Freilichtaufführungen 2010: Welttheater am Bruchsaler Belvedere
Bruchsal. Das barocke Belvedere im Bruchsaler Stadtgarten ist die absolut ideale Kulisse für das Koralle-Freilichtspiel 2010. Stellt es doch diesmal den prächtigen Wohnsitz der Welttheater-Bühnenfigur „Jedermann" dar. Der Freilichtklassiker wird im 39. Jahr der Koralle - Open - Airs am beliebten Spielort ab dem dritten Juniwochenende an insgesamt acht Spielterminen angeboten.
Für die besonderen Gegebenheiten der einzigartigen Freilichtbühne wird das geistliche Schauspiel von den Mitgliedern Beate Schmidt-Gärtner und Marcus Joos inszeniert. Beide haben sich bereits bei erfolgreichen Regieaufgaben für das Bruchsaler Amateurtheater bewährt. Die zahlreich mitwirkenden Korallen bedienen sich dabei einer von Co-Regisseur Joos eigens überarbeiteten und sprachlich entstaubten Textvorlage. Alle Aktiven zu trainieren und zu choreographieren ist eine Heidenarbeit und erfordert Dutzende von Teilproben der Einzelszenen oder Durchläufe der beiden Großteile. Das Publikum wird in der Koralle - Version teilweise ins Bühnengeschehen mit genommen und - zumindest in der Pause - eingebunden. Jedermann - Darsteller ist Koralle-Chef Mike Pfeff, die Buhlschaft verkörpert Catharina Guth, dazu gibt es noch reichlich bedeutsame kleinere Sprechrollen, Statisterie, Bedienstete und Akrobaten.
Jedermann ist ein reicher Prasser, geizig, hartherzig, habsüchtig, dabei wollüstig und sehr diesseitig orientiert. Geld und Gold haben für ihn gewissermaßen etwas Göttliches. So macht es Sinn etwa „Mammon" personifiziert erscheinen zu lassen, aber auch Gott, Tod und Teufel. „Jedermann" bleibt keine Zeit, sein spärliches Guthabenkonto für das göttliche Gericht aufzubessern. Mahnungen seiner Mutter schlägt er in den Wind. Alle vermeintlichen Freunde und gemästete Verwandte wie feigehaltene Nachbarn kehren sich von ihm ab, als die Todesbotschaft blitzartig kommt. Einzig der „Glaube" und seine „guten Werke" wollen seine Begleiter auf dem Weg vor Gottes Richterstuhl und in die Ewigkeit sein.
Hugo von Hofmannsthal Tragödie „ vom Sterben des reichen Mannes" wurde 1911 in Berlin uraufgeführt, erstmals 1920 vor der Salzburger Domkulisse und ab 1926 dort alljährlich gespielt. Hofmannsthal wollte eine Wiederbelebung des Mysterienspiels einleiten. Das Drama ist in gebundenen, bisweilen etwas holprigen Versen gehalten. Die Sprache hat insgesamt eine mittelhochdeutsche Färbung.
Premiere ist am 19. Juni, weitere Vorstellungen sind am 20., 25., 26. und 27. Juni sowie am 2., 3. und 4. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Vorverkauf bei der Club Bertelsmann, Kaiserstr. 37 oder Platzkartengarantie unter kartenreservierung [at] diekoralle [dot] de im Internet. Informationen zur Koralle-Produktion sind unter www.diekoralle.de abrufbar.
Stefan Schuhmacher
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