FrauenStandPunkte am Internationalen Frauentag
Bruchsal (pa). „Die Mühen der Berge stehen hinter uns, vor uns liegen die Mühen der Ebene." Mit diesem Zitat von Bertold Brecht begrüßte
Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick beim diesjährigen Internationalen Frauentag eine große Zahl an Frauen, die der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Inge Ganter, in Zusammenarbeit mit dem „Bündnis 8. März" gefolgt waren. Zugleich machte die Oberbürgermeisterin deutlich, wie wichtig es für die Gestaltung eines gerechten Lebensumfeldes für Frauen ist, Netzwerke zu bilden und die aktive Mitwirkung im Gemeinderat zu erhöhen.
Der Internationale Frauentag ist in Bruchsal schon viele Jahre Tradition, nun wurde er erstmals im Ehrenbergsaal gefeiert - dort, wo sonst auch die Gemeinderats-Sitzungen stattfinden. Diesem politischen und würdigen Rahmen entsprechend legten Vertreterinnen des „Bündnis 8. März" ihre „FrauenStandPunkte" hinsichtlich Ausbildung, Bildungsprojekten, Beschäftigung, Kinderbetreuung, Tagesmütterausbildung, Haushaltshilfen, Wahlen sowie Migration-Integration dar. Gleichstellungsbeauftragte Inge Ganter, die auch als Moderatorin des Abends wirkte, hatte immer wieder Zahlen parat, welche die Lebenssituation der Frauen verdeutlichten. So leben beispielsweise fast 1.000 Frauen als Alleinerziehende in Bruchsal; 85 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten in Baden-Württemberg sind Frauen. Daraus folgert sie „Die Arbeit für mehr Gleichberechtigung muss in die Breite getragen werden."
Zonta Club
Iris Jäger
FrauenStandPunkt Ausbildung: „Mädchen und Frauen haben es nach wie vor im Beruf schwerer als Männer... Wir wollen uns mit vielfältigen Projekten dafür einsetzen, dass aus hilfsbedürftigen jungen Mädchen selbstbewusste Frauen werden."
Deutsch-Türkischer Bildungsverein
Fürüzan Kübach
FrauenStandPunkt beispielhafte Bildungsprojekte: „Die Förderung der deutschen Sprache zum Beispiel durch Einzelkindförderung insbesondere bei Kindern armer Familien ist uns ein Anliegen... Sprache ist der Schlüssel zur Integration."
IG Metall
Gabi Weberbauer und Margot Kritzer
FrauenStandPunkt Beschäftigung: „Frauen liegen lediglich an einer Position unangefochten in Führung - wenn es um unbezahlte Arbeit wie Haus- und Gartenarbeit sowie Niedriglohn geht. Das Motto der Gewerkschaftsfrauen 2010 heißt deshalb „Kurs halten" - in Richtung Partizipation in allen Beschäftigungsbereichen."
Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen
Michaela Taghi-Aghdiri
FrauenStandPunkt Kinderbetreuung: „600.000 Menschen können bundesweit wegen fehlender Betreuung keine Jobs annehmen... Es bedarf deshalb familiengerechter Jobs anstatt jobgerechter Familien."
Tageselternverein
Meike Schmitt
FrauenStandPunkt Tagesmütterausbildung: „Wenn 2013 der Rechtsanspruch auf Betreuung von Kindern unter einem Jahr in Kraft tritt, brauchen wir noch jede Menge Tagesmütter... Hierfür müssen heute die Rahmenbedingungen geschaffen werden."
FrauenNetzwerk
Astrid Bickel
FrauenStandPunkt Haushaltshilfen: „Putzen gilt als gut bezahlter Job, denn in keinem anderen ungeschützten Beschäftigungsfeld - außer der Prostitution - wird Frauen so viel Kompetenz zugeschrieben. Mit welchen Folgen? Eine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ist bei Beschäftigung im Haushaltsbereich beispielsweise nicht möglich."
Frauenunion
Andrea Ihle
FrauenStandPunkt Wahlen: „Wenn wir wollen, dass sich die Lebenslagen von Frauen dauerhaft verbessern, muss es uns gelingen, mehr Frauen in politische Mandate zu bringen...". Der Frauenanteil von knapp 30 Pronzent im Deutschen Bundestag und unter 20 Prozent im Bruchsaler Gemeinderat kann nicht befriedigend sein... Wir haben die Wahl!
Internationales Frauencafé
Aselefech Demisse und Brigitte Olsen
FrauenStandPunkt Migration-Integration: „Unser Ziel im Internationalen Frauencafé ist es, einander mit Wertschätzung und Interesse zu begegnen... Wir wollen von anderen lernen und die Gastfreundschaft pflegen."
In festlicher Atmosphäre genossen die Frauen auch das musikalische Rahmenprogramm.
Im Rahmen des Frauentages informierte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick, dass für die Benennung der neuen Straßen im Baugebiet „Oberer Weiherberg" die Namen von vier Bruchsaler Frauen - Marianne Kirchgessner, Gerda Baumann, Barbara Ihle sowie Hedwig Leppert - in Betracht gezogen werden. Für diese Ankündigung erhielt sie von allen anwesenden Frauen tosenden Beifall. Die Entscheidung über die Namensgebung trifft der Gemeinderat in einer seiner nächsten Sitzungen.
Die Geschichte dieser sowie weiterer historischen Frauen-Persönlichkeiten aus Bruchsal können interessierte Frauen und Männer in der Broschüre „Frauenrundgang" nachlesen. Sie ist erhältlich zum Preis von 3 Euro bei der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Bruchsal, Inge Ganter unter Telefon 07251/79-364 oder info [at] frauengeschichte-bruchsal [dot] de . Weitere Informationen sind auch unter der Homepage www.frauengeschichte-bruchsal.de abrufbar.
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