Ein Original aus Bruchsal: "s Adölfle" oder "de Zeppelin"

DruckversionPer e-Mail versenden
Samstag, 9. Januar 2010 - 20:29

An einem lauen Mittwoch im April 1909, am 21. des Monats, wurde Adolf Wilhelm Böser in Bruchsal in der Kaiserstraße 56 geboren. Vielleicht kam Adolf sogar an einem Markttag zur Welt. Im Jahre 1909 befand sich in der Kaiserstraße 56 das Gasthaus zur Blume. Diese Hausnummer gibt es nicht mehr. Auf dem Grundstück Kaiserstraße 56 befindet sich heute ein Teil des Bruchsaler Rathauses. Die Eltern von Adolf waren der Eisenbahnarbeiter Peter Böser und dessen Frau Brigitta. Von Geschwistern wird nur von einer Schwester namens Anni berichtet. Über weitere Schwestern oder Brüder gibt es keine Informationen.

Gasthaus Blume

Gasthaus Blume in den 40er Jahren

Unter den Spitznamen „s Adölfle“, oder „de Zeppelin“ („Tsschebbelin“, wie Adolf Böser selbst sagte) lebt er bis heute in der Erinnerung der Bruchsaler weiter.

Vermutet wird, dass es sich bei Adolf um einen NS-Behinderten-Kastraten handelte. Mit Beginn des Jahres 1934 wurde von den Nationalsozialisten das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses vom 14. Juli 1933" in Kraft gesetzt. Dieses Gesetz sah die Möglichkeit der Zwangssterilisation vor. Die Kriterien für sogenannte Erbkrankheiten ließen viel Spielraum für willkürliche Auslegungen. Die wohl diagnostizierte geistige Behinderung von Adolf Böser dürfte bei der Entscheidung des Erbgesundheitsgerichtes für die wahrscheinlich angeordnete Zwangskastration Ausschlag gebend gewesen sein.

Zusammen mit seiner Schwester Anni wurde Adolf Böser im Jahre 1935 im Alter von 26 Jahren in das damalige städtische Versorgungsheim in der Huttenstraße verbracht. Heute befindet sich dort das Altenzentrum.

Der „Zeppelin“ war bereits vor dem 2. Weltkrieg eine stadtbekannte Figur, die immer auf Achse war. Und Adolf war bereits damals auf dem Wochenmarkt zu finden. Zu dieser Zeit fand der Wochenmarkt noch auf der Kaiserstraße bei der Stadtkirche statt. Ein wunderlicher Kauz, der Anlass zu Geschichten und Anekdoten bot.

Aus der Zeit des 2. Weltkrieges weiß Claudia Weber vom Adölfle die folgende Geschichte zu erzählen:

„Während des Krieges saß mein Vater beim Friseur Gehring, heute etwa Schuhmacher Zimmermann gegenüber der Stadtkirche, als „Zeppelin“ den Laden betrat. Frau Gehring hatte ein Kind bekommen und suchte per Inserat eine Amme. Die Tür des Friseurs ging auf, Zeppelin erschien und sagte, er habe gelesen: „Amme gesucht“ und er wolle sich melden (er wusste wohl nicht, was eine Amme ist). Der ganze, gut besetzte Laden, brach in helles Gelächter aus. Ein völlig verwirrter Zeppelin verließ den Laden, nachdem man ihm erklärt hatte, dass er für den Beruf einer Amme völlig ungeeignet sei.“

Die nächste Spur von Adolf Böser findet sich für den 1. März 1945. So soll er den verheerenden Bombenangriff der amerikanischen Luftwaffe auf die Stadt Bruchsal in der Nähe der Stadtkirche unbeschadet überstanden haben.

Versorgungsheim

Versorgungsheim, ca. 20er Jahre

Bei diesem Fliegerangriff wurde nahezu die gesamte Innenstadt in Trümmer gelegt, darunter das Geburtshaus von Adolf.

Auch nach Ende des Krieges war Adolf Böser unentwegt im Stadtzentrum unterwegs. Sommers wie Winters. Bei Regen, Schnee und Eis. Raus aus dem städtischen Versorgungsheim ging er durch die Huttenstraße (früher bekannt als die Kaffeegass‘) ins Sträßchen Am alten Schloss (Kaffeebückele) runter hin zum Wochenmarkt, der nach dem 2. Weltkrieg auf der großen Brache hinter der Stadtkirche, die das Ergebnis des Luftangriffes vom 1. März 1945 war, angesiedelt wurde. Den gleichen Weg ging er nach dem Marktgeschehen wieder zurück. Oft war er auf dem neuen Marktplatz zu finden. Auch dann, wenn in Bruchsal nicht Markttag war, also nicht Mittwoch oder Samstag, stand er auf dem Platz hinter der Stadtkirche. Beim Klohäusle, in der Nähe vom Wasserbecken an der Rückseite der dortigen Toilettenanlage.

Adölfle

s Adölfle (c) Sonja Zeh

Obwohl Adolf nicht groß gewachsen war, war er eine auffallende Person. Adolf Böser ging am Stock, stark knappend (hinkend), den Oberkörper nach vorne gebeugt, von links nach rechts schwingend, in aller Regel in einer weiten grauen Schlabberhose, fast immer mit einer grauen, offen getragenen Jacke, meist kurios zu groß und schlotterig, einem hellen oder farbig gemusterten Hemd, manchmal ohne Socken, in etwas zu groß geratenen Schuhen. Sein eierförmiger Kopf leuchtete weithin, so er nicht sein Käppchen, eine Art Feldmütze, trug. Liefen ihm Kinder über den Weg drohte er denen mit seiner hohen Fistelstimme Prügel mit seinem Stock an, so er sie erwischen würde. Die Kinder hatten Respekt vor ihm. Er wird aber dennoch als ein freundlicher Mann mit Lachfalten um die Augen geschildert.

An den Bruchsaler Markttagen hatte er häufig sein „Leiderwäggele“ dabei. Mit liebevollem Spott wurde er von den Wochenmarktbeschickern und –besuchern als „Markplatz-Chef“ tituliert. Zusammen mit Klaus Pfoh, der vielleicht auch ein Bewohner des städtischen Versorgungsheimes war, räumte er, soweit es in seiner Kraft stand, nach dem Marktgeschehen den Marktplatz auf und sammelte die auf dem Boden liegenden Reste vom Obst und Gemüse auf. Und wehe den Kindern, die ihm mit ihren Tretrollern oder Fahrrädern bei dieser Tätigkeit zu nahe kommen sollten – die Kinder machten sich gerne einen Spaß daraus zu erproben, wie weit sie an ihn ran kommen konnten - da blieb es dann nicht beim Androhen von Prügel; der eine oder andere Übermütige durfte den Gehstock vom Adölfle auf seinem Rücken spüren.

Wochenmarkt

Wochenmarkt 1969

So wie noch heute war auch damals der Wochenmarkt ein beliebter Treffpunkt der Bruchsaler. Umschlagplatz von Neuigkeiten und Gerüchten – einstmals wie heutzutage. Nicht selten trafen der frühere Bruchsaler Oberbürgermeister Prof. Franz Bläsi, der einen Klumpfuß hatte, und der Zeppelin auf dem Wochenmarkt aufeinander. Und jedes Mal sagte Adolf zum Oberbürgermeister, voll echtem Mitleid: „Mit daim Fiessl werds a nemme besser!“.

Nach getaner Arbeit knappte Adolf wieder zurück zum städtischen Versorgungsheim. Bisweilen traf er auf dem Weg zurück noch einen seiner Freunde, den „Bodenspucker“. Ein Bruchsaler Original, das alle paar Meter stehen blieb - und auf den Boden spuckte. Dann setzten sich die beiden in der Huttenstraße auf das Mäuerchen neben den Wachthäuschen zwischen den Hausnummern 20 a und 20 b und philosophierten. Und wenn’s der liebe Gott ganz gut mit Adolf meinte, ist noch der „Professor“ dazu gestoßen und hat mitgeschwätzt. Der "Professor" war ein Rechengenie. Eine Aufgabe wie zum Beispiel 2344 mal 3560 hat er in Sekunden gelöst. Die Kinder stellten ihm oft ganz schwere Aufgaben, nahmen das vom "Professor" errechnete Ergebnis mit nach Hause und rechneten nach. Der "Professor" soll sich nie verrechnet haben.

Adolf Böser hat noch den Neubau des Altenzentrums miterlebt. Kurz vor der Einweihung des Gebäudes im Jahre 1977 ging er, so wird erzählt, vor dem Bau in Position, die linke Hand auf seinen Stock gestützt, mit der rechten gestikulierend, und kommentierte in seiner unnachahmlichen Art: „Des hat awwer a e paar dausend Mark gekoscht!“

s Adölfle - Seilersbahn

S Adölfle 1979 (c) Matthias Holoch

Am 23. Januar 1996 ist Adolf Böser im Bruchsaler Altenzentrum verstorben. Er erreichte ein gesegnetes Alter von fast 87 Jahren. Das letzte mir vorliegende Dokument ist eine Polaroid-Aufnahme, die anlässlich seines siebzigsten Geburtstages am 21. April 1979 aufgenommen wurde. Geknipst wurde das Bild in der Seilersbahn und zeigt einen mit Luftschlangen dekorierten Adolf, der in seiner bekannt kniezen Art in die Kamera guckt. Noch bis in die neunziger Jahre hing im Hof des Malergeschäftes Holoch in der Seilersbahn eine große Leinwand mit dem Konterfei vom Adölfle. Die Maler der Firma Holoch gestalteten das Motiv für einen Prunkwagen des Bruchsaler Fastnachtsumzug. Leider ging die Leinwand bei einer Renovierungsmaßnahme verloren.

Interessanterweise waren all die vorgenannten Personen – s Adölfle bzw. der Zeppelin, der Bodenspucker, der Professor, der Pfoh - nie Gegenstand öffentlichen, extensiven oder kindlichen Spotts oder Häme. Sie waren anders, ja, komisch und merkwürdig. Aber sie waren auch Teil des öffentlichen Lebens, das viel mehr auf den Straßen, Wegen und Plätzen Bruchsals statt fand als dies heute der Fall ist.

Als immer präsente Person von der Zeit der Nazi-Diktatur bis in die frühen achtziger Jahre ist Adolf Böser noch heute in der Erinnerung vieler Bruchsaler. Unser Protagonist hat ganz sicher nicht Geschichte geschrieben; er ist aber mit Sicherheit Teil der Geschichte Bruchsals und steht für einen Abschnitt unserer Vergangenheit.

Wie würde Adolf die SEPA-Baustelle kommentieren, wenn er noch leben würde? Er würde sich vor den Rohbau stellen, linke Hand auf dem Gehstock und mit der rechten Hand auf die Baustelle zeigend. Dann würde er mit seiner mädchenhaften Fistelstimme sagen: „Was macht’n die Sstadt do widder fer’n Sscheißdreck!“


An dieser Stelle möchte ich ganz herzlich den Kommentatoren bei bruchsal.org danken, ohne deren Erinnerungen dieser Beitrag nicht möglich gewesen wäre: Carusino, Rainer Kaufmann, Babette, Michael Vettermann, Goldäpfele, Waldemar Zimmermann, Claudia Weber, Eduard Holoch und Sonja Zeh.

Mein Dank gilt auch Matthias Holoch, der ein Foto zur Verfügung stellte sowie Frau Sonja Zeh, die mir die Genehmigung gab, das Bild vom Adölfle aus ihrem Buch „Ort der Barmherzigkeit. Vom Kapuzinerkloster zum christlich-diakonischen Altenzentrum. ISBN 3897354853“ zu verwenden.

Ich hoffe, dass sich nicht allzuviele Fehler in den Bericht eingeschlichen haben. Über Berichtigungen aber auch Ergänzungen würde ich mich freuen.

Kommentare

de Pfoh

meines Wissens wohnte de Pfoh nicht im Versorgungsheim sondern mit seinen Geschwistern und seiner Mutter in der Durlacher Straße über der alten Agip-Tankstelle.

Ein alte Geschichte die eine zeitlang in Bruchsal kursierte besagt das "de Pfoh" mal in der Drogerie Decker ausgeholfen haben soll und de Tschebbelin den Laden betrat. Der Oskar Decker fragten den Tschebbelin was er denn wolle und der antwortete: "Herr Decker i hätt gern ä Dschäb", da natürlich Oskar das nicht verstand und sich erinnerte das de Pfoh eine ähnlich Aussprache hatte, holte der diesen als "Übersetzer". Daraus entstand dann folgender Dialog:

Pfoh: Ei Tschebbin was willschen?

Tschebbelin: Ei Pfoh, i häd gern ä Dschäb

Pfoh: ä Dschäb?

Tschebblein: jo

Pfoh: ä grosche Dschäb odder ä kloine?

Tschebbelin: ä kloine langt

de Pfoh hat dann dem Tschebbelin das gewünschte gebracht, die 2 Mark abkassiert und sie dem Oskar Decker gegeben.

Dieser fragte den Pfoh was der Tschebbelin eigentlich wollte.

Folgende Erklärung vom Pfoh: Ha Herr Decker desch war doch gansch oifach de Tschebbelin wolld doch blosch ä Dschäb......

Adelfle

Das Adelfle ist einige Jahre lang zum Geburtstag meiner Mutter aufgetaucht und hat einen Blumentopf überreicht, den er sich in der Stadtgärtnerei erarbeitet hatte.
Der gelungene Bericht von Rolf hat mich veranlasst, nach Adelfle und seiner Familie zu forschen. Hier das Ergebnis: Seine Eltern sind beide in Forst geboren. Der Vater Peter Böser am 09.05.1870 (Ortssippenbuch Forst 404), die Mutter Brigitta Schrag am 07.11.1871 (OSB Forst 2509). Geheiratet haben die Beiden am 24.10.1899 in Forst (OSB Forst 437).
In Bruchsal sind 3 Kinder bekannt:
1. Joseph * 11.01.1903 Pfarrei ULF, bisher habe ich kein Sterbedatum gefunden
2. Anna Barbara * 08.04.1906 Pfarrei ULF
3. Adolf Wilhelm * 21.04.1909

Übers Pfohle - sprich Klaus Pfoh, werd ich mich auch noch kundig machen.

s`Pfohle

Klaus Leo Pfoh wurde am 13.04.1952 in der Pfarrei St.Paul geboren und starb am 23.11.1988.
Seine Eltern waren Leo Pfoh, Automechaniker und Theresia Knaus von Kronau.
Vermutlich haben die Eltern in Kronau geheiratet.
Leo Pfoh wurde am 11.10.1909 in der Hofpfarrei geboren und starb am 10.12.1959 in der Pfarrei St.Paul. Die Familie wohnte zu dem Zeitpunkt in der Durlacher St. 51.
Die Pfoh stammen aus Steinsfurt/Elsenz.
Klaus Leo Pfoh hatte noch eine Schwester, Ursula Paula Pfoh, geboren am 23.09.1942 in der Pfarrei St.Paul.
Meiner Erinnerung nach war auch sie etwas geistig behindert, auf jeden Fall war sie sehr energisch, wenn sie das Gefühl hatte, daß irgendjemand was von ihrem Bruder wollte, den sie oft an der Hand hinter sich her durch die Straßen zog. Was aus ihr geworden ist, weiß ich bisher nicht.

Zeppelin und Klaus Pfoh

Wenn man diese Geschichte vom Zeppelin und Klaus Pfoh so liesst, verstärkt sich meine Meinung, dass der neu geschaffene Platz am ehemaligen Klohäuschen doch etwas mit den beiden zu tun haben sollte. Wie auch immer. Wenn andere, in Form der Ehrenbürgerwürde noch zu Lebzeiten sich ein Denkmahl zu setzen versuchen, sollte man diesen Menschen, die es bestimmt in unserer Gesellschaft nicht einfach hatten, in dieser Art und Weise ein Denkmahl setzen. Ich bin wieder und immer noch dafür dass dieser Platz "Zeppelinplatz" heißen sollte.

http://www.bruchsal.org/story/platz-vor-sepa-name-gesucht

Namensgebung

http://www.bruchsal.org/story/platz-vor-sepa-name-gesucht

Wie ich in o.g. Artikel schon geschrieben habe wäre mein Vorschlag (nicht Personenbezogen) schlicht und einfach

"Am Klohäusle"

Ursula Pfoh

Ursula Pfoh lebt noch in Bruchsal, deshalb kann ich nur eines sagen: Sie bietet einen traurigen Anblick, schwer vom Schicksal gezeichnet.

Die Bruchsaler sind schon ein komisches Völkchen

Da hätten die Bruchsaler die Chance, etwas Einmaliges zu kreieren - einen Platz zu benennen nach einem Bruchsaler, dem sicher Zeit seines Lebens das Glück nicht hold war. Der aber Bruchsal und seine leidvolle Geschichte vielleicht dokumentiert wie kein Zweiter: Nämlich Adolf Böser, dessen Lebensgeschichte so untrennbar mit Bruchsal verknüpft ist wie die nur weniger.

Jetzt werden Allerweltsnamen für den Platz der Toilettenanlage diskutiert wie Marienplatz (meine Güte, es gibt in Deutschland Hunderte Marienplätze) oder nach einem Pfarrer (der sicher auch seine Verdienste haben könnte). Aber Maria, die Mutter Gottes, als Namensgeber für ein Stückchen Erde, das mit den Fäkalien von Generationen getränkt ist (ich übertreibe, ich weiß)?

Die Stadt Mannheim macht es uns vor. Dort wurde eine ähnlich markante Person, auch ein Underdog, ein Behinderter, mit einer Skulptur gewürdigt: Der Blumenpeter. Nicht nur ein Begriff in Mannheim. Auch darüber hinaus. Eine liebevolle Würdigung einer positiv wahrgenommenen Gestalt, die noch heute im Gedächtnis der Mannheimer ist. Ich schlage denen vor, die sich nicht vorstellen können, einen "solchen" Menschen zu würdigen, nach Mannheim zu fahren zum Blumenpeterdenkmal; noch heute werden regelmäßig dem Blumenpeter frische Blumen in die bronzene Hand gedrückt; der Blumenpeter starb 1940!

Für die, die sich kundig machen wollen, was möglich ist:

http://www.socialnet.de/rezensionen/5095.php

http://www.bloomaul-mannheim.de/0497579a390d8c92d/index.html

http://www.kurfas-net.de/blumepeter/mannheim_und_der_blumepeter.htm

Liebe Bruchsaler, bringt das Adelfle wieder dort hin, wo er tagein, tagaus sich aufhielt. Zu seinem geliebten Platz bei der WC-Anlage. Benennt diesen Platz nach einem von euch, nach dem Adelfle. Scheut nicht die Ausgaben für ein Denkmal fürs Adelfle. Und überlegt euch, ob ihr nicht die Toilettenanlage sanieren und stehen lassen wollt. Mit dem Brünnele, an dem sich das Adelfle so gern aufhielt.

P.S.: Vielleicht noch ein Tipp für das Bruchsaler Stadtmarketing. Wie wollen Sie einen Marienplatz oder einen Pfarrer-XY-Platz vermarkten? Ist doch 08/15. Der Blumenpeter wird angesehen als "Synonym für Mannheimer Art und Lebensfreude". Das Adelfle mit den vielen Anekdoten, die ihm zugeschrieben werden, repräsentiert vielleicht auch ein wenig von der Heiterkeit und Vitalität der Bruchsaler.

BRUSLER ORIGINALE

Beim Lesen dieses wunderschönen Artikels sind ganz viele tief verschütt gegangene Erinnerungen in mir aufgestiegen.

Ich habe alle diese Originale damals (in den 80er Jahren) in meiner Jugendzeit live erleben dürfen und mir ist eine weitere Person genau dieser Zeit eingefallen, die noch dem einen oder anderen ein Begriff sein sollte.

Leider weiß ich nur noch den Nachnamen, bzw. erahne nur noch dunkel den weiteren Namen, unter dem sie bekannt war: die Rede ist von Frau Winkler, bzw. der "Blumenfrau" (o.ä.?), die man auch immer auf dem Wochenmarkt antreffen konnte, über den sie mit ihrem zweirädrigen Handwägelchen zog und allerlei faules Gemüse, welke Blumen etc. einsammelte. Rein äußerlich hätte man sie für eine obdachlose alte Frau halten können: bucklig, mürrisch, nicht gerade gut riechend und seltsam gewandet. Jedoch erinnere ich mich schwach, dass mir meine Mutter einmal erzählte, dass sie keineswegs obdachlos wäre, sondern gar aus gutem Hause stammen würde (und möglicherweise sogar eine Immobilie besessen haben müsste - ich kann mich da aber auch täuschen, es ist so lange her...). Möglicherweise war sie auch in einem Heim untergebracht, denn sie war ebenfalls leicht geistig behindert.

Weiß jemand, von wem ich hier spreche oder weiß sogar mehr über sie? Frau Winkler gehört in meiner Erinnerung auf jeden Fall untrennbar mit den beiden Personen Pfoh und Tschebbelin zusammen.

Ich bin gespannt, ob sich noch jemand erinnert... :)

Zum Thema hier ein Zitat aus

Zum Thema hier ein Zitat aus Anton Heuchemer: "Zeit der Drangsal - die kath. Pfarreien Bruchsals im 3. Reich", Seite 91 ff: Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuches

"Auch in Bruchsal sind unter diesem Gesetz unschuldige Menschen sterilisiert worden."

Da es sich bei Adolf Böser ganz offensichtlich um einen solch unschuldigen Menschen handelte, von denen Heuchemer schreibt, ergäbe sich folgende Chance für Bruchsal:

Der Platz könnte als "Alter Marktplatz" benannt werden oder "Kleiner Marktplatz". Mit einer Skultur könnte an Adolf Böser erinnert werden, das Original, das hier nach dem Krieg einfach zum Wochenmarkt und Platz gehörte. An Adolf Böser, den Mann, dem Umrecht geschah in einer der schlimmsten Perioden deutscher Geschichte. Und man könnte damit auch erinnern an den 1. März, den Adolf Böser mitten im Bombenhagel - wundersam - überlebte.

Ein Original, das für einen Teil der jüngeren deutschen Geschichte steht, als Opfer.

Nur Mut, Bruchsal!

Eine wirklich tolle Geschichte

Danke für diese tolle Geschichte! Als Zugezogener kannte ich diese Lichtgestalten Bruchsals bislang nicht und auch ich finde, dass man die Namenswahl des Platzes beim SEPA-Center nicht einfach dem Zufall überlassen sollte. Ob man den Platz nun unbedingt nach'm Zeppelin benennen sollte, weiß ich nicht - auf jeden Fall bin ich gegen eine Namenswahl einer x-beliebigen Person, mit der die meisten Brusler vielleicht gar nichts anfangen können.

Eine Skulptur für'n Zeppelin, wie vorgeschlagen, wär vielleicht schon eher was, je nachdem wie bekannt er denn nun tatsächlich war. Vielleicht auch gleichzeitig als Mahnmal für das an ihm begangene NS-Verbrechen der Zwangssterilisation und vielleicht auch als kleiner Kontrast zum perfekten "Konsumpalast" *hust* der gerade errichtet wird...

Frau Winkler hieß Gerda und

Frau Winkler hieß Gerda und bei uns war sie die Eeiierfraa von Menzingen(wahrscheinlich hat sie früher Eier verkauft).  Sie kam immer regelmäßig zum städt. Sozialamt, indem ich von 1977 bis 1989 arbeitete. Deshalb denke ich nicht, dass sie vermögend war...Sie kam ins Büro, setzte sich mit ihrer ganzen Fülle auf den Stuhl und erzählte immer die gleichen Geschichten. Später lebte sie im Altenzentrum in der geschlossenen Abteilung. Vielleicht kann ich noch mehr über sie herausfinden.

Noch was vum Pfoh

Als Internatsschüler des Paulusheims habe ich in den späten 60er und frühen 70er Jahren den Pfoh kennengelernt.

Er war der Intimfeind unseres Musikpaters Gerhard Lauck, da er eine Vorliebe für Orgeln und Klaviere hatte und sich öfters in die Kapelle des Paulusheims schlich um "Orgel zu spielen".  

Unvergessen wird mir bleiben, wie Pfoh sich heimlich in die Klavierzimmer des Paulusheims schlich (neben dem Musikzimmer, vielen bekannt als Wahllokal), und dann von Pater Lauck erwischt wurde. In seiner Not verwechselte Pfoh den Weg ins Freie und floh in die falsche Richtung. Fatal, dass er damit ins Schwimmbad gelangte, wo ihn Pater Lauck dann wohl mehrmals um das Schwimmbecken herum jagte!

TSCHEBBELIN, PFOH, DIE EIERFRAU UND MEHR...

Ja, Frau Winkler, die Eierfrau! Das war es, genau! Sie muss durch den Wochenmarkt auch zwangsläufig den Tschebbelin gekannt haben.

Mit dem "aus gutem Hause" und "möglicherweise eine Immobilie besitzen" habe ich mich dann wohl geirrt. Man wird ja leider nicht mehr jünger... :D

Wenn sie noch ein paar mehr Infos über die "Eierfrau" und gar noch die eine oder andere Geschichte herausfinden könnten, fände ich das Klasse!

Ich finde übrigens die Ideen gut, den Platz nicht unbedingt nach den Protagonisten zu benennen ("Am Klohäusle" beispielsweise wäre eine ganz tolle und humorvolle Idee, die dem Image der Stadt und seiner lebensfrohen Einwohner sicherlich in keinster Weise abträglich wäre, ganz im Gegenteil!). Und eine charaktervolle Skulptur wäre einerseits ein würdiger Tribut und andererseits ein unverwechselbares, markantes (gerne auch von Gestalt eher kleines) Markenzeichen Bruchsals!
Übrigens wäre ich ebenso dafür, das alte "Klohäusle" wieder zu renovieren und den Brunnen incl. Originalbecken wieder zum Laufen zu bringen!

Die alte Zeit hat mich fast wieder... :)

Viele liebe Grüße!

Warum eigentlich "Zeppelin"?

Es geht also nicht nur mir so: Anlässlich der heutigen Veranstaltung zur Gestaltung des SEPA-Umfeldes in der Hebelschule hatte ich die Gelegenheit, einige veritable "Ur-Brusler" zu fragen - und keiner wusste, wieso s'Adelfl eigentlich "de Zebbelin" hieß.

Also: wer weiß es?

er hat einen Zeppelin gesehen

er hat einen Zeppelin gesehen und gerufen "Tsssssebellin, Tsssssebellin" - das kam gestern abend bei mir an.

woher der Name

Diese Aussage, wie Rainer Kaufmann schon schrieb, ist mir aus Erzählungen meines Vaters auch bekannt.

Zeppelin

Stimmt. Das habe ich als Kind auch gehört.

Pfoh und die Orgeln

Zum Pfoh kann ich aus eigener Erinnerung noch was zum Thema Orgeln beitragen. Er liebte diese wohl so, dass man ihn ständig in der Hofkirche antraf, bevorzugt zu Gottesdiensten. Da konnte er aber gewaltig stören, wenn es an Hochfesten einen (damals in der Hofkirche durchaus üblichen) feierlichen Gottesdienst mit Chor, Orchester und Orgel gab, und der Pfoh mittendrin sein wollte.
Einmal spielte ich selber Orgel in einem solchen Gottesdienst (von Hr. Menrath dirigiert, es muß in den späten 1980ern gewesen sein), es stand die "Große Orgelsolomesse" von Haydn an, und mitten im feierlichsten, leisesten und (kompliziertesten) Soloteil gab es plötzlich ein Riesen-Geschrei in der Kirche. Was war passiert? Pfoh war natürlich unter den Zuhörern, wollte näher zur Orgel und zum Orchester, und irgend jemand, der ihn wohl nicht kannte, hatte ihm das verwehrt. Sein trompetenartiges Protestgeschrei tötete die Feierlichkeit komplett. Wir Musiker hatten damals schon einen ziemlichen Horror vor ihm. Trotzdem denke ich immer gern an den unvermeidlichen Dauergast zurück. Da passt die Geschichte mit dem Paulusheim sehr gut dazu.

dschäp

uns würde brennend interessieren, was denn nun eine dschäb ist,
vielleicht klärt uns ja jemand auf.
Danke

Inhalt abgleichen Inhalt abgleichen