Graben-Neudorf: Mann suchte Kontakt zu zwölfjährigem Jungen – Polizei warnt vor Gefahren sozialer Netzwerke und Chats

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Mittwoch, 14. Dezember 2011 - 15:14

Warum sucht ein junger Mann über ein Soziales Netzwerk Kontakt zu einem Zwölfjährigen, trifft sich mit dem Jungen, lädt ihn zu Computerspielen ein und fordert ihn auf, bei ihm zu übernachten, um Filme zu schauen? Ohne eine Straftat konkret nachweisen zu können, beschäftigt diese Frage derzeit die Ermittler der Kriminalpolizei-Außenstelle Bruchsal.

Was war geschehen? Seit zwei Wochen hatte ein Zwölfjähriger aus Graben-Neudorf über ein Soziales Netzwerk Kontakt zu einem ihm unbekannten Mann. Im Chat unterhält sich der Junge mit seinem neuen „Freund“, man spielt online zusammen ein Computerspiel. Es wird ein Treffen in Graben verabredet. „Nur zum Reden“ trifft sich der Junge beim Friedhof mit seiner Online-Bekanntschaft – der Kontakt wird enger. Der Vater des Jungen wird misstrauisch, überprüft die Netzwerk-Kontakte seines Sohnes und wird fündig. Da ist die Rede von geplanten Treffen mit Übernachtung, der Mann wolle ihm ein paar „movies“ zeigen und sich erneut mit dem Jungen treffen. Davon bekommt der Vater Wind und legt sich auf die Lauer – wieder beim Friedhof in Graben, wo die Internetbekanntschaft auch tatsächlich auftaucht. Der Mann versucht mit seinem Pkw zu flüchten, wird aber vom Vater gestellt. Die Polizei wird verständigt. In dessen Auto finden die Beamten des Philippsburger Reviers mehrere Kondome, mehrere Messer, zwei Digitalkameras und einen Schreckschussrevolver. Für alles hat der strafrechtlich noch nie in Erscheinung getretene junge Mann eine Erklärung. In seiner Vernehmung gibt der selbst kindlich wirkende Mann an, wirklich nur einen Freund gesucht zu haben, mit jemanden reden zu wollen. Keinesfalls habe er schlechte Absichten gehabt. Der junge Mann wirkt glaubhaft, nicht „abgebrüht“, keinesfalls schwer kriminell – aber was wollte er wirklich? Weitere Beweise oder Indizien werden nicht gefunden. Der Festgenommene muss auf freien Fuß gesetzt werden. Die Polizei hat keine Handhabe, keine ausreichenden Hinweise auf eine geplante Straftat.

Was bleibt, ist Eltern immer wieder auf die Gefahren hinzuweisen, die für ihre Kinder im grenzenlosen Netz bestehen. Da gibt sich der pädophile 50-Jährige im Chat unter Kindern und Jugendlichen als 14-Jähriger aus, verschweigt seine wahre Identität, um sich irgendwann mit seinen „Freunden“ zu treffen. Da erreichen junge Mädchen über soziale Netzwerke eindeutige Bilder mit sexuellem Hintergrund oder die Handlungen werden sogar „live“ über Webcam an die geschockten jungen Menschen übertragen. Extreme Gewaltdarstellungen, menschenverachtende Pornografie und rechtsextreme Propaganda gefährden zusätzlich die Entwicklung von Kindern.

Um Kinder vor solchen Gefahren zu schützen, gibt die Karlsruher Polizei Eltern folgende Tipps:

  • ·        Reden Sie mit Ihrem Kind darüber, welche Gefahren in Chatrooms, in Sozialen Netzwerken und im Internet bestehen.
  • ·        Begleiten Sie Ihr Kind, wenn es sich dort virtuell bewegt, zumindest anfänglich.
  • ·        Machen Sie Ihr Kind darauf aufmerksam, dass es keinesfalls persönliche Daten im Chatroom bekannt gibt (z.B. Name, Adresse, Telefonnummer, Bilder)
  • ·        Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich nicht ohne Ihr Wissen mit Chat-Partnern trifft. Gehen Sie zu einem bereits vereinbarten Treffen mit.

Weitere Informationen www.bsi-fuer-buerger.de (Kinderschutz) oder www.polizei-beratung.de (Medienkompetenz).

 

Grundsätzliche Sicherheitsregeln:

  • ·        Kinder und Jugendliche sollen darauf vorbereitet werden, dass der Chat-Partner oft nicht der ist, für den er sich ausgibt.
  • ·        Die wichtigste Regel ist: Kinder sollten sich niemals mit Chat-Partnern treffen, Jugendliche niemals alleine zu Treffen gehen und das Treffen sollte immer an einem "sicheren" Ort (z.B. im Jugendclub, Eiscafe oder ähnlichem) stattfinden.
  • ·        Eltern sollten die Chat-Räume, in denen sich Kinder und Jugendliche bewegen, kennen.
  • ·        Eltern sollten Interesse an den Chat-Aktivitäten ihrer Kinder zeigen, daran, was sie fasziniert, und mit wem sie sich unterhalten.
  • ·        Eltern sollten sich über die Risiken der Chats informieren, die ihre Kinder besuchen; ggf. sollten sie alternative Seiten vorschlagen, die eine sichere und angenehme Atmosphäre bieten. Eine Übersicht und Bewertung zahlreicher Chats finden Sie unter: www.chatten-ohne-risiko.net.  
  • ·        Kinder und Jugendliche können sich meist nicht ausreichend von Chat-Inhalten distanzieren. Überfordert sind sie besonders dann, wenn sie in Kontakt mit anzüglichen oder pornografischen Darstellungen kommen. Eltern sollten die Erlebnisse ihrer Kinder ernst nehmen und mit ihnen darüber sprechen.
  • ·        Eltern sollten beobachten, ob und wie Probleme im Chat sanktioniert werden, wie der Moderator agiert und ob es Selbstschutz-Maßnahmen wie Alarm-Buttons bzw. Ignore-Funktionen gibt.
  • ·        Chatten ist eine Form von Medienkonsum. Eltern sollten mit ihren Kindern altersgemäße Vereinbarungen treffen, wie lange sie wo und mit wem chatten dürfen. Chat-Freunde dürfen Freundschaften im realen Leben nicht verdrängen oder ersetzen.

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