"Die Geschichte vom Herrn Rat"
Paul J. Schrag war kein Bruchsaler. Er wurde im Jahre 1909 in Karlsruhe geboren, das Elternhaus seines Vaters steht jedoch in der Kaiserstraße 17 in Bruchsal. Bis vor einigen Jahren befand sich in diesem Gebäude die Schiller-Apotheke. Die Schulferien verbrachte der kleine Paul regelmäßig in Bruchsal bei seiner hiesigen Verwandtschaft.
Im Jahre 1938 musste Paul J. Schrag vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten aus Deutschland fliehen und wanderte in die USA aus. Die Erinnerung an seine Heimat nahm er mit in seine neue Heimat. So legte er schon in seiner Jugend ein Archiv an, in dem er mündliche Überlieferungen wortgetreu festhielt, Dokumente und Briefe sammelte.
Beim Kindler-Verlag wurde im Jahre 1979 Paul Schrags Buch „Heimatkunde - Die Geschichte einer deutsch-jüdischen Familie" veröffentlicht. In die Handlung dieses Romanes wurden viele historische Ereignisse und Personen Bruchsals eingebunden. Im Jahre 1981 wurde der Roman „Heimatkunde" von
dem deutschen Schriftsteller Erwin Sylvanus für die Badische Landesbühne dramatisiert und als „Exil - Reise in die Heimat" (Originaltitel: Ein Purim-Spiel oder Badische Heimatkunde) im gleichen Jahr uraufgeführt.
Bei Recherchen zu diesem Buch bzw. zu Paul J. Schrag ist bruchsal.org über das Leo Baeck Institute in New York (dieses Institut widmet sich der Erforschung der Geschichte und Kultur deutschsprachiger Juden) auf ein bisher wohl unveröffentlichtes Manuskript von Paul J. Schrag gestoßen: „Die Geschichte vom Herrn Rat". Es handelt sich hierbei um ein Theaterstück, das nach unseren Recherchen in Deutschland lediglich einmal als Lesung am Badischen Staatstheater in Karlsruhe aus Anlass der 12. Europäischen Kulturtage Karlsruhe 1994 präsentiert wurde. „Die Geschichte vom Herrn Rat" ist auch insofern interessant, als wie bei „Heimatkunde" hier ebenfalls Bruchsaler Personen und Ereignisse in die Handlung eingebunden wurden.
Im April 2008 wurde das Theaterstück in New York, Greenwich Village, aufgeführt. Anlässlich dieser Aufführung bedankte sich Francis Schrag, Sohn des bereits 1992 verstorbenen Paul J. Schrag, auch im Namen seiner Mutter, Suzanne Schrag, und seiner Brüder bei der Darstellerin der Frau Rat:
"On behalf of my mother, my brothers as well and my wife, I want to thank you again for the energy and commitment you gave to the Herr Rath production. ... I wish more young people could experience the play which so brilliantly compresses the history of one of the darkest eras in our history. ... Please convey our thanks to all those who contributed to bring the story of Herr and Frau Rath to life." * (Übersetzung unten)
bruchsal.org wird das Theaterstück in den nächsten Tagen in fünf Fortsetzungen veröffentlichen. Hierbei wird bruchsal.org die Originalmanuskripte von Paul J. Schrag publizieren, die teilweise noch kleinere handschriftliche Änderungen des Autors beinhalten.
An dieser Stelle gilt nochmals unser Dank dem Leo Baeck Institute in New York, insbesondere Herrn Michael Simonson. Ohne dessen unbürokratische Hilfe wäre eine Veröffentlichung nicht möglich gewesen.
* „Im Namen meiner Mutter, meiner Brüder und meiner Frau möchte ich Ihnen nochmals danken für die Kraft und die Hingabe, die Sie für die Produktion von „Herr Rath" aufbrachten. ... Ich wünschte mir, dass mehr junge Leute das Schauspiel erleben könnten, das so hervorragend einen der dunkelsten Abschnitte in unserer Geschichte in eine Geschichte verpackt. ... Bitte geben Sie unseren Dank an all diejenigen weiter, die mit dazu beigetragen haben, die Geschichte vom Herrn und Frau Rath zum Leben zu erwecken."
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Erstaufführung in Deutschland
Das Stück "Die Geschichte vom Herrn Rat" wird am 7. November 2010 wohl erstmals in kompletter Länge als szenische Lesung bei der Badischen Landesbühne in Bruchsal aufgeführt. Aufführung im Bürgerzentrum Bruchsal, Hexagon, 19.30 Uhr.
Link zur Badischen Landesbühne:
Die Geschichte vom Herrn Rat