Eine Mühle am Saalbach
Überall, wo Wasser fließt, findet man Mühlen. So auch im Saalbachtal. Ich beschränke mich nachfolgend auf eine einzige, nämlich auf die ehemalige Ölmühle von Büren , ca 500 m von der Schwabenbrücke entfernt Richtung Heidelsheim. Dies deshalb, weil sie idyllisch im Talgrund liegt und weil ihre Wasserbauwerke noch in altem Zustand sind. Der neue Radweg führt direkt daran vorbei.
Zwischen Heidelsheim und Bruchsal gab es einst fünf Mühlen: Zwei in Heidelsheim, wovon die Wachtersmühle noch heute in Betrieb ist.
Hinter dem Bahnhof in Heidelsheim befand sich ebenfalls eine alte Mühle, welche im Zuge der Erschließung eines Neubaugebietes Ende der 90er Jahre abgerissen wurde.
Das riesige, ca. 5 m hohe Mühlrad wurde auf Initiative der Freien Wähler Heidelsheim abgebaut und sollte restauriert werden, um dann in besagtem Neubaugebiet als Denkmal wieder aufgestellt zu werden. Mehrere Jahre sah ich dieses Mühlrad halb fertig in Heidelsheim noch herumstehen, dann war es plötzlich verschwunden. Vielleicht steht es jetzt in irgendeinem Garten oder es wurde verscherbelt oder verschrottet - schade.
Beim Klärwerk steht noch ein altes Mühlengebäude, die "Talmühle". Diese Mühle befindet sich in Privatbesitz und dient heute als Wochenendhaus.
Als nächstes folgt die Büren'sche Ölmühle. Bis zum Jahre 1914 befand sich an der Großen Brücke in Bruchsal ebenfalls eine Mühle, die aber in dem genannten Jahr abgebrannt ist. Anfangs des 20. Jahrhunderts stellten alle Mühlen auf Elektrizität um. Anstatt die Mühlsteine direkt anzutreiben, trieben die Mühlräder einen Generator an, der Strom erzeugte. Mit diesem Strom wurde am Beispiel der Ölmühle von Büren eine Presse betrieben und das Öl kalt gepresst. Der Trester kam zwischen die Mühlsteine, die ebenfalls elektrisch betrieben wurden. So wurde der letzte Rest Öl herausgeholt. Diese alten Geräte sollen sich alle noch vor Ort in der Mühle befinden. Auskunft bekommt man keine. Sie wären aber auf jeden Fall erhaltenswert. Betrachtet man nur die Stromgewinnung, so muß man noch zwei Betriebe am Saalbach erwähnen, die Tabakfabrik Steiner und den Schlachthof Bruchsal, die ihren benötigten Strom selbst erzeugten. Noch etwas zur Funktionsweise einer solchen Mühle: Eine Mühle mußte "ein- und ausgeschaltet" werden können. Das erreichte man mit der Regulierung des "Mühlbachs", eines Stichkanals, der vom Bach abgeleitet und zur Mühle gelenkt wurde. War die Mühle nicht in Betrieb, so wurde am Saalbach einfach das Wehr geöffnet, und der Saalbach floß geradeaus weiter, ein Teil des Wassers floss durch den Kanal unter der Mühle hindurch ab, ohne das Mühlrad anzutreiben und vereinigte sich hinter der Mühle wieder mit dem Saalbach. Sollte die Mühle in Betrieb genommen werden, so wurde einfach das Wehr am Saalbach geschlossen, der Bach vor dem Wehr gestaut (bis zu 3m), das Wasser im "Mühlbach" stieg bis zur Kante des Überlaufs und konnte so durch den Rechen zum Mühlrad fließen und dieses antreiben. Das überschüssige Wasser lief über den Überlauf ab und bildete den um ein paar Meter verschobenen "richtigen" Saalbach. Sollte die Mühle wieder "ausgeschaltet" werden, wurde einfach das Wehr geöffnet.
Machen wir uns nun auf den Weg zur Büren'schen Mühle den Saalbach hinauf Richtung Heidelsheim. Vorbei an manchen idyllischen Fleckchen nähern wir uns der Mühle.
Bevor man der Mühle ansichtig wird, hört man es schon rauschen, wie es sich für eine Mühle gehört.
Um die Wasserbauwerke genauer zu sehen, steigen wir nun hinunter zum Bach:
Was Sie links im Bild sehen, ist der Überlauf. Brauchte man einst mehr Wasser, so wurde das Wehr, das man unter der Brücke sieht, geschlossen, das Wasser floß zum eigentlichen "Mühlbach", auf den wir nachher noch einen Blick werfen, und das überschüssige Wasser floß über den Überlauf ab.
Dieses ist die Mechanik des Wehrs auf der Brücke.
Und dieses Ansicht zeigt die Konstruktion des gesamten Überlaufes.
Der Mühlbach spaltet sich vor der Brücke vom Saalbach ab und fließt unter das Gebäude.
Das ist der Mühlbach, links der erwähnte Überlauf, über den zuviel Wasser in den Saalbach abfließen konnte.
Rechts unten, da wo jetzt Gras wächst, das ist der Abfluß des Überlaufs in den Saalbach.
Nochmals der Überlauf von unten.
Rechts geht der Mühlbach ab, links geht's zum Wehr.
Wenn das Wehr geschlossen wurde, staute sich das Wasser bis zur Kante des Überlaufs und floß so durch den Rechen auf das Mühlrad. Der Rechen fing Unrat und Geäst auf.
Hier tritt der "Mühlbach" an der Rückseite des Gebäudes wieder aus.
Weiter unten vereinigen sich Saalbach und Mühlbach wieder und fließen gemeinsam durch idyllische Auen gen Bruchsal.
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Kommentare
Mehlmühle Büren
Oberhalb der Ölmühle Büren gab es doch auch bis vor einigen Jahrzehnten noch eine Mehlmühle Büren, meine ich.
Das Gebäude wurde in den 1970ern (?) abgerissen.
Wer weiß dazu mehr?
Ergänzung zur Ölmühle der Familie von Büren
Die ganzen Innereien der Ölmühle sind längst ausgebaut und verkauft. Wären sie noch vorhanden, Bruchsal hätte einen musealen Anziehungspunkt sondergleichen. Ich habe als Kind die Mühle noch in Betrieb erlebt und ihren stark ranzigen Ölgeruch noch heute, nach gut sechzig Jahren in der Nase. Überall sich rastlos drehende Räder, angetrieben von breiten, schnurrenden Lederriemen durch in elektrische Energie umgewandelte Wasserkraft. Dort ließen wir Öl schlagen. In Kriegszeiten aus Bucheckern, die wir im Eichelbergwald sammelten („Bucheleslesen“). Später aus „Maxoome“, vielleicht besser „Magsoome“, wie der Mohn in der Obervorstadt hieß. Ackerweise wurde nach dem Krieg um Bruchsal blasslila blühender Mohn angebaut, nicht für Opium, sondern für Speiseöl. Die grünen Köpfe waren uninteressant, und ihre Milch schmeckte bitter. Aus den trockenen Kapseln wurde die Ölsaat per Hand herausgeklopft und geschüttelt. Ein mühseliges Geschäft, bei dem alle mithalfen. In einem Leinensäckchen, ersatzweise einem Kopfkissenüberzug, trug man die schwarze Mohnsaat „zum Büren“. Nach dem Zerquetschen wurde die Ölsaat in der elektrisch betriebenen Presse ausgepresst. Außer Öl blieben auch zwei, drei Zentimeter dicke schwarzfettige Ölkuchen, kuchenblechgroße, kreisrunde Platten mit Mittelloch übrig, die man als nahrhaftes Schweinefutter wieder mit nach Hause nahm.
Bös mitgespielt hat das Wasserwirtschaftsamt dem Anwesen Büren. Der Saalbachstau wurde verboten, der Überlauf trockengelegt. Das wassergesättigte, aufgequollene Erdreich trocknete aus, die Mauern bekamen Setzrisse. Kein Wunder wenn die Besitzer verbittert keine Auskünfte mehr erteilen.
Stefan Schuhmacher
Ergänzung zur Mehlmühle der Familie von Büren
Gänzlich verschwunden ist die Mehlmühle der Familie von Büren, unweit oberhalb der Ölmühle am Bachlauf. Nur der steile Zufahrtsweg, kurz vor der Eisenbahnbrücke ist letztes Relikt aus vergangenen Zeiten. Dort ließ schon der Großvater Stefan Karolus das selbsterzeugte Getreide, Weizen oder Gerste, mahlen. Unser Bauer im Taglohn war übrigens der „Wolfe-Franz“ aus der Hans-Thoma-Straße. (Ja, ja, Herr Dr. Jochen Wolf.)
In der Mühle war es immer staubig. Mehlstaub lag auf allem. Noch erinnere ich mich gut des letzten Müllerburschen. Ein baumlanger Blonder, ein netter Kerl, der die Maltersäcke scheinbar mühelos schulterte.
Meine Mutter erzählte oft von schlimmen Hungerjahren , als der Müller sie in Kriegszeiten ohne Lebensmittelmarken zu verlangen „Bodenmehl“ zusammenfegen ließ, damit sie ihren zwei Buben Backwaren herstellen konnte.
Die Mühle wurde nach demTode des Müllers aufgegeben und alsbald abgerissen. Die Müllersfrau wohnte noch einige Jahre am Uferweg (am Saalbach) und hatte im Wohnzimmer ein naives Ölgemälde von der alten Situation hängen.
Auch darüber gab es einen Zeitungsbericht vom Autor dieser Zeilen im Zuge einer Serie über Bruchsaler Mühlen. Vielleicht hegt ihn der Stadtarchivar noch.
Ergänzung zur Mühle der Müller in Heidelsheim
Das Foto zeigt noch das große Mühlrad, das von der Heidelsheimer Bürgerwehr instand gesetzt werden sollte oder auch wurde. Näheres ist mir unbekannt. Bestimmt aber hießen die letzten Besitzer hießen Müller. Die Tochter war am Lehrerberuf interessiert, also eher am Malen als am Mahlen.
Stefan Schuhmacher
Ölmühle...
Hallo Herr Schuhmacher,
aus vertraulicher Quelle habe ich erfahren, daß die Gerätschaften in der Ölmühle von Büren doch nicht abgebaut und verkauft sind, deshalb vor allen Dingen wohl die abweisende Haltung der Eigentümer. Das große Mühlrad der "Müller"-Mühle in Heidelsheim sollte von den Freien Wählern (und der Bürgerwehr?) restauriert werden. Ich sah das Rad einige Jahre lang halb restauriert auf dem Betriebsgelände des damaligen Vorsitzenden der Freien Wähler Heidelsheim rumstehen, bis es eines Tages nicht mehr da war.