Harry L. Ettlinger: Nach 65 Jahren wieder zurück im Salzbergwerk Heilbronn / Kochendorf

Rembrandt-Selbstporträt, im Salzbergwerk inspiziert von den Monuments Men Dale V. Ford und Harry L. Ettlinger (rechts). 3. Mai 1946
Bereits 1942 wurde die amerikanische Idee entwickelt, Kunstschutz-offiziere zu installieren, eine Art "Rotes Kreuz für die Kunst". Nach Kriegsende übernahmen dann die der US-Armee angegliederten Kunstschutzoffiziere die Aufgabe, von den Nationalsozialisten geraubte und versteckte Kunstwerke zu finden und den rechtmäßigen Eigentümern wieder zurück zu geben. Harry L. Ettlinger ist einer der letzten Überlebenden der Monuments Men.
Die Monuments Men Foundation for the Preservation of Art ist eine US-amerikanische Stiftung zur Erinnerung an die Menschen, die während und nach dem 2. Weltkrieg als "Monuments Men" im Monuments, Fine Arts, and Archives program gedient haben. Gründer ist Robert M. Edsel, der sich intensiv mit dem Kunstraub der Nazis beschäftigt hat.
Basis für den Kunstraub war z. B. ein "Führererlass", der folgendermaßen beginnt: "Juden, Freimaurer und die mit ihnen verbündeten weltanschaulichen Gegner des Nationalsozialismus sind die Urheber des jetzigen gegen das Reich gerichteten Krieges. Die planmäßige geistige Bekämpfung dieser Mächte ist eine kriegsnotwendige Aufgabe."
Harry L. Ettlingers Aufgabe war es, alle in den Salzbergwerken von Heilbronn / Kochendorf eingelagerten Kunst- und Kulturgegenstände daraufhin zu untersuchen, ob sie seit dem 1. Januar 1938 in den von Deutschen besetzten Ländern durch Plünderung oder Zwangskauf, also illegal, erworben worden waren. Für Gegenstände jüdischen Ursprungs galt der 1. Januar 1933 als Stichtag. Herr Ettlinger hatte die Aufsicht über die Arbeiten in den Bergwerksstollen.
Unter vielen Tausenden von Kunstwerken wurde ein Selbstporträt von Rembrandt im Stollen aufgefunden, das sofort an seinen Eigentümer, die Kunsthalle in Karlsruhe, zurückgegeben wurde.Herr Ettlinger nutzte seine Zeit in Deutschland auch, um der Kunsthalle in seiner Heimatstadt Karlsruhe einen Besuch abzustatten. Zum einen besuchte er die Kunsthalle, um "seinen" Rembrandt wiederzusehen, zum anderen, um, wie er mit einer gewissen Befriedigung sagte, erstmals in seinem Leben die Karlsruher Kunsthalle zu betreten; als Jude wurde ihm von den Nationalsozialisten der Besuch der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe verboten.
In den Salzbergwerken waren ebenfalls der Hochaltar der Kilianskirche von Heilbronn oder die geraubten Buntglasfenster des Straßburger Münsters eingelagert. Eines der wertvollsten Einzelobjekte im Bergwerk war die Stuppacher Madonna von Matthias Grünewald.In der Saline Kochendorf sollten auch Flugzeugteile hergestellt werden. Das Bergwerk wurde entsprechend ausgebaut, Maschinen dort eingebracht und "1000 Juden als Hilfsarbeiter" eingeplant. Man kann für Kochendorf sicher davon ausgehen, dass hier am Kriegsende Fabrikanlagen für Düsentriebwerke schon bestanden und zumindest teilweise bereits produzierten. Wieviele KZ-Häftlinge dafür ihr Leben lassen mussten weiß niemand präzise zu sagen.
© Rolf Schmitt
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Ganz herzlich zu danken ist Herrn Peter Wanner, Stadthistoriker der Stadt Heilbronn sowie Herrn Dr. Gerd Bohnenberger, Bergwerksdirektor der Südwestdeutschen Salzwerke AG. Ohne die Unterstützung von Herrn Wanner wäre die Reise nach Heilbronn nicht zustande gekommen; Herr Bohnenberger ermöglichte den Besuch des Salzbergwerkes, obwohl dieses derzeit für Besichtigungen nicht geöffnet ist.
Literatur zum Thema: Christhard Schrenk, Schatzkammer Salzbergwerk, Stadtarchiv Heilbronn, ISBN 3-928990-61-6
Über den Besuch von Herrn Ettlinger in Heilbronn und Kochendorf hier ein kleiner Film:
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Kommentare
Hallo Rolf
ganz herzlichen Dank für Deinen Einsatz, wow!