Gutes Timing

DruckversionPer e-Mail versenden
Bundesamt für Verfassungsschutz vernichtet Akten rechtzeitig
Freitag, 29. Juni 2012 - 8:02

Die Aktenvernichtung hat jener Referatsleiter in Auftrag gegeben, der zuvor die Aktenauswertung geleitet hatte und bestritten hat es gäbe Hinweise auf das Trio Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe.

Wie sich herausgestellt hat, wurden die Akten eine Woche nach Auffliegen des Trios beseitigt. Sicherheitshalber hat der Referatsleiter die Aktenvernichtung vordatieren lassen, was leider nicht zu vertuschen war.

Wer hier nur Dummheit und Fehler vermutet, ist sehr einfältig. Allein das Vordatieren beweist, dass jenem Herrn die Unzulässigkeit der Aktenvernichtung zu diesem Zeitpunkt sehr wohl bekannt war.

Nachdem zwei der drei Rechtsextremen unter bislang nicht geklärten Umständen ums Leben gekommen sind (gegenseitig erschossen) und die Zschäpe beharrlich schweigt muß sich das Verfassunggsamt fragen lassen, in wie weit es in die Morde involviert war.

Dass die drei Verbrecher so lange untertauchen konnten, dass ihre Finanzierung gesichert war, dass ein Verfassungsschützer bei einer Schießerei (einem Mord) unmittelbar anwesend war und nichts bemerkt hat, sich auch nicht gemeldet hat, als es öffentlich wurde, das ist schwer zu erklären.

Über V-Leute flossen über 1 Million Euro in die Zwickauer Rechtsextremisten-Szene. Zur Aufklärung kann dies nicht beigetragen haben. Der nicht unbegründete Verdacht, dass der Verfassungsschutz zu den Morden vielleicht auch nur indirekt beigetragen haben könnte, lässt sich wegen der Aktenvernichtung weder beweisen noch entkräften.

Die Presse verhält sich bei diesem, für die Demokratie schädlichen Verhalten einer Behörde, unverhältnismäßig ruhig. Vielleicht getraut man sich bei diesem Skandal gar nicht, weit genug zu denken.

Eine Behörde, die diejenigen überwacht und kontrolliert, die die Kontrolle über genau diese Behörde ausüben sollten (Bundestagsabgeordnete), so eine Behörde passt nicht in eine demokratische Landschaft.

Nachtrag: (2. Juli 12) Der Präsident des Verfassungsschutzamtes, Heinz Fromm, hat heute um seine Entlassung zum 31. Juli 12 gebeten. Er übernimmt damit die Verantwortung für die Fehlleistungen in seiner Behörde.

Wenn Verantwortung übernehmen so leicht ist, mit 64 und hohen Pensionsansprüchen in den Ruhestand zu gehen, dann her mit Verantwortung!
Die Behörde, die daran beteiligt war, die Familienangehörigen der Ermordeten zu verdächtigen ..... und dann schleicht man sich fort.

Und die Politiker finden das auch noch großartig, dass er die Verantwortung übernimmt! Aber bestimmt liegt der Fehler bei mir. Ich habe übersehen, dass in Verantwortung das Wort "Wort" steckt. So gesehen, kann man das ganze mit ein paar Worten abtun.

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 4.7 (18 Bewertungen)

Kommentare

Aktenwolf

Die "Vita" dieses Herrn würde mich mal interessieren - andererseits: Wenn "man" belastendes Material wegschaffen wollte, hätte "man" doch wohl bessere Methoden gehabt .
Hoffe ich zumindest.
Oder sind die so dämlich?

Oder sind die so dämlich?

Genau der Meinung bin ich auch. So blöd kann doch der VS nicht sein. Vermutlich wird die ganze Sache jetzt deshalb so aufgebauscht, um von den wahren Geschehnissen abzulenken.
Geschrieben, geredet und entschuldigt wurde bis jetzt sehr viel. Alles nur "Mutmaßungen". Aber wann kommen endlich handfeste Beweise?
Die werden wohl wissen, warum sie die Frau Tschäpe nicht aus dem Bau lassen.

MAD-Ablenkungsmanöver?

Jetzt höre ich schon stundenlang auf allen Kanälen, die MAD-Schlapphüte weigerten sich, ihre Unterlagen herauszurücken.
Die Kerle haben doch auch einen obersten Vorgesetzten - weshalb ist davon und von dem nie die Rede?
Was meint der Herr denn dazu?!

Wundersame Aktenvermehrung

Zuerst war von 35 Aktenordnern die Rede, dann von 25 - heute lese ich, es waren 45 Aktenordner.
Ja, was denn nun? Könnte die Hauptstadtpresse da etwas genauer hinhören und vielleicht mal nachfragen oder sind die Damen und Herren nur nicht in der Lage, eine Zahl richtig aufzuschreiben?
Auf der einen Seite ein berechtigter Aufschrei über möglicherweise voreilig vernichtete Akten, dann spielt es andererseits keine Rolle, ob der Ausschuss 25, 35 oder 45 Aktenordner voll Unterlagen erhält.
Wer will uns denn hier schon wieder verschaukeln?
Und - 45 Ordner in ein paar Stunden durcharbeiten? Das nehme ich dem Ausschuss nicht ab.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen