Brusler G'schichten - der "Entenköpfer"
Im Jahre 1821 fuhr in England erstmals eine Dampfeisenbahn zwischen dem Kohlebergwerk Hetton und dem Fluss Wear. Erst 1829 drang nähere Kunde davon auch in den Kraichgau und in die Hardt vor. Auch im Großherzogtum Baden sprach sich nun schnell herum, daß der in England so überaus erfolgreichen Eisenbahn eine große Zukunft bevorstand und sich dadurch vollkommen neue Perspektiven für die weitere wirtschaftliche Entwicklung eröffneten. 1831 wurden im Großherzogtum die ersten öffentlichen Diskussionen über die Möglichkeiten von eigenen Eisenbahnprojekten geführt. Aber erst im Jahre 1839 wurde mit dem ersten Streckenabschnitt der Oberheintalbahn von Mannheim nach Heidelberg begonnen und im Jahre 1840 fertiggestellt. Der nächste Abschnitt von Heidelberg über Bruchsal nach Karlsruhe wurde 1843 fertiggestellt. Im benachbarten Königreich Württemberg machte man sich daraufhin Gedanken über eine badisch-württembergische Verbindungsbahn. In einem 1850 abgeschlossenen Staatsvertrag einigten sich das Königreich Württemberg und das Großherzogtum Baden auf den Bau einer Eisenbahnstrecke von Bietigheim über Bretten nach Bruchsal. Ein Kuriosum war, daß sich das Königreich Württembeg verpflichtete, die neue Linie nicht nur bis zur Landesgrenze zu bauen und zu unterhalten, sondern auch die Zuständigkeit für den Steckenabschnitt von Bretten bis Bruchsal übernahm. So kam es, daß es in Bruchsal ab 1853 zwei Bahnhöfe gab, einmal den badischen und einmal den württembergischen.
Badischer Bahnhof, Bruchsal
Württemberg wollte aus verkehrspolitischen und wirtschaftlichen Gründen einen Anschluß an den Mannheimer Rheinhafen und an die durch das Rheintal verlaufenden Verkehrsströme haben. Erst im September 1878 kaufte Baden der württembergischen Staatsbahn die Strecke Bretten-Bruchsal mit allem, was an technischen und baulichen Einrichtungen dazugehörte, für die Summe von knapp dreieinhalb Millionen Mark ab. Im Jahre 1865 ging eine erste Initiative zur weiteren Erschließung des Kraichgaus durch die Eisenbahn von den beiden Städten Eppingen und Bruchsal aus. Im Jahre 1879 wurde schließlich die "Kraichgaubahn" zwischen Eppingen und Karlsruhe gebaut und im Jahre 1896 wurde die Nebenbahn Bruchsal-Ubstadt-Menzingen und Bruchsal-Ubstadt-Odenheim in Betrieb genommen. Diese Strecke erfüllte die Erwartungen voll, und so wurde sie im Jahre 1900 bis Hilsbach am Steinsberg verlängert. Heute endet diese Strecke in Odenheim. Als die Strecke noch von gemächlich ruckelnden Dampfzügen befahren wurde, was mir aus Kinderzeiten nach dem Krieg noch in Erinnerung ist (wir machten in der 4. Klasse einmal mit unserem Klassenlehrer Uhler einen Schulausflug mit der Nebenbahn zum Steinsberg), wurde die Nebenbahn noch "Entenköpfer" genannt. Untenstehend ein Photo der damals gebräuchlichen Lok.
Nachfolgend der Bericht eines Alt-Bruchsalers (Jahrgang 1918) über den "Entenköpfer" in Bruchsaler Mundart: "S Newebähnle henn ma reschbektlos de "Endekepfa" g'haiße. Bese Zunge henn nemlich emol behaupt, oina vun dene feiriche Eliasse (Lokomotive, d. Verf.) hed emol zwische Ubschstad un Menzinge, genau waiß ma neme wu, e Ent, die uff de Schiene vum Newebähnle en Middagsschlof g'halde had, iwafahre un gekepft. Dodebei wäas Ziegle entglaist! Seid selare Zeid haißt's Bähnle "Endekepfa". Als kloine Buwe senn ma als newe hea grennt, so gmietlich isch des Ding dorch de Kraichgau gezuklt. Ausm Kamin isch en moadsmäßiga Rauch kumme, des had als gschdunke und g'rußt, daß ma ned had zum Fenschda rausgugge kenne. Wenn da Endekepfa en Buckl nuffgfahre isch un s'ware viel Leid drin, nod had da des nemme gschafft. Do isch de Zugfiara naus un had gepfiffe un gschrieä: Easchda Klass sitze bleiwe, zwaida Klass raus un newe healafe, dritte Klass raus un helfe schiewe. No ja, wie's isch, okumme ischs Endekepfale imma." (Quellen: "Die Kraichgaubahn" und "Bruchsal in alten Bildern" vom Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher).
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