Ein deutscher Boxer

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Ein Dokumentarfilm von Eric Friedler / am 12. Juni 2012, 23.45 Uhr im Ersten
Montag, 11. Juni 2012 - 17:34

Eine Filmempfehlung! Wie schon so oft, wurde wieder mal ein wichtiger Film ins Nachtprogramm verbannt.
 

Charly Graf

Schwarzer, Boxer, deutscher Meister: Charly Graf wird 1951 in Mannheim-Waldhof als unehelicher Sohn einer ungelernten Arbeiterin und eines schwarzen US-Soldaten geboren. Wegen seiner Hautfarbe wird er immer wieder ausgegrenzt. Trotz früher Erfolge im Boxsport wird er kriminell. In der JVA Stammheim lernt er den Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock kennen. Boock motiviert ihn, wieder an seine Profi-Laufbahn als Boxer anzuknüpfen. Es gelingt Graf, sich als Häftling für offizielle Wettkämpfe anzumelden – ein einzigartiger Fall in der deutschen Justizgeschichte. Wieder in Freiheit, wird er deutscher Meister im Schwergewicht. Doch schon wenige Monate später verliert er seinen Titel unter dubiosen Umständen. Es wird Jahre dauern, bis Charly Graf diesen Schlag verwindet. Mehr als ein Jahrzehnt später erfährt er doch noch Gerechtigkeit ...

Das Erste strahlt den 90-minütigen Dokumentarfilm „Ein deutscher Boxer“, eine Koproduktion von NDR und SWR, am 12. Juni 2012, 23.45 Uhr aus. Der vielfach ausgezeichnete Autor Eric Friedler (Deutscher Fernsehpreis, Grimme-Preis, Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis) hat sich in dem Film intensiv mit der Persönlichkeit und dem Leben des Boxers Charly Graf auseinandergesetzt – eine Vita, die auch ein Stück deutsche Geschichte widerspiegelt. Für seinen Film konnte er auf außergewöhnliches Filmmaterial mit dem Sportler aus den Archiven des SWR zurückgreifen.

Zu den Zeitzeugen, die Regisseur Eric Friedler in seiner Dokumentation Auskunft geben, gehören u. a. die Trainerlegende Angelo Dundee, Liedermacher Konstantin Wecker, Box-Manager Jean Marcel Nartz, der Boxstallgründer Wilfried Sauerland, Hartmut Scherzer, Doyen des deutschen Box-Journalismus, der Ex-RAF-Angehörige Peter-Jürgen Boock und natürlich Charly Graf selbst.

"Ein deutscher Boxer“, Dienstag, 12. Juni 2012, 23.45 Uhr im Ersten. Autor: Eric Friedler; Redaktion: Patricia Schlesinger (NDR), Fritz Frey (SWR).

Teaser: And the Winner is ... Charly Graf

Charly Graf in der NDR-Talkshow im Mai 2012:

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 5 (1 Bewertung)

Kommentare

toller Film

Dies ist wirklich ein sehenswerter Film, weil es hier neben der Lebensgeschichte von Charly Graf teils um den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland seit den 1950er insbesondere seit den 1970er Jahren bis heute geht. Wenn um 1950 Frauen, die ein "Negerkind" hatten geraten wurde das Kind ins Heim zu geben um wieder heiratsfähig zu werden und Charly Graf darüber Krokodilstränen vergisst, so geht einem das Herz auf und man leidet mit ihm mit, wenn er sagt, dass seine Mutter zwar oft Herrenbesuch hatte, er dann aber in ein anderes Zimmer gesperrt wurde, damit er nicht stört.

Bemerkenswert auch der intellektuelle Wandel, den Charly Graf vollzogen hat, vom Schläger im Millieu zur Leseratte und zum Sozialarbeiter. Toll seine Aussage, dass niemand resozialisiert werden kann, der bisher nicht sozialisiert war.

Zugegeben, es ist etwas viel Leerlauf mit dabei, z. B. wenn minutenlang gezeigt wird, wie er auf seinem ehemaligen Knastbett liegt, oder wie er in seiner Mannheimer Wohnung Trübsal bläst. Dennoch diesen Film so zu verreißen wie z. B. Welt Online, die ihn als nicht sehenswert einstuften.... also da fehlen einem wirklich die Worte.

Toll auch die Bilder aus den 70er Jahren, wo er im "Mannheimer Ghetto" mit anderen farbigen Jugendlichen "monermerisch" plappert. Das ist einfach eine tolle zeitgeschichtliche Verfilmung.

Boxerisch hat ihm nach meiner bescheidenen persönlichen Meinung allerdings noch sehr viel zum Weltmeistertitel gefehlt, diesen hat er nicht nur durch mangelndes Training nicht erreicht, hier fehlte auch das Talent, wie man bei den wenigen Kampfausschnitten deutlich erkennen kann.

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