Es ist alles so kompliziert geworden - oder wird es nur kompliziert?

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Manchmal möcht' ich an die Decke geh'n
Donnerstag, 11. August 2011 - 13:14

Die Politik erzählt uns, die Zusammenhänge seinen so komplex, der kleine Mann könne das nicht mehr verstehen. Aha! Dazu verwenden sie unverständliche Begriffe, so dass sich alles noch geheimnisvoller anhört. Warum eigentlich? Verbergen sie damit ihre eigene Unwissenheit?
Nehmen wir doch den Fall Atomkraft. Wir haben die sichersten Kernkraftwerke der Welt, sagen sie. Sie verlängern die Laufzeit. Und haben nicht gewußt, dass nur ein einziger Unfall ganz Deutschland unbewohnbar machen könnte? Und dann, nach dem in den (zweit?) sichersten Werken ein Gau passiert, machen wir einen Schwenk um 180°? Also, was haben sie vorher gewußt?
Nehmen wir den Fall Griechenland und die sogenannte Rettung. Es kann doch nicht sein, dass Zocker Geld drucken, indem sie horrende Zinsen verlangen und wenn's schief geht, zahlt die Allgemeinheit? Ja, ich weiß, davon verstehe ich nichts. Seltsamerweise gibt es genügend Wirtschaftswissenschaftler, die dieselbe Meinung vertereten wie ich - aber nicht die Meinung der Regierung.
Man könnte jetzt einwenden, aber die Regierung muß ihr Handeln verantworten und die Opposition nicht. Hä? Was passiert wenn's schief geht, ersetzt uns die Regierung den Schaden? Wenn Verantwortung nur darin besteht, dass man vielleicht das nächste Mal abgewählt wird - dann ist das ein Witz. Der eine trägt die Verantwortung und der andere die Last.
Wieso kann es eigentlich sein, dass die Mehrheit immer behauptet sie habe Recht? Warum kann man anderen Argumenten nicht zustimmen? Im Bundestag sitzen scheinbar auf der einen Seite die Intelligenten und auf der anderen Seite die Deppen, oder kommt es nur mir so vor?
Nehmen wir die sogenannten Fachleute: Über Sinn oder Unsinn des IFO-Index sollte man eigentlich kein Wort verlieren. Aber man muss es sich doch einmal bewußt machen. Da werden einige hundert Firmen befragt, wie sie ihre zukünftige Lage beurteilen. Also ein wenig Wahrsagerei. Die Ergebnisse werden dann im IFO-Institut in die große Kristallkugel geschüttet und daraus wird dann der Index abgelesen. Auf eine Stelle hinter dem Komma genau. Und in den Nachrichten erfahren wir dann, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung abschwächt, weil der IFO-Index um 0,2 Punkte gesunken ist. Das ist dann auch gleich ein Grund, den Wirtschaftsminister zu interwieven. Der labert dann ein paar unverständliche Worte und das Volk raunt "Ahhh".
Nehmen wir den Fall Afghanistan. Wen vertritt hier das Parlament mit seinen Entscheidungen? Representative Umfragen zeigen, das das dumme Wahlvolk anderer Meinung ist als das Parlament. Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt! Wer fällt auf so einen Unsinn denn noch herein? Glaubt denn wirklich jemand, dass man ein Volk in einem Jahrzehnt umerziehen kann? Selbst (manche) Angehörige des Islam, die schon viele Jahre in Deutschland leben, interpretieren in den Islam etwas hinein, was gar nicht im Koran steht. Und wir Christen haben auch sehr, sehr lange gebraucht, bis wir uns vom Alten Testament getrennt haben.
Nehmen wir die Medien. Ein einfaches Beispiel: Ein Unfall passiert. Alle stürzen sich darauf und berichten mehr als passiert ist, sie geilen sich an jedem neuen Satz auf, den irgendwer fallen lässt. In jedem Kanal, zu jeder Zeit wird ausgeschmückt und dazu erfunden. Bei einem Privatmann, der bei etwas zusieht, nennt man das Gaffer. Aber die Medien befriedigen doch nichts anderes als Gafferei. Wo der Gaffer selbst nicht hin kommt, da berichten genügend Leute davon.
Und weil wir gerade bei den Medien sind. Deutsche Sprache scheint nicht mehr zur Journalisten-Ausbildung zu gehören. Woher kämen sonst Ausrücke wie: "in keinster Weise"? Kein ist kein und nicht steigerungsfähig. "Stehende Ovationen" gibt es einfach nicht. Etwas "realisieren" heißt nur im Englischen "etwas begreifen", im Deutschen bedeutet es erschaffen, verwirklichen. Über die Verwendung des "Quantensprungs" kann man sich streiten, physikalisch ist das die Veränderung mit der kleinsten Energiemenge. Und die Aussprache! Von mir aus kann jeder in seinem Dialekt reden, aber einfache Worte sollte man nicht komplizieren. Als Beispiel sei hier das Wort "buchhalterisch" genannt. Die Betonung liegt gemäß Duden auf dem "u", aber so klingt es ja ganz banal und gar nicht gelehrt. Also betont man das "e" in "buchhalterisch" und schon klingt es so, als sei es eine Wissenschaft.
Ein Trost bleibt mir. Wir Wähler sind auf jeden Fall so blitzgescheit, dass wir immer die richtige Regierung wählen. Obwohl, für die letzte Wahl melde ich da Zweifel an.

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Kommentare

Und die Quintessenz?

Quintessenz bedeutet übrigens "fünfter Auszug" und bezeichnet den Kern einer Sache.

Was wollen uns diese Worte sagen?

Wollen wir ernsthaft über den Verfall der deutschen Sprache reden? Dann schauen sie mal in die "Reserveallee", ob da eine Allee für alle Fälle zur Verfügung steht. Oder nach Forst, wo es eine Straße nach Hambrück zu geben scheint, denn es gibt eine Hambrücker Straße, die eigentlich "Hambrückener Straße" heißen müsste.

Müssten nicht auch Staatsdiener statt Beamte "Beamtete" heißen, denn man hat sie mit einem Amt betraut?

btw: "repräsentativ" schreibt man mit "ä".

Oder wollen wir uns über die Qualität der Tagesmeldungen unterhalten? Der Journalismus wird immer liederlicher, da sich immer weniger Gazetten einen eigenen Stab von Journalisten leisten können.

Meldungen werden deshalb eingekauft, sind mehr oder weniger seriös recherchiert und haben je nach Zeitgeist oder politischer Windrichtung opportun zu sein, weshalb man sie schon mal sachdienlich "anpasst".

Aber all das ist doch nichts Neues!

[...Wir Wähler...

... sind auf jeden Fall so blitzgescheit, dass wir immer die richtige Regierung wählen...]
Treffender kann man keine Satire machen. Jedes Volk bekommt die Regierung, die es verdient. Wie war das doch gleich mit dem Schaf und dem Schlachter?

Manchmal möcht ich an die Decke gehn

Hallo, als regelmäßiger Brusl Besucher lese ich sehr gerne bruchsal.org. Zunächst mal vielen Dank für die vielen interessanten Inhalte.
Ganz speziell möchte ich mich für den Artikel "Manchmal möcht ich an die Decke gehn" bedanken - selten habe ich so etwas Treffendes gelesen, etwas, was mir so aus dem Herzen gesprochen hat!

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