Das Geschirrhaus Klophaus / Das Schuhhaus Eysele (wahrscheinlich Eyser, richtig wohl Matt)

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Samstag, 22. Mai 2010 - 17:51

Das Geschirrhaus Klophaus

Europa auf Stier

Manchmal wurde Mama dem Haushaltswarengeschäft Hofmann untreu, und zwar immer dann, wenn sie etwas besonders Feines verschenken oder selbst haben wollte. Dann gingen wir ein paar Häuser entfernt von Frau Hornung weiter und betraten das schöne Porzellangeschäft. Frau Klophaus war eine zurückhaltende Dame, die sich an den eigenen Gegenständen sehr erfreuen konnte. Wie sie die Dinge in die Hand nahm, das verriet, wie sehr sie Porzellan und Silber schätzte.

Porzellanfigur, Rokoko

Bei Frau Klophaus tummelten sich Hummelfigürchen, Meißner Porzellankavaliere und Rokokodamen, standen Silberleuchter stramm und warteten Silberdöschen auf Pfefferminzpastillen. Wertvolle Kristallvasen sehnten sich nach edlen Rosen und geschliffene Gläser nach einem edlen Tröpfchen. Ach, ich konnte nur dastehen und alles bestaunen, und Mama flüsterte: "Das hier ist alles neu! Wir haben zuhause viele liebe alte Dinge von deiner lieben Großmama."

Aber die Vitrinen von Frau Klophaus waren natürlich viel interessanter als die eigenen, und das Neue viel erstrebenswerter als das Alte. "Mit der Zeit wirst du die Dinge schätzen lernen", meinte Mama und bezahlte dann ein Zuckerzängchen oder eine Tortenschaufel.

Teller, Meißen

Es mussten viele Jahre vergehen, bis ich den Wert vieler kleiner vererbter Dinge erkannte. So fand ich in meiner alten Schultasche ein entzückendes, Silberdöschen, das wohl schon meiner Urgroßmutter seine Dienste im Theater oder bei Konzerten tat. Ich möbelte es wie die anderen auf, und heute steht es glücklich aufrecht in einem kleinen Silberschränkchen.

Selten denke ich noch an Frau Klophaus. Fein und bescheiden stand sie hinter ihren glitzernden Theken. Meist einen roten Pullover zum dunkelblauen Rock tragend, kam die Perlenkette unter dem weißen Bubikragen hervor.
Alles war an ihr dezent und unaufdringlich. Und so bekomme ich beim Schreiben wieder Heimweh nach jenen Zeiten, wo der gute Geschmack so normal war wie ein schmackhaftes einfaches Essen auf einem schön gedeckten Tisch.

© Barbara Mitteis

 

Das Schuhhaus Eysele

Lurchi-Hefte

Alte Lurchi-Hefte

Wenn Mama ankündigte "Wir gehen, heute zum Schuhhaus Eysele", dann hüpften nicht nur meine kleinen Füße, dann hüpfte auch mein Herz. "Bekomm' ich Lacklesüühle?", fragte ich hoffnungsvoll, denn Lackschuhe waren noch der Rest meiner Eitelkeit. Ja, ich bekam Lackschuhe für den Sonntag und Laufschuhe für den Werktag. Frau Eysele war eine solide und brave Frau mit einem typischen Brillengesicht und braven, nach hinten gekämmten Dauerwellen, und keine Leiter war ihr zu hoch und kein Weg zu weit, um die passenden Schuhe zu suchen und zu finden. Aus der Sorge heraus, dass die Lacklesüühle doch wieder ins Regal kommen könnten, passten mir alle angebotenen Schühlein wie angegossen. Dann konnte Mama sagen: "Aber Kind, die müssen doch drücken", und zuletzt nickte ich doch ein wenig mit dem Köpfchen und meinte: "Aber die sind soo sööön."

Ein Paar passte dann endlich und bei den Straßenschuhen war ich schon wählerischer, was nichts nützte, denn ich bekam immer die bequemsten. Ob Sandalen, ob Treter, ob Pumps, ob Halbschuhe, ob Stiefelchen, Mama kaufte für die ganze Familie am liebsten bei Frau Eysele.

Pedoskop

Pedoskop

Eines Tages führte sie uns zu einer Neuheit, die allerdings sehr bald wieder abgeschafft werden musste. Es war ein Durchleuchtungsgerät für Schuhe und Füße und ich betrachtete belustigt meine leuchtendgrünen Fußsohlen.

Am Ende eines Einkaufes machte Frau Eysele geschickt ein Schnürchen um den Karton, und das geschah mit einer so großen Behendigkeit, dass ich aus dem Staunen gar nicht herauskam. Dann füllte sie mit Gas einen roten oder blauen Luftballon, den sie mir um das Handgelenk wickelte. Und zum Abschluss bekam ich noch ein Salamanderheftchen in die Hand gedrückt, und Mama las mir dann die Lurchi-Geschichten zuhause vor. Manchmal denke ich noch an die nette alte Dame und auch daran, wie wichtig damals die Lackschuhe für mich! waren. Vielleicht weil es die Sonntagsschühlein waren?

© Barbara Mitteis

 

Lurchi und mehr

Welche der Figuren gehören nicht dazu?

 

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Kommentare

lurchi.... ;-)

was habe ich die Heftchen verschlungen wenn ich sie selbst beim Salamander bekommen habe bzw. meine Mutter sie mir mitgebracht hat....

Frosch Hopps, Igel Igelmann, Maus Mäusepiep, Zwerg Piping und Kröte Unkerich

Mecki und die Mainzelmänchen gehören wohl nicht dazu

wobei ich mit Mecki etwas unschönes verbindet..... Die Mecki-Frisur war ja auch mal angesagt und ich bekam sie beim Frisör Wendschuh in der damaligen Michalesbergstraße (heute Paul-Gerhard-Straße) geschnitten.... und es ähnelte mehr einem 3mm Kurzhaarschnitt als einem "Mecki" die Scham so verunstaltet in die Schule gehen zu müssen saß tief...

Lurchi und seine Freunde

Oh ja das war die Krönung eines jeden (seltenen) Schuhkaufes, ein Lurchi-Heftchen.

Schade, man hätte sie aufheben sollen, aber im Laufe der vielen Jahre sind sie irgendwo verschwunden. Eine wunderschöne Kindheitserinnerung..

Hier mal alle wie wir sie kennen und lieben.

Lurchi und seine Freunde

Lurchi & Co.

Ich hab' sie noch alle - wie wär's mal mit einer Lesung...?

PS.: Wer erinnert sich übrigens noch an jenes wunderbare Röntgengerät, mit dem damals - beliebig oft - überprüft wurde, ob die neuen Schuhe vom Töchterlein oder Söhnlein auch wirklich passten?! Was man dazu heute wohl sagen würde...

Schuhaus Eysele ist mir

Schuhaus Eysele ist mir unbekannt.

Vermutlich ist das Schuhhaus Eyser gemeint, das glaube ich, gab es mal.

Das würde ich auch so sehen.

Das würde ich auch so sehen. Schuhhaus Eys(s)er, der Inhaber hieß aber anderes, vielleicht fällts mir noch ein. Eine der Verkäuferinnen im Eyser war eine ältere Dame mit dem Namen Sophie Himmel. Das Schuhhaus Eyser war in der Kaiserstraße neben Betten Mangei.

Die Irrwege des Pedoskops

Ja, das sogenannte Pedoskop. Das Schönste eigentlich früher, wenn man mit seinen Eltern Schuhe kaufen ging. So ganz ohne waren diese Teile jedoch nicht, wie der folgende Bericht des SWR veranschaulicht.

Um die Irrwege des Pedoskops

Und hier das Manuskript dazu:

Um die Irrwege des Pedoskops .pdf

Schwimmbadschnitt

Eine ähnliche Friseurerinnerung habe ich auch. "Mein" Friseur war der Friseur Bollinger, damals noch in der Wilderichstraße, heute ist ein PC-Shop in dem Laden. Ich marschierte also rein, der alte Herr Bollinger fragte mich: "Schwimmbadschnitt?". Ich hatte keine Ahnung, was er damit meinte, sagte aber "ja", denn das hörte sich schon interessant an. Als ich nach Hause kam, schlug meine Mutter die Hände über dem Kopf zusammen. Schwimmbadschnitt war wohl eine verschärfte Form des Igelschnitts.

Fasonschnitt

Ich mußte auch immer zum Frisör in der Durlacherstr., Ecke Ritterbuckel, gegenüber  von Dr. Meier. Keine Ahnung wie der Frisör hieß, aber ich sollte nur sagen, dass ich einen Fasonschnitt bekommen soll. SCHRECKLICH!!! Auf alle Fälle hielt dieser "Fasonschnitt" den ganzen Sommer über. Sonnenbrand auf der Kopfhaut inclusive.

fußscanner

im Schuhhaus Kastin stand auch so ein Scanner ....

und das sogar noch bis in die 70iger Jahre

jetzt fällt mir der Name der

jetzt fällt mir der Name der Besitzer ein, ich glaube sie hießen Mispagel. kann das sein???? weiss das jemand? Und die Sophie Himmel gehörte zum lebenden Inventar sowohl des Schuhhauses als auch der Stadtkirche.

Erinnerungslücken?

Nierlesbrunnen

Ich meine, da gehen einige Erinnerungen von Frau Mitteis durcheinander. Es gab wohl ein Schuhhaus Eyser in der Kaiserstraße. Ecke Friedrich-, Kaiserstraße gibt es jedoch noch heute das Schuhhaus Matt. Über den Schaufenstern des Ladens befand sich früher auch eine Leuchtreklame mit dem grünen Schriftzug "SALAMANDER" Nach meiner Erinnerung gab's auch nur dort die Lurchi-Heftchen.

Richtig!

Ich schrieb meine Kindheitsbücher von 1986 bis 1990. Da kann einmal eine fehlerhafte Gedächtnislücke sein. Heute brächte ich all die Erinnerungen im Detail nicht mehr zusammen. Die 50er Jahre sind weit!

Ein Mecki-Heft bekam ich nie, nur das Salamanderbüchlein.

Nix für ungut! Auf Frau Himmel besinne ich mich allerdings gut. Sie hatte immer eine sehr liebe Art. Was Wunder bei dem Namen!!

Pedoskop

Ich habe vor nicht allzu langer Zeit mit meiner Frau über den frühen Tod unseres ehemaligen Hausarztes und dessen Frau gesprochen beide waren früher Röntgenärzte und waren den Strahlen permanent ausgesetzt. Heute bekommt man gleich eine Bleischürze und das Bediener Personal geht aus dem Raum.

 

Aber es war trotzdem ein Erlebnis seine Fußknochen im Schuh zu sehen und dann noch die Lurchi Hefte zu bekommen an die Gefahr hat natürlich niemand gedacht

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