Forstliches Gutachten zum Rehwildabschussplan erstellt
Kreis Karlsruhe. Im Wald sind längst nicht mehr die Räuber, aber auch ohne sie wird das Ökosystem von Gruppen genutzt, die teilweise völlig verschiedene, ja sogar widersprüchliche Interessen haben: Erholung suchende Spaziergänger und Sportler einmal ausgeklammert stehen auf der gleichen Fläche die Interessen der Waldwirtschaft und der Jäger gegenüber.
Beide verfolgen gleichermaßen das Ziel einer nachhaltigen Nutzung des Waldes, aber während Jäger vorrangig das Wild und die Wildbestände im Auge haben, legen Förster ihr besonderes Augenmerk auf die jungen Waldbäume als Grundlage der neuen Waldgeneration. Da sich aber vor allem Rehwild auch von jungen Bäumen ernährt, kann es zu Interessenskonflikten und in gravierenden Fällen zu Schäden an der Waldvegetation kommen.
Aus diesem Grund setzt die Jagdbehörde Abschusspläne für das Rehwild fest. Diese orientieren sich an den geschätzten oder vermuteten nachhaltigen Nutzungsmöglichkeiten. Da sich Rehwild nicht zuverlässig zählen lässt, werden der Gesundheitszustand - insbesondere das Gewicht des Wildes - sowie der Zustand der Vegetation als objektive Kriterien herangezogen, um die Angemessenheit der Wilddichten abzuschätzen. Um letzteres zu bewerten, hat die Forstverwaltung das Instrument des Forstlichen Gutachtens zum Rehwildabschussplan entwickelt, das sie in dreijährigem Abstand erstellt. Hierzu bewerten die Forstleute den Wildverbiss auf den Verjüngungsflächen im Wald nach Baumarten und Intensität.
Die landesweit ausgewerteten Ergebnisse des aktuellen Forstlichen Gutachtens zum Rehwildabschussplan 2010 bis 2012 liegen nun vor. Sie kommen für den Landkreis Karlsruhe zum Schluss, dass die Hauptbaumarten Buche und Kiefer ohne Schutzmaßnahmen verjüngt werden können. „Hier zeigt sich der Erfolg der langjährigen Bemühungen aller Jagdpächter und Jäger, das Rehwild intensiv zu bejagen", stellt Dr. Bernhard Peichl fest, der im Landratsamt für den Bereich „Forsten" verantwortlich ist.
Etwas uneinheitlicher zeigt sich die Lage bei den vom Rehwild als Äsungspflanzen sehr geschätzten jungen Eichen und Weißtannen: Hier halten sich die Flächen, auf denen das waldbauliche Verjüngungsziel erreicht werden kann die Waage mit jenen, auf denen das nicht der Fall ist. Wo junge Waldbäume so stark vom Rehwild verbissen werden, dass sie stark deformiert werden oder gar ganz ausfallen, müssen entweder die Abschüsse erhöht oder vom Waldbesitzer kostspielige Maßnahmen zum Schutz der jungen Waldbäume ergriffen werden, wie z.B. der Bau von Wildschutzzäunen, aber auch ein chemischer oder mechanische Schutz einzelner Pflanzen ist möglich.
Nach stichprobenartiger Prüfung der Einzelgutachten der Forstrevierleiter durch das Forstamt und das Regierungspräsidium Freiburg erhielt jeder Jagdpächter das Gutachten für sein Revier zur Stellungnahme. Vereinzelte Meinungsverschiedenheiten wurden im Gespräch mit der Forstverwaltung geklärt.
„Die im Gutachten ausgesprochenen Empfehlungen zur Gestaltung des Rehwildabschusses bilden eine gute Orientierung für die Rehwildjagd in den kommenden drei Jagdjahren", resümiert Peichl.
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