Gang durch die Illegalität

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Der Gänseburger (Ortsname geändert) Advent – ein Auslaufmodell
Mittwoch, 7. Dezember 2011 - 18:54

Gerne kommen die Fremden nach Gänseburg. Dort ist es romantisch und sehr persönlich. Wer einmal in Gänseburg war, kommt immer wieder. In 2010 40.000 Übernachtungen.

Doch bleibt es so? Die alten Gänseburger fürchten sich zu Recht vor dem Massentourismus. Die Rüdesheimer Drosselgasse muss keine Entsprechung in der Gänseburger Schnatterstraße (Name geändert) finden.

Dort wo letztes und am folgenden Wochenende der Gänseburger Advent schwerpunktmäßig stattfindet. Abhilfe  ist jedoch  in Sicht, wie nachfolgende Geschichte sichtbar macht.

Gänseburger

Denn der gesetzestreue Besucher erschrickt beim Besuch des Gänseburger Adventsmarktes. Plätzchen in Engelsform, selbstgemachte Marmelade in karg beschrifteten Gläser gehören neben allerlei Bratgut zu dem kulinarischen Beiwerk des Gänseburger Advent, der im übrigen in alten Schuppen und Scheunen stattfindet – romantisch eben. Doch leider illegal. Nicht eine der hygienetechnisch vorgeschriebenen Inhaltslisten waren auf dem Advent vorzufinden. Von den übrigen erforderlichen hygienischen Vorrichtungen ganz zu schweigen. Die Besucher ließen  sich sich dessen ungeachtet ungeniert anonyme Konfekt-Engelchen schmecken, die zudem in Schälchen dargeboten wurden, deren hygienischer Zustand nicht überprüfbar war. Der Hygienebeauftragte der Verbandsgemeinde Schnatterhausen (Name geändert) nascht wohl lieber selbst von dem süssen Backwerk, als sich um seine Vorschriften zu kümmern. Allerdings sollten wir uns nicht zu sehr sorgen. Denn spätestens im nächsten Jahr werden wir uns nicht mehr zu sorgen  haben: Die Bürokraten werden Gänseburg an ihr Regelwerk anpassen. Dann werden statt annonymer Weihnachtsengel ordnungsgemäß verpackte Balsen-Kekse die Hygiene sichern. Vielleicht erbarmt sich auch Mc Donald der unhygienischen Gemeinde.

 Da ist der Kollege vom Brandschutz besser in der Zeit.. Zwar hat er – bisher – nicht überprüft, ob die Besucher des Gänseburger Advents beim Besteigen alter Stiegen nicht brandgefährlich unterwegs waren, aber wenn ein Bauantrag (!) vorliegt, kann der Mann nicht anders. Es wird regelkonform. So hat eine Gänseburger Herberge (der Name wird aus gutem Grund verschwiegen), die seit vielen Jahrzehnten in einem besonders schönen, natürlich speziell denkmalgeschützten Gebäude residiert, beschlossen, sich etwas zu erweitern um den vielen Gästen Platz zu bieten. Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass die  Gänseburger Häuser komplett unter Ensembleschutz stehen.

Der Herbergswirt hat nach Erwerb des uralten Gebäudes vor 3 Jahren alles stilgerecht saniert – und jeden Schritt mit dem Denkmalschutz abgestimmt. Wenn er nicht auf die unglückliche Idee gekommen wäre, via Bauantrag eine im Haus befindliche Wohnung zu Hotelzimmern  machen zu wollen. Zunächst kam, was kommen musste: Die denkmalgerechten Holztüren mussten Stahl-Brandabschnitten weichen – die Gänseburger Kuscheligkeit wich europäischem Brandschutz-Standard. Auch die Decke des 300 Jahre alten Festsaals konnte ihr Gesicht nicht retten – es droht Brand nach Vorschrift. Aber das Erschrecken des Herbergswirts fand seinen Höhepunkt, als der Brandschutzbeauftragte die Straße nachmaß, die am Gebäude entlangführt: zu schmal. Statt 10 Meter-Brandschutz-Normbreite maß die Straße leider nur 9 Meter. Das wußte man vor 300 Jahren leider nicht..Der Mann zog die logische Konsequenz. Statt vier neuen Zimmern in der bisherigen  alten Wohnung die Brandschutz-Hotel-Weihe zu erteilen, musste er leider 6 bereits vorhandene Hotelzimmer aus dem Verkehr ziehen. Dort übernachtet vorschriftsgemäß niemand mehr – es grüßt der zweite Rettungsweg. Nun hat diese Geschichte ein leidlich erfolgreiches Happyend. Der Mann kennt die nahegelegene Feuer-Wehr (Name ebenfalls außenvor). Der dortigen Kommandant, ein gerne gesehener Gast, ließ eine außerplanmäßige Wehrübung – im nicht normgerechten Gänseburg – stattfinden, die die Öffnung der zuvor versiegelten Zimmer zur Folge hatte.

 

Ein Vorschlag an den bundesdeutschen Brandschutz. Wir lassen uns von Brüssel, sagen wir, 100 Milliarden Euro (!) überweisen und reißen die komplette bundesdeutsche  Altbausubstanz ab (nebst den Innenstädten von, beispielsweise, Heidelberg, Regensburg, Bamberg) und bauen diese nach Disney-Vorbild brandschutzgerecht wieder auf. Das  wäre doch eine Konjunkturspritze und führte zu Wirtschaftswachstum...

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Kommentare

Rauchmelder - Pflicht!

Der neue BW-Innenminister Gall (SPD) will eine Rauchmelderpflicht.

Ich empfehle: Kopie des Schreibens (oben) seines Parteikollegen Stadtrat Schmitt an ihn mit Bitte um Übernahme der Kosten durch die Landeskasse (aufkommensneutral finanziert!)!

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