Das Dosenhuhn. DIE Delikatesse der 50er Jahre.
Auf der Suche nach den Genüssen meiner Jugend fand ich im Internet den folgenden Artikel aus dem Jahre 2006:
Brite aß 50 Jahre altes Dosenhuhn
Ein Brite hat zu seiner Goldenen Hochzeit ein fünf Jahrzehnte altes Konservenhuhn in Gelee verzehrt. "Es schmeckte wunderbar, höchstens ein klein wenig zu salzig", sagte der 73-jährige Les Lailey. Das Dosenhuhn war Teil eines Präsentkorbs, den er und seine Frau Beryl 1956 in Manchester als Hochzeitsgeschenk bekommen hatten. "Damals war das eine Delikatesse", sagte der Gold-Bräutigam laut britischen Medienberichten. "Wir hatten die Dose wie einen Schatz versteckt."
Wissenschaftler waren nicht überrascht. Funde von 100 Jahre alten Konserven in gesunkenen Schiffen hätten ergeben, dass deren Inhalt rein biologisch noch durchaus essbar gewesen sei. "Dosennahrung bleibt praktisch endlos verwendbar, wenn sie ordnungsgemäß vakuumversiegelt wurde", sagte Professor Eunice Taylor, Dozent für Lebensmitteltechnik an der Universität Salford.
Laileys Ehefrau Beryl traute den Versicherungen allerdings nicht. Auch der Hinweis, dass das 50 Jahre alte Geflügel garantiert frei von Vogelgrippe sei, war für sie kein Argument. "Liebling, Du darfst das Huhn ganz für Dich allein haben", sagte sie ihrem Gatten Les. Der beteuerte anschließend: "Ich habe keinerlei Grummeln im Magen verspürt."
Ich kann die Aussage des älteren Herrn, "damals war das eine Delikatesse", nur unterstreichen: Dosenhühner waren in den 50er Jahren - wir dürfen nicht vergessen, der 2. Weltkrieg lag noch nicht lange zurück - eine echter Gaumenschmaus. Frisches Fleisch war in der Familie von Otto Normalverbraucher eine echte Mangelware, da griff die Hausfrau gerne auf das noch relativ erschwingliche Huhn in der Dose zurück.
Für Kinder, die sich ansonsten weitgehend fleischlos ernähren mussten, war Dosenhuhntag gleichbedeutend mit Festtag. Herrlich der Glibbel, in den das Huhn eingelegt war. Die Knöchelchen des Huhnes waren, wohl durch stundenlanges Kochen, so weich, dass sie gerade zu auf der Zunge zergingen.
In Deutschland scheinen diese Dosenhühner mittlerweile wohl nicht mehr angeboten zu werden. In den USA vermutlich noch. Hier der bebilderte Erfahrungsbericht der Amerikanerin Tracy, Mutter von fünf Jungs:

Soooo schlecht sieht's nun auch wieder nicht aus. Zustand nach 15 Minuten braten im Backofen mit 250 °C wie empfohlen.
Und wie hat's Tracy geschmeckt? Überhaupt nicht, denn das Huhn hat nach ihrer Meinung nach nichts geschmeckt. Allerdings soll das helle Fleisch etwas flockiger gewesen sein als das dunkle. Na, immerhin etwas ...
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