Erinnern als Friedensmission um zukünftige Kriege zu verhindern
Bruchsal (pa.) Der Volkstrauertag wurde von den Nationalsozialisten als „Heldengedenktag" missbraucht. Heute ist er ein universeller Gedenktag, in dem „der Toten zweier Kriege an den Fronten und in der Heimat und der Opfer der Gewaltherrschaft aller Nationen gedacht wird", so Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick in der Aussegnungshalle des Bruchsaler Hauptfriedhofs, am 14. November 2010.
Das Stadtoberhaupt stellte dieses Jahr das Thema „Erinnerungskultur" ins Zentrum ihrer Ansprache, nachdem sie im vergangenen Jahr herausgearbeitet hatte, dass verschiedene Generationen unterschiedlich betroffen sind, wenn es um „Krieg und Gedenken" geht. In einer nachdenklichen Rede verwies das Stadtoberhaupt auf die Gemeinsamkeiten der zwei großen diesjährigen Bruchsaler Gedenkveranstaltungen - 65. Jahre Bruchsaler Bombardement und 70. Jahre Deportation der Bruchsaler Juden nach Gurs - und verknüpfte sie mit der feierlichen Eröffnung des Europaplatzes, am 8. Mai, wo sich insgesamt sechs Partnerstädte am Jahrestag des Kriegsendes zu einem friedlichen Fest versammelt hatten. Diese Beispiele verdeutlichen, dass „kulturelle Vielfalt ein wichtiges Transportmittel von Gedenken" ist. Damit sich die Geschichte Weltkriegsdeutschlands nicht wiederhole sei es wichtig, dass Gedenken und Erinnern auch in Zukunft stattfinde, dies gelte umso mehr, da immer weniger junge Erwachsene zum Wehrdienst eingezogen werden. Mit Blick auf die schwache Teilnahme der „jungen Generation" am Volkstrauertag, „die in Frieden aufgewachsen ist, aber zukünftig in Auslandseinsätzen der Bundeswehr unser Land repräsentieren wird" regt das Stadtoberhaupt an, „neue Formen des Gedenkens" zu finden, die alle Generationen in die „Friedensmission" einbindet. Um ein erstes Zeichen der Verjüngung des Volkstrauertags zu setzen, hat das Stadtoberhaupt das Totengedenken Jonas Ganter übertragen. Mit sehr einfühlsamen Worten schloss der Jugendgemeinderat die verschleppten badischen Juden, die in Gurs ihr Leben verloren haben, in sein Gedenken mit ein, weil das nationalsozialistische Regime sogar eine würdevolle Trauerarbeit verwehrte.
In der Gedächtnisansprache thematisierte auch Pfarrerin Andrea Knauber die unmenschliche Seite des Krieges und machte sich auf die „Suche nach dem Sinnhaften inmitten großer Sinnlosigkeit". Damit Versöhnung gelingen kann, sind zwei christliche Werte von zentraler Bedeutung. Nur wenn Schuld eingestanden und die Taten vergeben würden, sei Versöhnung möglich. Mit einer bewegenden Feststellung schloss Pfarrerin Knauber ihre Ansprache: „Friede ist die Anwesenheit von Gott und nicht die Abwesenheit von Krieg."
Die Aussegnungshalle auf dem Hauptfriedhof war bis auf den letzten Platz besetzt. Musikalisch umrahmt wurde der Volkstrauertag von der Stadtkapelle und dem Polizeichor Bruchsal. Die Ehrenabordnung der Bundeswehr machte in diesem Jahr auch vor dem Ehrendenkmal des 1. Weltkriegs halt, bevor Oberbürgermeisterin Petzold-Schick und Standortältester Oberst Fred Hilpert am Denkmal des 2. Weltkriegs Kränze für die Verstorbenen niederlegten.
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