Deutschland - das Land der klimatischen Glückseligkeit
Da kann man mal sehen, was so ein Urlaub bei deutschen Politikern/Innen so alles ausmacht. Noch im Frühjahr musste sich die Bundeskanzlerin Führungsschwäche und Nachgeben gegenüber diverser Klientel vorwerfen lassen. Im Urlaub ging sie wohl in sich, dachte über ihre (politischen) Führungs(unterlassungs)sünden nach und warf das Steuer in Richtung Aktionismus herum.
Aus dem Urlaub ins Tagesgeschäft zurückgekehrt, war sie kaum noch wieder zu erkennen: Eine Entscheidung für die Klientel löste die andere Entscheidung gegen die Mehrheit der Bürger ab. Vorwürfe, sie sei der Atomlobby erlegen (so ohne ihren Umweltminister Norbert Röttgen den Atomkompromiss auszuhandeln und dies dann als „Meilenstein in der Wirtschaftsgeschichte unseres Landes" zu bezeichnen), setzte sie in ihrem plötzlichen Aktionismus neue klientelpolitische Maßstäbe. Die Gesundheitsreform („großer Wurf"), die (zu was hat man ihn denn?) mehrheitlich zu Lasten des Kleinen Mannes geht. Jüngstes Beispiel ist nun das neueste Energiekonzept, wonach die Häuslebesitzer ihre Häuser entsprechend dämmen sollen, um bis 2050 die Gesamtenergiekosten um sage und schreibe 80 Prozent zu senken.
Na bravo, kann man da nur sagen. Soviel Aktionismus haben wir wahrhaft nicht gleich von der früheren FDJ-Aktivistin erwartet. Man muss sich das wirklich mal ganz genüsslich auf der Zunge zergehen lassen: Achtzig Prozent! Dann haben die Deutschen nur noch 20 Prozent der heutigen Energiekosten zu tragen.
Wer's glaubt, wird selig und wer's nicht glaubt, der kommt auch in den Himmel!
„Es wird schmerzlich, aber unvermeidlich", hört man den Müllermeister und Bundesminister für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Peter Ramsauer aus Traunstein (56), zum Vorwurf der geplanten Kürzung der Fördergelder für die Wärmedämmung der Häuser da sagen. Zum Verständnis: Das ist jener Bundesbauminister, der seinem Kabinettskollegen Thomas de Maiziere ohne Rücksicht auf die Existenz des Lokalinhabers Wolfram Ritschl (50) für 200 Millionen Euro ein neues Bundesinnenministerium im Berliner Regierungsviertel baut. Denn das beliebte Lokal „Paris-Moskau" (Baujahr 1998) unmittelbar daneben droht durch die schweren Dampframmen an der Baustelle einzustürzen.
Eine 70 qm große Außenfläche für 40 Gäste ist bereits futsch! Eine frühere Terrassentür führt direkt in die Tiefe einer Baugrube - freier Fall für Schaulustige! Jetzt muss auch noch die Ostterrasse auf der anderen Seite des Lokals dran glauben.
Doch zurück zur „freiwilligen" Gebäudedämmung. Da weiß der Eine nicht was der Andere tut. Die Kanzlerin verkündet das Sanierungskonzept und verspricht staatliche Hilfen, während ihr zuständiger Bauminister Ramsauer kurz vorher die hierzu öffentliche Förderung von 1,4 Mrd. Euro seit Jahresbeginn auf jetzt nur noch 430 Mio. Euro ab 2011 gekürzt hat. So macht man das. Ramsauers Kommentar hierzu: „Jetzt müssen wir sehen, wie wir damit zurecht kommen." Na toll!
Gewiss hat man den Sanierungszwang plötzlich durch „Freiwilligkeit" ersetzt, wohl nur deshalb, um sich um die Sanierung staatlicher Gebäude herum zu drücken, ganz nach dem Muster der Plakettenverordnung, nach der private Autobesitzer eine Plakette zum Befahren von Umweltzonen haben müssen, während staatliche Dreckschleudern weiter darin herumfahren dürfen.
Nun hagelt es zwar insbesondere von Seiten des Mieterbundes harsche Kritik an dem neuen Energiekonzept, aber das ficht die Kanzlerin und ihr Kabinett nicht an. Ist doch klar, dass Wohnungen in gedämmten Häusern spürbar teurer werden. Die Kaltblütigkeit kommt dann auch prompt aus Regierungs- und Vermieterkreisen, die Mieter würden ja durch die verminderten Energiekosten sparen. Zynischer geht's nimmer, wenn man sieht, mit welchen Tricks den Mietern in die Taschen gegriffen wird.
Nun will man ja die Sache nicht nur kritisch bis ablehnend sehen. Es freut uns ja, dass sich die minderwertigen Eliten in Berlin Gedanken über Energieeinsparungen machen. Recht so! Und so sieht man jetzt vermehrt, wie die Häuslebesitzer im Land fleißig ihre Häuser mit bis zu 15 cm dicken luftdichten Isolierplatten dämmen und dabei auch kleinste Ritzen fein säuberlich mit fest sitzendem Klebstoff abdichten.
Und hier beginnen meine Bauchschmerzen: Was sagen die Bauphysik und Baubiologie dazu?
Ich frage, wie sehen die Außenwände nach 20 oder 30 Jahren und mehr Jahren unter diesen dicken Dämmplatten aus? Fachleute sprechen von einem notwendigen Luftwechsel zwischen den Innenräumen und Außenluft. Es besteht doch wohl kein Zweifel darüber, dass durch das Wohnen von Menschen, Kochen, Baden, Duschen, Schwitzen, Atmen etc. Wasserdampf im Innenraum der Häuser entsteht, der, wenn er nicht nach außen durch die Wände entweichen kann, langfristig zu Feuchteschäden in den äußeren Schichten der Außenwände unter den Dämmplatten führt. Die Transpiration wird durch die dicken Dämmplatten erschwert, wenn nicht gänzlich unterbrochen. Es findet kein Feuchteaustausch (zumindest im Winter) mehr von innen nach außen statt.
Eingedrungene Feuchtigkeit kann unter Umständen in den außen liegenden Wandschichten der Außenwände kondensieren und hier längerfristig das Wandmaterial schädigen. Ich glaube einfach nicht, dass die hier befindliche Feuchtigkeit unter den dichten Dämmplatten den Außenwänden nicht schadet, weil sie nicht nach außen entweichen kann. Im Gegenteil, Schimmelpilzbefall wird eher verursacht, was wiederum zu gesundheitlichen Gefährdungen (Lungen- und andere Erkrankungen) mit allen Folgen für die dann entstehenden Krankheitskosten führen kann.
Dies sind Fragen, die die Herrschaften am Berliner Kabinettstisch mit Sicherheit nicht überlegt haben. Vielmehr meinen sie, man hat etwas für den Klimaschutz getan, ohne die Folgen für die Bewohner und langfristig mögliche Schäden an den Außenwänden ihrer stark gedämmten Häuser zu bedenken. Deutschland soll offensichtlich ein Land der klimatischen Glückseeligkeit werden. Na ja, vielleicht kriegt die Kanzlerin später mal posthum noch einen Klimaorden, wer weiß das schon so genau?
Eines scheint jetzt schon sicher: Die Gefahr von Mietsteigerungen sind sehr groß. Erste Mieterhöhungen mit der Begründung bevorstehender Wärmdämmungen sind bereits verschickt. Und noch eines sollte hier erwähnt werden. Der Fiskus ist mit seinen 19 Prozent Mehrwertsteuer bei jeder einzelnen Dämmmaßnahme dabei! Und die sind von 20.000 Euro je nach Größe der Außenflächen (knapp 1.000 €/qm) der Gebäude nicht weit entfernt. Der Verband von Haus und Grund nennt Mietpreise bei einem sog. „Nullemissionsstandard" von 13,70 Euro pro Quadratmeter!
Für die gut 800.000 Wohngeldempfänger in Deutschland macht der Mieterbund schon jetzt auf die dramatischen Folgen solcher Mieterhöhungen aufmerksam.
Zusätzlich verschärft werde das Problem noch durch die geplante Kürzung des Bundesanteils am Wohngeld um 100 bis 130 Mio. Euro, was für die Mieter monatliche Mieterhöhungen zwischen zehn und dreißig Euro bedeutet.
Besonders schmerzlich werde dies dann für Rentner und Familien mit geringem Einkommen sein. Diese Haushalte, so der Deutsche Mieterbund, zahlten heute bereits zwischen 40 und 50 Prozent ihrer Einkünfte für die Wohnungsmiete.
Ist doch klar, dass in diesem Fall die Länder und Kommunen einspringen müssten, wenn man diese Menschen in unserer Gesellschaft nicht gänzlich durchs soziale Netz fallen lassen wollte, was wiederum Artikel eins Grundgesetz und damit das Bundesverfassungsgericht auf den Plan riefe.
-ph-
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