Fangen von Kaulquappen ist verboten

DruckversionPer e-Mail versenden
Auch „gut gemeinte“ Aufzucht im Aquarium dezimiert Amphibienbestände
Donnerstag, 12. April 2012 - 9:47

Bruchsal-Untergrombach (tam). Jetzt wimmelt es wieder: In Pfützen und kleinen Tümpeln, an den seichten Uferbereichen langsam fließender Bäche, selbst in wassergefüllten Reifenspuren tummeln sich Tausende winziger Kaulquappen, aus denen sich in den nächsten zwei Monaten daumennagelgroße Frösche und Kröten entwickeln. Jedenfalls sofern sie in ihren natürlichen Lebensräumen belassen werden. Und genau darüber herrscht oftmals Unkenntnis: Immer noch werden Kaulquappen aus den angestammten Laichgewässern herausgefischt und in Aquarien großgezogen. Das jedoch ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern fügt auch dem Einzeltier wie den Amphibienbeständen insgesamt Schaden zu.

Seit 1980 ist die Entnahme von Amphibien in jeder Lebensform – sei es als ausgewachsenes Tier, sei es als Kaulquappe – gesetzlich untersagt und kann sogar als Ordnungswidrigkeit mit Geldbußen geahndet werden. Eine Regelung, die für sämtliche europäische Arten gilt und auch durch den manchmal vorgebrachten Hinweis nicht aufgehoben wird: „Da sind doch Tausende im Teich, auf drei oder vier kommt es bestimmt nicht an“. Indes haben die Jungtiere im Aquarium nur geringe Überlebenschancen, auch ist die erforderliche Beziehung zu ihren natürlichen Lebensräumen gestört – bloßes Zurückbringen an den ursprünglichen Fundort nach der Aufzucht genügt da nicht. Ganz zu schweigen davon, dass die kleinen Lebewesen von Kindern im schlechtesten Fall als „lebendige Spielzeuge“ missverstanden werden, Tierquälerei inbegriffen.

Deshalb appellieren Naturschutzvereine gerade in den Frühlingsmonaten an das Verantwortungsbewusstsein und das Einhalten gesetzlicher Artenschutz-bestimmungen – weil für die ohnehin stark geschwächten regionalen Amphibien- bestände selbst „gut gemeintes“ Fangen und Aufziehen von Kaulquappen im Aquarium de facto eine weitere Dezimierung bedeutet.

Kaulquappen

Kaulquappen im flachen Wasser eines Tümpels. Aufnahme: Victor Selvas

 

 

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 1 (4 Bewertungen)

Kommentare

Man kann es auch übertreiben

Sicher wurden früher Dinge getan, die den Naturschutz betreffend nicht optimal waren. Aber was heute als gesetzlich gilt, ist manchmal absurd.

In der Schule war ein flaches Aquarium, in dem jedes Jahr Kaulquappen waren (gefangen natürlich). Wir erlebten die Metamorphose von der Quappe zum Frosch, wie aus den unbeholfenen Schwimmern ein bewegliches Tier mit Beinen und Füßen wurde und der Schwanz sich langsam zurückbildete. Es war ein Staunen über die Natur und hat dazu beigetragen, die Natur zu achten.

Heute sind wir stolz darauf, wenn sich wieder Störche angesiedelt haben, zu deren Hauptnahrung die Amphibien gehören. Im Durchschnitt ist ein Frosch, den ein Storch frisst, ist der einzige Überlebende von 1000 Laicheiern bzw. 500 Kaulquappen.

Diese Überlebensrate scheint niedrig, aber der Feinde gibt es viele: Bergmolch, Enten und Fische fressen schon den Laich. Dazu kommen Sauerstoffarmut, Spätfröste, Schimmelpilze, UV-Strahlung und Austrocknung des Laichgewässers. Ist die Kaulquappe geschlüpft, warten Gelbbrandkäfer, Wasserskorpion, Wasserwanzen Libellenlarven und Molche. Hat die Quappe die Entwicklung bis zum Frosch geschafft, dann gibt es Kannibalismus, Vögel (besonders Bachstelze und Amsel) und Laufkäfer, welche die Jungfrösche dezimieren.

Die Kaulquappen, die dann zur Beobachtung entnommen werden fallen da nicht ins Gewicht, schließlich haben die Amphibien auch unsere Entnahme damals überstanden.

Die Eingriffe in die Natur durch Infrastruktur sind wesentlich gravierender, aber sicher auch hin und wieder erforderlich. Bei Wiesloch wurde in den 90er Jahren eine ganze Population Feuersalamander durch eine Eisenbahn-Baumassnahme  nahezu vernichtet. Solche Eingriffe sind schlimmer. Andererseits war die Juchtenkäferaktion in Stuttgart nicht für alle nachvollziehbar.

Ich glaube, dass ein Kind, das die Entwicklung zum Frosch einmal in seinem Leben aufmerksam beobachtet hat, zu einem besseren Naturschützer und -liebhaber wird, als alle diejenigen, die so etwas Wundervolles noch nie gesehen haben.

Kaulquappenfangverbot

Dem kann ich mich nur anschließen.

Ich habe als Kind/Jugendlicher mehrfach Kaulquappen in der Natur entnommen und zu Hause aufgezogen. Es war faszinierend und hat sicherlich meine Wertschätzung gegenüber der Natur gefördert.

Zudem bin ich sicher, dass die bei mir gehegten Kaulquappen eine deutlich bessere Aussicht hatten zu Fröschen heranzureifen als im Laichgewässer, ehe sie wieder in die Natur ausgesetzt wurden. Und somit dürfte ich den Bestand wohl kaum dezimiert haben.

Kaulquappen fangen verboten - man kann es auch übertreiben

Im Prinzip stimme ich dem Kommentar auch zu und wenn alle maßvoll und verantwortungsvoll mit ihrer Umwelt umgehen würden bräuchten wir solche Gesezte auch nicht. Natürlich ist es ein faszinierendes Erlebnis für Kinder (und auch Erwachsene) zu sehen, wie sich eine Kaulquappe in einen minikleinen Frosch verwandelt, aber das kann man auch in der Natur beobachten, wenn man weiß wo es Kaulquappen gibt. Dazu muss man die Tiere nicht mit nach Hause nehmen. Der Artikel ist aber wohl eher an die Eltern der Kinder gerichtet, die eimerweise Kaulquappen abfischen, nach Hause nehmen und dann im Eimer auf dem Hof in der Sonne stehen lassen oder sich einfach nicht mehr um die Tiere kümmern. Leider kommt das immer wieder vor und da kann es schon helfen, wenn die Eltern für die Problematik sensibilisiert werden.

verkehrte Welt

Hallo zusammen,
der massive Rückgang der Amphibien ist einzig und alleine auf die Zerstörung der Lebenräume zurückzuführen - Punkt und aus! (Entwässerung, Flurbereinigung, Verfüllung und dem einsetzten von Fischen)
Das hatte alles nichts mit Naturentnahmen zu tun.
Solche Alibigesetzte kommen dann genauso wie auch die Diskussionenen um den Chytridpilz gerade recht um das Gewissen zu reinigen. Und irgendwann sind wir uns dann einig, dass wir da sowiso nichts hätte machen können - traurig traurig.

Beispiel - der Laubfrosch er ist mittlerweile so selten, dass diesen kaum noch jemand in seinem Leben zu Gesicht bekommt. (Wie auch zwischen Acker, Autobahn und Wohngebiet). Vor 150 Jahren war diese Froschart allgegenwärtig.
Unseren Kindern, diese Wunder der Natur vorzuenthalten (auch wenn es einige Tiere im ungünstigsten Fall mit dem Leben bezahlen) wäre das weitaus größere Verbrechen. Wie sonst soll denn das Verständniss wachsen, wenn man nicht erkennt wie empfindlich unsere Flora und Fauna ist? Wollen wir wirklich Ignoranten großziehen? Ich jedenfalls nicht und habe mir für diese Thema einen schönen Froschteich zugelegt! (sehr empfehlenswert)
Es gibt aber auch die Möglichkeit einheimische Amphibien aus Nachzuchten zu kaufen diese dürfen wie andere Tiere auch gehalten und gezüchtet werden.
>> zum Beispiel auch für Schulen!
Diese sind i.d.R. Meldepflichtig d.h. der Zuchtbelegt vom Züchter muss bei der Naturschutzbehörde eingereicht werden. Die Nachzuchten müssen dann ebenfalls gemeldet werden. Hierzu gibt es meist beim regionalen Regirungspräsidium online die Formulare zum Download mit allen Infos.
Wäre eine zeitgemäße Alternative zur Naturentnahme und lehrt nebenbei auch die Wertschätzung zum Tier anstatt sich einfach "billig" zu bedienen.

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen