Fahren wir in Zukunft so durch Bruchsal?
Honda U3-X: Ich habe der Zukunft der Mobilität ins Antlitz geblickt!
Montag, 2. November 2009 - 16:15
Mit dem Auto in Bruchsals Innenstadt? Für die Ingenieure und Tüftler bei Honda kein Thema mehr. Die Japaner sehen die Mobilität in der Stadt ganz anders: Mit dem Auto bis an die Stadtgrenze von Bruchsal fahren und dann mit dem U3-X ganz gemütlich ins Zentrum und die Fußgängerzone rollen.
U3-X? Was wie ein Abführmittel klingt, ist ein Einrad mit Elektromotor. Damit soll die Fahrt vom Stadtrand in die Innenstadt zum freudigen Ereignis werden. Und das Teil schafft immerhin bis zu sagenhaften 6 Stundenkilometern.
Dieses Einrad soll sich locker und intuitiv bewegen lassen und viel Fahrspass bringen.
Noch handelt es sich nur um einen Prototypen.
Und hier die Parodie:
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Kommentare
Honda U3-X auf Brusaler Straßen
"Dieses Einrad soll sich locker und intuitiv bewegen lassen und viel Fahrspass bringen." Letzteren, werter Herr Schmitt, wird der geneigte Mono-Roller-Freund mit Sicherheit auf den Bruchsaler Gehwegen und Straßen haben. Mit einer gewissen Vorfreude sehe ich dem Anblick slalomfahrender Hochleistungsatlethen entgegen, die die Hinterlassenschaften der Hundesteuerzahlerlieblinge elegant umkurven um dann einen sauberen Crash an einem der zahlreichen Verkehrszeichen hinzulegen, die die Stadtverwaltung mit viel Mühe und Überlegung dort postiert hat, wo mit radfahrenden Zeitgenossen
außerhalb der Fahrbahn zu rechnen ist.
>wo mit radfahrenden
>wo mit radfahrenden Zeitgenossen außerhalb der Fahrbahn zu rechnen ist.
Also praktisch überall...
Beitrag eines Hundesteuerzahler der jeden Abend um sein Leben und das des Hundes bangt wenn er nur durch den Stadtpark oder die Fussgängerzone läuft oder auch nur den Fuss auf den Gehweg vor seinem Haus setzt...
Mit einer
Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h behindern die Teile auf der Straße Autos und sogar Fahrräder (die in der Regel auch schneller sind); auf dem Gehweg und in der Fussgängerzone sind sie dagegen verboten (wenn nicht, werden "fürsorgliche" Behörden diese Lücke schnell schließen).
Vor 8 Jahren gab es bereits eine Erfindung, die dem U3-X sehr nahe kam: den Segway. Doch dessen Hersteller musste bald einsehen, dass es in der heutigen, überregulierten Zeit längst nicht so sehr darauf ankommt, ob ein Angebot Probleme löst und für Kunden attraktiv ist, sondern vielmehr darauf, ob man sich gegen die behördlichen Berufsbedenkenträger durchsetzen kann, die jede neue Technik als Gefahr (für was auch immer) sehen und sie möglichst zu verhindern suchen. Die Zulassungskriterien für den Segway atmen denn auch folgerichtig diesen Geist aus jeder Zeile: Erlaubt ist der Roller nur auf Radwegen, auf Gehwegen schon sowieso nicht, aber auch nicht auf Landes-, Kreis- und Bundesstraßen. Effektiv also eigentlich fast nirgendwo.
Dabei ginge es doch viel besser, die Holländer machen es vor: Mit "shared space" könnten auch Segway und U3-X ihren Platz in deutschen Städten und Gemeinden finden. Der genial einfache Grundgedanke dabei: Die Straße gehört allen, und jeder hat auf jeden Rücksicht zu nehmen. Und da, wo vorher eine strikte Trennung von Verkehrswegen, minutiöse Regulierung und Schilderwälder das Stadtbild dominieren, entsteht im wahrsten Sinne des Wortes Lebensraum für alle. Einziger Nachteil des Konzepts: Es basiert auf dem Vertrauen auf das, was (nicht nur) Behörden und Verwaltungen fürchten wie der Teufel das Weihwasser - die Eigenverantwortung jedes Einzelnen.
Immer die Verwaltung?!
Die hier kritisierte "Zurückhaltung" der "behördlichen Berufsbedenkenträger" resultiert allein aus der seit Jahrzehnten immer kleinlicher werdenden Rechtsprechung (weniger der Gesetzgebung!) beispielsweise in Fällen von "Schadenersatz bei - angeblicher - Verletzung der Verkehrssicherungspflicht."
Von den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für den einzelnen Behördenmitarbeiter (oder -mitarbeiterin, T'schuldigung!) gar nicht zu reden.
Wären wir und unsere Ver- und Absicherer bereit, hier mehr eigenes Risiko auch finanziell selbst zu tragen (wie z. B. bei bestimmten Sportarten), nähme die Entwicklung bei der Nutzung von Verkehrsflächen eine andere Richtung.
Also, liebe/r "c" - falsche Richtung!
Die Richtung von "c" ist
Die Richtung von "c" ist schon richtig...
Sie entspricht nur nicht der Richtung, die schon seit Jahren vermehrt eingeschlagen wird.
Mit dem Einrad macht es auf
Mit dem Einrad macht es auf den erstklassigen Bruchsalern Radwegen und Top-Fußgängerwegen und wirklich super ausgebauter und durchdachter Verkehrsplanung [/Satire off] sicherlich viel Spaß zu fahren!
Axel
katastrophale Radwege
Zitat Ihle: "Die hier kritisierte "Zurückhaltung" der "behördlichen Berufsbedenkenträger" resultiert allein aus der seit Jahrzehnten immer kleinlicher werdenden Rechtsprechung (weniger der Gesetzgebung!) beispielsweise in Fällen von "Schadenersatz bei - angeblicher - Verletzung der Verkehrssicherungspflicht."
Von den möglichen strafrechtlichen Konsequenzen für den einzelnen Behördenmitarbeiter (oder -mitarbeiterin, T'schuldigung!) gar nicht zu reden." (Zitat- Ende)
Nun, Herr Ihle, verstehe ich Ihre Aussage richtig in dem Sinne:
"Hier in Bruchsal ist doch rein verkehrstechnisch alles in Butter?"
Dann versuchen Sie doch einmal, mit dem Fahrrad haushaltstypische Einkäufe oder Behördengänge in dieser Stadt zu erledigen. Fahren Sie mit dem Zweirad beispielsweise durch die Schloss-Straße zwischen Wilderichstraße und Kaiserstraße, weil sie zur Post wollen. Dort wurde vor nicht langer Zeit die Fahrbahn
in ihrer Fahrtrichtung aufggeschnitten, die Decke abgetragen und wieder geschlossen. Es besteht nun an der Übergangsstelle eine Höhendifferenz in Fahrtrichtung verlaufend, von der eine erhebliche Gefahr für Zweiradfahrer ausgeht. Ganz gleich, wo man mit dem Rad durch die Kernstadt fährt, die Gefahrenstellen für Radfahrer sind kaum zählbar. Nachdem der letzte Oberbürgermeister kurz vor der Aufgabe seines Amtes stand, wurden flugs ein paar Retuschen durchgeführt. So wurden in den letzten Amts-Tagen die Bordsteine an der Einmündung der Haydnstraße in die Heidelberger Straße abgesenkt, damit stadtein- und -auswärtsfahrende Radler mit heilen Felgen davonkommen. Radfahrer werden kurzerhand durch entsprechende Beschilderung auf ohnehin zu schmale Gehwege umdirigiert, auf denen freundlicherweise Verkehrszeichen für Kraftfahrzeuge postiert sind und wo es zwangsläufig zu Konflikten mit Menschen kommt, die sich auf den eigenen Beinen fortbewegen. Gehwege, auf die unmittelbar Hauszufahrten münden, die im Streckenverlauf nicht einsehbar sind. Im Gegenzug lässt man es zu, dass auf den Fahrbahnen regelmäßig in grobem Maße die vorgegebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen weit (!!!) überschritten werden.
Von einer regelmäßigen Kontrolle des fließenden Verkehrs ist seit langem in dieser Stadt nichts mehr zu spüren.
Ihrem hypothetischen Einwand: "Wären wir und unsere Ver- und Absicherer bereit, hier mehr eigenes Risiko auch finanziell selbst zu tragen (wie z. B. bei bestimmten Sportarten), nähme die Entwicklung bei der Nutzung von Verkehrsflächen eine andere Richtung." widerspricht die Wirklichkeit eklatant. Wir, die wir freiwillig auf den Einsatz des PKWs im innerstädtischen Verkehr verzichten, riskieren schon immer in Bruchsal unsere Haut, es wird aber immer unerträglicher. Von Seiten der "behördlichen Bedenkenträger", Herr Ihle, ist da weit und breit nichts zu sehen, zu hören, zu lesen oder gar zu spüren.
Nichts verstanden...
Nein, liebe/r BR_Leser/in, nichts verstanden - aber auch gar nichts.
Informieren Sie sich mal darüber, WER in dieser Stadt welche verkehrspolitischen, planerischen, verkehrsrechtlichen, straßenbaulichen usw. Entscheidungen getroffen hat und trifft - dann wird Ihnen wohl klar, wie Sie hier danebenliegen.
Da müssen Sie dann zwar von einigen lange gepflegten Vorurteilen Abschied nehmen - aber: Nur Mut!
Wozu auch?
Nein, lieber Herr Ihle, nichts verstanden - aber auch gar nichts.
SIE, Herr Ihle, haben noch nicht geblickt, dass es hier nicht darum geht, das Tun oder Unterlassen irgendwelcher konkreter Amtsträger zu würdigen.
Hier geht es vielmehr um die nüchterne Darstellung der alltäglichen desolaten Verkehrsrealität in Bruchsal. Und diese ist die Folge jahrzehntelanger politischer Flickschusterei im Sonnenschein bequemer politischer Mehrheiten. Wäre es anders gewesen, gäbe es heute keinen Anlass zur Klage.
Sie können gerne den Gegenbeweis antreten und Beispiele dafür anführen, an welchen Stellen der Bruchsaler Kernstadt wesentliche Verbesserungen für den Gebrauch des Fahrrades als Verkehrsmittel vorgenommen worden sind. Ihren Ausführungen sehe ich mit großem Interesse entgegen.
Darf ich mich einmischen?
Darf ich mich einmischen? Frau Helga Langrock, bekanntlich SPD-Stadträtin und bekennende Radfahrerin, hat viel versucht, um in Bruchsal ein ordentliches Radwegenetz hinzukriegen. Sie wurde jedoch wohl sehr oft von den Bruchsaler Gemeinderatsmehrheiten ausgebremst, denen beispielsweise die Verschwendung unserer Steuergelder für die sog. Gestaltung (ich sage: Verunstaltung) des Friedrichsplatzes wichtiger war. Ich glaube, die beiden Kombattanten sind in ihren Ansichten so weit auseinander gar nicht.