Galaabend in Bruchsal
Gestern war ich im Bürgerzentrum beim Galaabend des Arbeitskreises Heimatpflege mit Preisverleihung „De gnitze Griffel“ Nicht jeder unserer Leser ist gebürtiger Südwestdeutscher oder gar Badener. Daher eine kleine Worterklärung für die Zugezogenen. „Gnitz“ wird bei uns gebraucht in eher bewundernder Art: „einer der schlau ist, gewitzt, augenzwinkernd witzig, vergnügt, immer gut drauf und nicht auf den Kopf gefallen.“ Kürzlich habe ich in der Fußgängerzone eine ältere Frau in einen Kinderwagen gucken sehen. Sie sagte nach einem liebevollen Blick auf das kleine Bündel Mensch strahlend zur Mutter: „ä gnitze Grott“, in diesem Zusammenhang also ein süßer Fratz oder ein süßes Mädchen.
Der Begriff Griffel ist sicher auch noch bekannt, auch wenn seit bald 50 Jahren in der Schule nicht mehr auf Schiefertafeln geschrieben wird. Bitte nicht mit diesen Griffeln verwechseln: „Lass die Finger da weg, oda ich hau dir uff die Griffel!“.
Nach diesem Exkurs wieder zurück zum Bürgerzentrum. Der Arbeitskreis-Vorsitzende Dr. Rudolf Kühner hielt eine nette Rede in der er darauf hinwies, dass bereits Goethe sagte, Mundart sei die Quelle, aus der die Sprache schöpfe, sei ein Erbe, das jeder mitbringe. Gerade im Zeitalter der Globalisierung schaffe Mundart Heimat und Identität. „Denn Mundart ist das Ursprüngliche, das organisch Gewachsene, in dem alle Gefühlswelten zu Tage treten“, sagte Kühner, „die Hochsprache folge der Mundart nur nach.“ Soweit der Redner. Wobei ich ihm und Goethe in fast allem Recht gebe. Nur der Bezug auf die Globalisierung ist meines Erachtens doch etwas hoch gegriffen.
Wikipedia schreibt zu Dialekt bzw. Mundart: „Der Dialekt bzw. (bedeutungsgleich) die Mundart hat eine ortsbezogene regionale Färbung und ist daher die Sprachform mit der geringsten kommunikativen Reichweite. Der Dialektsprecher wird mancherorts bereits im Nachbardorf als ortsfremd erkannt.“ Dr. Kühner muss also nicht „das Zeitalter der Globalisierung“ bemühen, um darauf hinzuweisen, dass Mundart Heimat und Identität schafft.
Nach diesem erneuten Exkurs wieder zurück zum Bürgerzentrum. Es war eine schöne Veranstaltung, durch die die beiden Bruchsaler Winnie Bartsch und Thomas Liebscher führten. Von Winnie hab ich mir sogar eine Autogrammkarte mit nach Hause genommen.
Das Sprechen von Dialekt ist nicht immer konfliktfrei. Letztes Jahr war ich bei einem Geburtstag eingeladen. Mein Schwiegervater war auch dort. Ein richtiger Obergrombacher. Er saß mir gegenüber. Plötzlich sagte er zu mir: „Haschalom?“. Ich schaute ihn überrascht an: „Wie bitte?“ Er entgegnete, nun etwas lauter: „Haschalom?“. Ich glaube, jetzt guckte ich doch etwas entgeistert. Sprach er jetzt arabisch? Oder hebräisch? In meinem Kopf kreiste ein „Salem Aleikum“ gemeinsam mit einem „Schalom“ um die Wette. Bis mich meine Schwiegermutter erlöste: „Er hat dich gefragt, ob du auch Lamm isst.“ – „Haschalom?“ ist Obergrombacherisch für „Hast Du auch Lamm?“. Welch' würzige sprachliche Kürze!
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