Hat man da noch (Flöten)töne?
Was heute in den BNN über den Auftritt von Ian Andersons Jethro Tull (16.8.2012 im Bruchsaler Schlossgarten) berichtet wird (besser gesagt, nicht berichtet wird!) ist schon ´bemerkenswert´.
Nun bleibt es dem Blatt unbenommen, erst einmal einen Tag lang über einem Artikel zu brüten, dessen Inhalte sich insgesamt hauptsächlich mit Anekdötchen vor Veranstaltungsbeginn beschäftigen (dem knapp bemessenen Redaktionsschluss kann es nicht geschuldet sein…).
Daher besteht auch kein Grund, bei Chefredaktion oder Verleger vorstellig zu werden, denn die journalistische Freiheit muss es gestatten, auch ´bescheidene´ Artikel zu veröffentlichen.
Allerdings wurde gerüchteweise seitens den BNN die Devise ausgegeben, der epochalen Vorlage des heutigen Jethro Tull-Artikels zu folgen und eine ähnliche Art der Berichterstattung zukünftig generell für Musik- und Sportveranstaltungen beizubehalten.
Sollte der KSC am Sonntag bspw. gegen den HSV einen überraschend fulminanten Auftritt haben, der weit mehr Besucher oder gar ein ausverkauftes Haus verdient gehabt hätte, so gelten für Redakteure und Reporter dennoch die neuen BNN-Anweisungen:
1. Fokus der Berichterstattung auf Interviews zum Anreise- und Konsumverhalten einzelner Fans
2. Prüfung aller Sicherheitszäune, Würstchenbuden und Toilettenanlagen durch den/die BNN-Reporter
3. Nur kurze Hinweise auf das Spielgeschehen. Nennung des Spielergebnisses nur, falls unabdingbar
4. Ausfindigmachen von und ausführlichere Berichte über Zuschauer, die der Veranstaltung aus rein ästhetischen Gründen beiwohnen oder die die Veranstaltung zu autodidaktischen Zwecken nutzen
5. Als Highlight wären ausführlichste Reportagen mit Besuchern, die versehentlich auf den Tribünen des Wildparkstadions landeten, da sie eine Zirkusveranstaltung erwarteten, von unschätzbarem Wert
Übrigens: Sollten diese Anweisungen nicht strikt befolgt werden, so werden die BNN-Verantwortlichen einen schottischen Musiker kontaktieren, um der Redaktion die Flötentöne beizubringen.
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Kommentare
"Konzertkritik" von unterirdischer Qualität
Ich muss Huhi zustimmen, dieser "Bericht" ist in der Tat "bemerkenswert".
War ich auf demselben Konzert wie der namentlich nicht genannte Autor, dessen Kürzel "cah" lautet? Hat sich der/die Autor/in Ohropax am Eingang geholt (ja, das gab es tatsächlich, obwohl aus meiner Sicht eigentlich überflüssigerweise) und das Konzert irgendwie verpasst?
Ich weiß es nicht, aber wer lesen kann , ist klar im Vorteil. So spielte an diesem wunderschönen, ideal temperierten Abend nicht Jethro Tull, sondern Jethro Tull's Ian Anderson. Ein kleiner, aber doch feiner Unterschied, auch wenn Jethro Tull gewissermaßen mit Anderson gleichzusetzen ist. Unnötig zu erwähnen, dass der kundige Musikkritiker es auch so gewusst oder sich entsprechend informiert hätte, daß Ian Anderson bereits in den letzten Jahren mit einigen Soloprojekten aufgewartet hat (z.B. Rupi's Dance, The Secret Language of the Birds).
Ebenso war für diesen Abend "Thick as a brick 2" angekündigt. Die 2 lässt hier nicht nur vermuten, sondern zeigt klar an, das etwas Neues zu erwarten ist. Und dem Gott der Querflöte sei gedankt, so kam es auch. Wer von einer Gruppe oder einem Künstler immer nur die ollen Kamellen hören will,soll sich eben eine CD kaufen oder die Oldies als MP3 downloaden.
Die Tournee vor zwei Jahren, wo Anderson tatsächlich mit und als Jethro Tull unterwegs war, kennzeichnete einen absoluten Tiefpunkt in der Geschichte der Band und auch Andersons. Lustlos und zum Teil schlecht gespielt, wurden die "alten Stücke" auf die sich wohl auch einige Konzertbesucher in Bruchsal gefreut hatten, heruntergenudelt. Als geneigter Hörer von Jethro Tull hatte ich Anderson und damit auch Tull schon abgeschrieben.
Kann man die LP "Thick as a brick" aus dem Jahr 1972 bedenkenlos als einen Meilenstein der Rockgeschichte bezeichnen, so stellte sich mir die Frage, ob man mit "TAAB 2" ansatzweise so etwas wie einen würdigen Nachfolger zu hören bekommen würde.
Was soll ich sagen? Der Meister ist wieder da, Anderson hat es nicht verlernt, komplexe Werke gepaart mit wunderbaren Melodieparts und ausgereiften Texten zu komponieren. Sicher, die Stimme Andersons ist nicht mehr ganz so kräftig wie früher, was zu einem eine Frage des Alters aber auch der enormen Beanspruchung der letzten Jahren ist. Schön anzuhören ist sie aber immer noch. Und das Flötenspiel erst - exzellent.
Sah man beim Konzert im Mai diesen Jahres im Tempodrom in Berlin die berühmte Pose mit dem angewickelten Bein nur einmal, so gab sie Anderson in Bruchsal gleich mehrfach zum Besten (und das obwohl es der Mann bekanntermaßen in den Gelenken hat). Wenn ich mit 65 jedenfalls noch fit sein sollte, wäre ich überglücklich.
Fazit: ein grandioses Konzert für jeden Musikliebhaber und sicher nicht nur für Tull-Fans. Anderson sowie seine Mitspieler präsentierten sich in Bestform. Spielfreude, ausgefeilte Kompositionen und ein auf der Bühne quirliger, an einen Spielmann und Gaukler erinnernden Ian Anderson.
Wer "nur" wegen Jethro Tull zum Schlosspark pilgerte, der bekam immerhin "Aqualung" und "Budapest" zu hören. Und als einzige Zugabe erschallte das unvermeidliche "Locomotive Breath", allerdings in einer wirklich erfrischenden Weise.
Der BNN-Schreiberling scheint etwas anderes gehört zu haben. Geht es nach "cah", so war und ist Andersons maßgeblicher Verdienst lediglich, die Querflöte mit den "Stromgitarren" zusammengebracht zu haben.Grundgütiger, ein Zeugnis völliger Unkenntnis der Rockgeschichte offenbart sich hier.
Und anstatt etwas über die Musik zu lesen, erfahren wir, dass Cordula ihren Tom zu Jethro Tull gebracht hat. Weiterhin erfährt der BNN-Leser dass Achim sich auf die alten Stücke freut und sich darüber wundert, dass man keine eigenen Getränke mitbringen darf. Willkommen im 21. Jahrhundert!
Liest man "cah's" unterirdischen Konzertbericht, dann gewinnt man den Eindruck, lediglich "Locomotive Breath" wäre der Höhepunkt des Abends gewesen.
Ganz nebenbei: man kann ein Konzert auch "brav" sitzend geniessen.
Sei es wie es ist, die Bruchsaler Rundschau untermauert mit solchen "Berichten" lediglich ihr journalitisches Niveau. Und das lässt sich aus meiner Sicht mit einem einzigen Wort umschreiben: provinziell!
Anonymität bei der Bruchsaler Rundschau
Ja, die Bruchsaler Rundschau wird immer unterirdischer. Wenn man dieses Blatt aufmerksam durchblättert wird man feststellen dürfen, dass immer mehr Beiträge anonym verfasst und veröffentlicht werden. In der Samstagsausgabe z. B. auf Seite 25: (rb), wahrscheinlich Reeb, (tk), (BNN) - wie sinnig, nochmals (BNN), nochmals (BNN) und nochmals (BNN). Auf Seite 26 geht's mit der Anonymität gerade so weiter: (ber), (BNN), (art), (ur) und dann noch ein/e (luz). Ich verstehe nicht, dass sich die Autoren so bei der Bruchsaler Rundschau verstecken. Schämen Sie sich? Sollte nicht gerade ein Vertreter des Qualitätsjournalismus darauf dringen, dass sich kein Autor hinter einem Kürzel versteckt sondern mit offenem Visier zu seiner Meinung und Aussage steht? Denn:
"Anonym Schreiben ist feige!"
"Wer eine Meinung hat, sollte auch dazu stehen!"
was soll die Aufregung?
was soll die Aufregung? Autorenkürzel sind doch bei allen Zeitungen üblich und die Stammleser wissen, wer sich dahinter verbirgt.
bruchsal.org macht hier keine Ausnahme: HUHI, usw.
liebe Grüße und noch einen sonnigen Tag
htz
Autorenkürzel ist kein Problem
Ich hänge mich nicht am Autorenkürzel auf. Viel bedenklicher finde ich, daß eine Zeitung einen Mitarbeiter (fest oder frei spielt hier mal keine Rolle), zu einem Konzert oder andere Veranstaltung schickt und der dorthin entsandte Schreiber ganz offensichtlich keine Ahnung von der Materie hat.
Ich kann jemand, der keine Ahnung von Klassik hat, nicht die Kritik zu einem klassischen Konzert schreiben lassen und ebenso trifft dies gleichermaßen auf die Rockmusik zu.
Und der Artikel "Der Rockstar und das klassische Publikum" (die Überschrift schon ist schlichtweg völlig bescheuert) beschreibt das Konzert weder richtig noch nur ansatzweise realitisch. Unter Strich müsste ich nach Lektüre dieses Pamphlets davon ausgehen, dass das Publikum brav dasaß (was man durchaus so verstehen kann, dass die Leute sich gelangweilt haben) und dass das einzig gute Stück das olle "Locomotive Breath" war. Ach ja, Ian Anderson hat die Querflöte in die Rockmusik gebracht - sein, so liest es sich jedenfalls, einzigster Verdienst. Die Konzertbeschreibung war aus meiner Sicht eine Beleidigung eines grossartigen Künstlers.
Sicher, vieles mag Geschmacksache sein. Aber auch wenn man Mozart nicht mag, wird man kaum bestreiten können, dass er ein musikalisches Genie war. Im umgedrehten Fall würde niemand, der ernsthaft etwas von Musik versteht, auf die Idee kommen Dieter Bohlen als kompositorischen Genius zu bezeichnen, auch wenn er Millionen Platten verkauft hat.
Was ich aber für die Berichterstattung vor Ort für viel wichtiger erachte, ist die Tatsache, dass man sich ehrlich fragen muss, wie es um den Wahrheits- bzw.. Realitätsgehalt der Nachrichten in der BNN steht. Inwiefern geben Berichte von anderen Veranstaltungen oder Geschehnissen objektiv das Geschehene wieder? Da habe ich bei den BNN nicht erst seit diesem Konzertbericht so meine Zweifel.
zuschauer by ian anderson
hallo
die bnn kann nur so schreiben da sie im karlsruher raum konkurrenzlos ist...das blatt war schon immer ein provinzblatt......
zum konzert....kann mir jemand sagen wieviele zuschauer etwa am donnerstag da waren?
ich wohne direkt am schloss und war erstaunt das es kein parkplatzfiasko gab....es war auch sehr leise .. von der musik her und von der lautstärke der besucher....
bei kuhn am samstag war es schon deutlich mehr.....
Antwort zu Besucherzahlen
ich habe beide Veranstaltungen besucht und auch in das Publikum fotografiert.
Schätzungswese war am Donnerstag für ca. 600 bis 800 Personen bestuhlt, von denen mindestens 6 Reihen komplett oder fast ganz leer waren. Hinterm Absperrband gab es dann noch einige preiswertere Stehplätze - schätzungsweise 150 Personen. Die genannte Zahl vom Samstag mit 5000 Besucherzahlen dürfte durchaus realistisch sein. Ein Durchkommen im vorderen Bereich war fast nicht möglich. Meine erste richtige Applausszene des Publikums am Donnerstag war erst nach ca. 25 Minuten, während am Samstag die Stimmung schon vor Konzertbeginn super war und über die vollen zwei Stunden anhielt. Am Donnerstag kam erst Stimmung auf als das Konzert eigentlich schon vorbei war und die Fans zur Bühne vor durften. Davor wirklich nur andächtige Zuschauerminen, gähnende Gesichter und alle Viertelstunde mal ein zaghafter Applaus. Ich kann der BNN-Berichterstattung deshalb nur voll zustimmen und verstehe diese Aufregung hier nicht ganz. Ich bin gespannt ob andere regionale Medienvertreter, die vor Ort waren (Bruchsaler Woche, Kraichgau TV, ...) in den nächsten Tagen wirklich etwas anders berichten.
htz
braves klassisches Publikum
Zur Dokumentation des braven klassischen Publikums und den erwartungsvollen Statements vor dem eigentlich Konzert siehe hier: http://www.landfunker.de/ktv/detail.php?rubric=2&nr=43463
lg htz