa zur gleichen Zeit kann die Figur in der barocken Nische des Hauses Hutten- straße 5 (Schlossermeister Braun) entstanden sein. Die Madonna (Sandstein 0,90 m) trägt das Kind auf dem linken Arm. Sie wurde erst 1955 in diese Nische gesetzt, da die frühere Figur, eine heilige Elisabeth mit den Rosen im Gewandbausch, beim Fliegerangriff verloren ging. Die jetzige Madonna stammt von der Gastwirtschaft zum Hohenegger, die dem Adelspalais Hohenegger (zerbombt) gegenüber lag. Auch die Gastwirtschaft ging beim Angriff verloren, die Hausmadonna jedoch blieb erhalten.

Eine unscheinbare, von weitem kaum sichtbare Madonna auf der Mondsichel hat ein Bildhauer des 18. Jahrhunderts in das steinerne Wappen des Domstifts Speier gesetzt; das wohl nur 15 cm hohe Figürchen ist in Relief ausgeführt. Das Haus Württemberger Straße 56 war ein Freihof des Bistums und trägt deshalb das Wappen (Rott 81).

Über der Toreinfahrt des Hauses Huttenstraße 48a findet sich eine gut erhaltene Madonna des 18. Jahrhunderts (aus Holz, ca. 1 m); das Kind auf dem linken Arm trägt die Weltkugel in hocherhobenen Händen, die Madonna als Schlangen- zertreterin hält das Lilienzepter in der Rechten, um das Haupt den Strahlenkranz. Unter der Nische findet sich eine Inschrift (mit Meisterzeichen):

 

Inschrift

 

Die Figur wurde um 1940 neu gestrichen.

Die Hausmadonna Württemberger Straße 62 (Besitzer Bertsch [1960]) wurde beim Einzug der fremden Truppen am Ostersonntag 1945 von einem Geschosssplitter getroffen, es war eine Madonna mit Kind. An ihre Stelle trat eine kleine Immaculata aus Ton, ein Fabrikerzeugnis um 1900 (ca. 40 cm).

Eine neuzeitliche Hausmadonna mit Kind, die erst beim Bau des Hauses Schönbornstraße 31 im Jahre 1927 (Architekt Kolb) aufgestellt wurde, dürfte ebenfalls aus Ton sein.

Erst 1956 entstand eine mächtige Sgraffito-Gruppe einer Madonna auf der Mondsichel durch den Karlsruher Maler Ludwig Barth an dem Giebel des Instituts Sancta Maria, Hochstraße 6 (erbaut 1908/10). Sie trat an Stelle einer Fresko-Madonna. Über dem Fenster des Giebels schwebend, zeigt die Madonna ihr Kind, von dessen Hand Segensstrahlen auf die Bruchsaler Stadttürme fallen, darunter die erklärende Inschrift: NOS CUM PROLE PIA BENEDICAT+VIRGO MARIA. [Mit ihrem lieben Kinde hat uns die Gottesmutter gesegnet].

 

Sancta Maria

Foto: RS

 

Eine spurlos verschwundene stehende Maria mit Kind, die aber am 1. März 1945 noch erhalten geblieben war, hatte das Haus Holzmarkt 2 (ehemals Kaufmann Görger); sie stand über dem nach der Kaiserstraße sich öffnenden Hoftor in einer Nische, wohl 18. Jahrhundert.

Die neueste Gestaltung einer stehenden Madonna mit Kind stammt aus den Händen des Karlsruher Bildhauers Prof. Emil Sutor. Die feinsinnige Arbeit in moderner Formgebung steht über dem Turmeingang der Stadtkirche Unsere Liebe Frau und wurde im Oktober 1958 aufgestellt. Von dem gleichen Bildhauer stammt auch die hohe schlanke Madonna mit Kind, die heute den rechten Nebenaltar ziert.

Immaculata

Auch dieser Typ der Madonna ist häufiger vertreten. Die sog. Ährenkleidmadonna hat zu seiner Entstehung beigetragen. Eine Figur dieser Art aus dem 18. Jahrhundert stand früher Kaiserstraße 75 (ehemals Schirmgeschäft Grundel, jetzt Stempel-Klein [heute Leder-Horn]) in einer Nische über der Tür des Geschäftes. Nach dem Fliegerangriff 1945 noch erhalten, gelangte sie bald darauf in den Besitz von Architekt Dipl.-Ing. Ed. Holoch, Huttenstraße 27 und wurde im Hof seines Hauses an der Rückwand des Wohngebäudes im 2. Stock aufgestellt. Die Madonna steht auf der Weltkugel als Schlangenzertreterin und wendet sich in echt barockem Aufschwung dem Himmel zu, die linke Hand über die Brust gelegt und mit der rechten einen Gewandbausch haltend. Um ihr Haupt die Krone von 12 Sternen. Links unter dem Gewand lugt ein Engelsköpfchen hervor. Diese Figur (Sandstein, ca. 1 m Höhe) gehört zu den besterhaltenen Bruchsaler Hausmadonnen. Ihre gefälligen Formen reizten den Bruchsaler Steinbildhauer Gustav Löffler (18801953) um 1930 zur Nachahmung. Die Kopie fiel etwas größer aus als das Original und steht nach wie vor am Rückgebäude seiner ehemaligen Werkstatt, Hochstraße 2 (jetzt Steinbildhauer Julius Wilhelm (7).

Älter als die vorgenannte Madonna ist die Figur in einer Nische des Hauses Württemberger Straße 48. Sie stammt noch aus dem 17. Jahrhundert. (Sandstein, 1,20 m). Die Madonna legt die linke Hand auf das Herz und lässt einen Mantelbausch über die herabhängende rechte Hand gleiten, ihr Kopf ist leicht nach links gewendet. Anlässlich einer Hausreparatur 1956 wurde die Figur neu bemalt.

Auch der alte Gasthof „Grüner Baum", Württemberger Straße 15, hat über der großen Toreinfahrt und dem alten Wirtsschild heute eine Immaculata, die man jedoch nur unvollkommen zwischen den Fensterläden hervorschauen sieht. Sie ist erst um 1950 dorthin gekommen, anstelle einer alten Nepomukstatue aus Holz (Rott, S. 81). Diese (von Tobias Günther?) wurde für das kommende Heimatmuseum von Professor Wiedemann sichergestellt. Die Madonna ist eine zarte feine Arbeit von Emil Sutor. Mit gefalteten Händen sieht sie still auf die Straße herunter.

Auch Württemberger Straße 31 (Geschäft von Franz Kling) steht eine Figur gleicher Art in barocker Nische (Sandstein, ca. 60 cm), wohl um 1700 anzusetzen. Ihr früher blau-rotes Gewand ist seit 1958 durch einen braunen Mantel und ein helles Kleid ersetzt. Auch sie steht auf der Weltkugel als Schlangenzertreterin und schaut mit gefalteten Händen zum Himmel.

Im Besitz von Maler Friedrich Holoch, Huttenstraße 22, finden sich zwei Figuren aus Holz (je 1,20 m) vom Typ der Lourdes-Madonnen, die jedoch nicht als Hausmadonnen gedient haben. Die beiden fast gleich gestalteten Skulpturen sind als Gegenstücke gedacht. Sie bieten sich im klassizistischen Togagewand dar, wohl um 1870 entstanden. Da sie schon lange im Besitz der Familie sind, ist über ihre Herkunft nichts bekannt.

Eine Lourdes-Madonna besitzt das Haus Durlacher Straße 68 in einer Nische an der Hausecke im zweiten Stock. Das Haus (Kaufmann H. Müller) wurde stark beschädigt, aber die Madonna blieb erhalten. Sie wird zur Zeit [1960] restauriert.

Anna Selbdritt

Die einzige Hausfigur dieser Art gehörte früher zum Haus Marktplatz 2, heute Anton-Wetterer-Straße 3, dem Haus des Schuhmachermeisters Zimmermann. Die Figur (Sandstein, 85 cm hoch, Sockelbreite 45 cm) ist gut erhalten und befindet sich zur Zeit Württemberger Straße 130, im Anwesen von Zimmermann junior. Sie wurde mit weißer Ölfarbe überstrichen, doch scheint das alte blaurote Gewand noch hie und da durch. Dargestellt ist Mutter Anna als Matrone, zu ihrer Linken kniet Maria als halbwüchsiges Mädchen mit Haarknoten auf dem Kopf und buchstabiert in der Heiligen Schrift, die auf dem linken Knie Annas aufgeschlagen ist. Auf dem rechten Knie Annas steht das Jesuskind, das sie mit der Hand umfasst. Diese Art der Darstellung erinnert an den seit dem 13. Jahrhundert vorkommenden Typ „Anna unterweist Maria" und bewahrt außerdem die übliche Anna Selbdritt-Darstellung. Es sind also hier zwei Typen der Anna Selbdritt miteinander verbunden. Die wertvolle Figur bedürfte einer sachkundigen Renovation. Ihr Besitzer hat sie sorgfältig bewahrt und die Absicht, die Figur später dem Heimatmuseum zu überlassen.

Heiliger Josef

Eine Tonfigur von fast Lebensgröße (19. Jahrhundert.) hat das Josefshaus, Friedhofstraße 9 (Haus der Niederbronner Schwestern).

Johannes der Täufer

Eine Holzskulptur des 18. Jahrhunderts, deren Herkunft unbekannt ist, befindet sich im Besitz von Malermeister Friedrich Holoch, Huttenstraße 22. Es ist fraglich, ob sie je als Hausfigur gedient hat. Johannes biegt sich nach hinten und hebt die rechte Hand mit zwei Schwurfingern empor. Die Figur befindet sich heute [1960] in der Werkstatt.

Heiliger Petrus

Die einzige Darstellung findet sich im Rundbogen über dem Eingang des Pfarrhauses von St. Peter, Obergrombacher Straße 11. Es ist eine Halbfigur, geschmückt mit den üblichen Attributen, den Schlüsseln und der Heiligen Schrift. Der letzte Umbau des Hauses, dessen Kellereien ehemalig fürstbischöflich waren und auf die Erbauungszeit 1440-60 zurückgehen, geschah 1689. Ob jedoch die Petrusfigur aus dieser Zeit stammt, muss dahingestellt bleiben.

Eine Terrakottafigur des heiligen Petrus aus brauner Tonerde (25 x 9 cm) wohl um 1930 hergestellt (Ziegelstempel des heiligen Georg), zu dessen Füßen die Peterskirche in Bruchsal dargestellt ist, findet sich am Hause Kirchgasse 14. Es scheint, dass diese Terrakottadarstellung von dem früheren Pfarrer von St. Peter, Geistlicher Rat R[obert] Stöckle, in Auftrag gegeben wurde.

Heiliger Andreas

Man findet ihn Huttenstraße 21 (Geschwister Zeiser) über Eck gestellt. Es ist eine Figur des 18. Jahrhunderts (Sandstein, ca. 80 cm), die man mit Joachim Günther in Verbindung bringen möchte, einem Bildhauer, der für Bruchsal und Waghäusel gearbeitet hat. Als Andreas ist die Figur kenntlich an dem sogenannten Andreaskreuz, das sich im Rücken des Heiligen befindet. In die schon vorhandene Nische wurde die Figur erst im Jahre 1898 aufgestellt, bis dahin stand sie auf dem Speicher des verstorbenen Malermeisters Hoffmann.

Heiliger Antonius von Padua

Eine barocke Holzfigur aus der Zeit um 1700 des heiligen Antonius mit Christkind auf dem Arm gehörte zum Hause Stadtgrabenstraße 2 b, Gänser (Holz 1,60 m), scheint aber verloren zu sein.

Heiliger Nepomuk

Die oben erwähnte Holzskulptur des heiligen Nepomuk, die ursprünglich die Nische des Gasthofs „Grüner Baum" zierte, findet sich heute im Sammlungsschrank des Heimatmuseums im Justus-Knecht-Gymnasium. Die guterhaltene Figur (die Finger sind z. T. abgebrochen), war mit Ölfarbe überstrichen, die abgelaugt wurde; sie gleicht in Haltung und Gebärde den übrigen Nepomukstatuen des 18. Jahrhunderts, die man so oft auf Brücken findet. Man kann die 78 cm hohe Skulptur in die Zeit um 1750 datieren. Der Eichenholzblock, aus dem sie geschnitzt ist, ist im Rücken hohl. Um das Haupt trägt Nepomuk eine eiserne Sternenkrone.

Rott (S. 81) erwähnt einen lebensgroßen Nepomuk (ohne Kopf) aus Sandstein (um 1740) im ehemaligen Johannitergarten (Bleiche).

Heiliger Rochus

Er befindet sich im Besitz des Malermeister Fr. Holoch, war aber keine Hausfigur. Es ist eine Holzskulptur (75 cm) des 18. Jahrhunderts, deren Herkunft unbekannt ist. Sie stellt den heiligen Rochus dar, wie er auf seine schwärende Wunde zeigt, wurde der Heilige doch in Zeiten der Pestkrankheit angerufen. Neben ihm ein Hündchen mit Brot im Maul.

Es wäre wünschenswert, wenn alle diese Hausfiguren sorgfältig behütet und vor jedem Schaden bewahrt würden.


(6) R. Heiligenthal, Baugeschichte der Stadt Bruchsal vom 13. bis 17. Jahrhundert In: Zeitschrift f. Gesch. der Architektur, Beiheft 2, 1909, 73 — Kunstdenkmäler des Großherzogtums Baden IX, 2 (Bruchsal), bearb. von H. Rott 1913, 11 und 17 — .T. Ofner In: Stiftskirche Unserer Lieben Frau zu Bruchsal, 1958, 8

(7) L. Böer, Der Steinbildhauer Gustav Löffler. In: Bruchsaler Rundschau vom 22. 9. 1954

 

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