Fleisch für Alle - auch für Untergrombach

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Freitag, 2. April 2010 - 10:26

Edeka hat in Untergrombach einen weiteren feinen Lebensmittelmarkt mit 1.500 qm Verkaufsfläche eröffnet - unter dem Beifall vor allem der politischen Repräsentanten der Stadt Bruchsal, darunter Alt-OB Bernd Doll mitsamt seiner Frau Karla.

Es wurden die üblichen Einweihungsreden gehalten. Routine. 1.450 Märkte wird der Genossenschaftsbetrieb in den nächsten 3 Jahren eröffnen - so die Pläne der Expansionsabteilung des Konzerns. Mit anderen Worten. Es geht Edeka, wie auch der REWE, die im gleichen Marktsegment wildert, um Marktanteile. Den Verbrauchern werden durchaus schönere und grössere Märkte angeboten werden - andere werden weichen, denn der Verbrauch nimmt bei abnehmender Bevölkerung ab und nicht zu. Ein Zweitwagen ist zwar möglich, nicht hingegen ein Zweitschnitzel.

Nun fühlte sich der wortführende EDEKA-Mann genötigt, auf das neue 80-Millionen-Euro-Fleischwerk in Forchheim hinweisen: Wir schaffen dort Arbeitsplätze, das musste er nach dem Streit um den Standort schon noch sagen. Nichts hingegen sagte er zu den vergehenden EDEKA-Fleischwerk-Standorten in Heddesheim und Offenburg. Da wird nämlich dicht gemacht, wenn Forchheim steht. Da wir Edeka für ein innovatives Unternehmen halten, gehen wir mal davon aus, dass die Arbeitsproduktivität in Forchheim gesteigert werden kann. Immerhin will man ja Marktanteile und das geht nur mit Gewinn, auch wenn Edeka nach eigenen Angaben „Lebensmittel liebt" und auch: „Fleisch liebt". Also: weniger Arbeitnehmer pro Tonne erzeugtem Fleisch.

Der Edeka-Mann wies auch auf die internen Edeka-Richtlinien hin, die qualitätsorientiert seien und dem Verbraucher beste Versorgung zu billigstem Preis garantierten. Da befindet sich Edeka - zum Beispiel - nicht mit der EU auf Kriegsfuß. Diese nämlich verschärft täglich ihre Großfleischwerks-orientierten Hygiene-Richtlinien. Die wiederum verhindern zuverlässig, dass kleine Metzger kleine Fleischmengen erzeugen. Auch kleine Schlachthöfe widmet man besser zu Kulturzentren um. Erstens sehen die Klasse aus und zweitens können die keine Richtlinien mehr einhalten. Die, die das 80-Millionen-Edeka-Fleischwerk in Forchheim (zuverlässig) einhält.

Der badische Verbraucher, sofern er bei Edeka einkauft, kauft Fleisch ein, dass in der Forchheimer Riesenfabrik aus Lebendtieren bereitet wird. Hoffen wir nur noch, dass das Fleischwerk genügend Lebendtiere bekommt. Liest man die „BNN" erfährt man zum Beispiel, dass verzweifelte Landwirte ihre Rinder lieber verhungern lassen, als sie im Produktionsprozess, sei es für Fleisch, sei es für Milch zu belassen. Wer Tag und Nacht arbeitet und dadurch nur die Hausbank besser kennenlernt, hat daran so wenig Spaß, dass er irgend wann resigniert. Nicht resignieren Metzger-Meister. Denn davon gibt es kaum noch welche, noch weniger als Bauern.

Riesen-Fabriken brauchen Agrarfabriken und konsumierende Verbraucher.

Im Klartext: Diese Gesellschaft liquidiert im Expresstempo Wissen und Fähigkeiten. Bauern und Metzger.

Da bleibt uns nur die Hoffnung, dass unsere industrielle Fleischproduktion - natürlich hochwertig nach Edeka- und EU-Richtlinien - produziert, uns weiterhin ernährt.

Dass diese Fabrik niemals still steht - darum müssen badische Fleischverbraucher schon beten. Sonst werden sie unfreiwillig zu Klima-Schützern.

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