Bruchsaler Trümmer!! (keine Scherbel)

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Mit Altlasten, die der Alt-OB in Bruchsal hinterlassen hat, müht sich der neugewählte Gemeinderat - fraktionsübergreifend - redlich. Altlasten gibt es jedoch nicht nur auf städtebaulichem und finanziellem Gebiet, sondern auch auf demokratischem Gelände.
Montag, 2. August 2010 - 11:19

Foto:  (c) coopcoopbware

So muss jetzt Dr. Scherbel, so findet das Regierungspräsidium ohne auffindbaren aktuellen Anlass, dem Bruchsaler Gemeinderat entweichen und darf einem Nachfolger aus dem Lager der CDU-Liste (!) Platz machen.

Der Redakteur der Bruchsaler Rundschau mutmaßt schon frohgemut, der regierungspräsidiale Rechtsakt diene der Vermeidung des gegen Dr. Scherbel eingeleiteten und gerichtlich zugelassenen Strafverfahrens: "Ob nach der Entscheidung des Regierungspräsidiums ein strafrechtliches
Hauptverfahren überhaupt noch sinnvoll ist, daran gibt es seit gestern
erheblichen Zweifel. ... Die politische Strafe reicht hier völlig aus." Man darf ja wohl in vermintem Umfeld über übliche Lösungswege unter Parteifreunden spekulieren, oder?

Schwer wiegt in der Bewertung dieser zu Tage geförderten Altlast, dass die Kommunalwahl 2009 überhaupt hat stattfinden dürfen. Alt-OB Doll - nach Urteil seiner Zeitgenossen und der hiesigen Presse ein begnadeter Strippenzieher - zog kurz vor Amtsende noch mal die funktionierende Strippe zu Parteifreund und Regierungspräsident Dr. Kühner. Der wies seine Verwaltung an, die Kommunalwahl durchführen zu lassen, obwohl die Fachbeamten dies angesichts der virulenten Wählbarkeitsproblematik des Kandidaten Dr. Scherbel nicht zulassen wollten.

Blicken wir zurück:

Die Bruchsaler CDU hatte im Kommunalwahlkampf 2009 ein dickes Problem: Nämlich gegen den erklärten Willen der Mehrheit der Bevölkerung mehrheitlich dem SEPA-Projekt zugestimmt zu haben. Das versprach hässliche Stimmen- und Mandatsverluste. Was dagegen hilft, weiß jeder einigermaßen erfahrene Kommunalpolitiker: Promis müssen her, denen die Bevölkerung auf die üblich unpolitische Art genügend Stimmen gibt.

Die Frage nach dem Wohnsitz in Bruchsal war hier nicht so wichtig. Die Stimmen des populären Südstadt-Arztes Dr. Scherbel halfen der CDU den Mandatsverlust in Grenzen zu halten.

Dieses Schadensbegrenzungs-Modell erfolgreich laufen zu lassen, war Bernd Dolls letzte undemokratische Tat und, wie wir der Bruchsaler Rundschau entnehmen, prinzipiell überaus erfolgreich. Der Nachrücker muss der CDU-Liste entstammen: Das wird sicherlich die Freude der Bruchsaler Bevölkerung an unseren demokratischen Grundregeln vertiefen, deren Funktionsfähigkeit die Bruchsaler Presse so lichtvoll betont hat: "Die politischen Folgen des von der Behörde attestierten Fehlverhaltens wären durch den Mandatsverlust Scherbels geheilt."

Die voraussichtliche Nachrückerin Rosemarie Majewski gehört nun nicht mehr der CDU an - den schon lange schwelenden Streit in den eigenen Reihen konnte auch die bevorstehende Kommunalwahl 2009 nicht bremsen. Auch hierfür gebührt dem Alt-OB Dank.

Aber vielleicht verleiht ihm doch noch irgend jemand die Ehrenbürgerwürde - immerhin hat er durch die von ihm geprägte Streit-Unkultur zu einem Parteiaustritt beigetragen, der ein unsägliches Wahlergebnis - auf seltsame Weise - korrigiert, wie die Bruchsaler Rundschau etwas gequält feststellt.

Die SPD muss konstatieren, dass ein zur Kommunalwahl 2004 aufgefundener Promi nicht auf die SPD-Liste durfte, weil er keinen „richtigen" Bruchsaler Wohnsitz nachweisen konnte. Folge: Die Partei trat nur mit 19 anstatt mit 20 Kandidaten bei diesen Kommunalwahlen an - mit negativen Folgen natürlich. Anders als 2004 die SPD durfte die CDU in 2009 mit allen Kandidaten vollständig antreten.

Die im Landkreis herrschende Klasse weiß halt ihre Macht zu bewahren, auch wenn es manchmal etwas Mühe macht...

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Kommentare

Herrscherklasse

Nun, dann beobachten wir doch mal gespannt, wie diese Klasse mit der bemerkenswerten, bisher jedoch unkommentierten Tatsache umgeht, dass ihr Mitglied Dr. Scherbel zwar aus dem Bruchsaler Gemeinderat 'rausfliegt, aber weiter im Kreistag mitten unter ihr (der Klasse) sitzt?!
Oder schauen wir doch nicht nur zu?

Herrschaftspossen

Natürlich wird das "gemeine Volk"  hier wie meistens, zuschauen, oder glaubt jemand es reicht  unser "demokratischer Protest."  Die "Herrschenden" haben ihr "Herrschaftswissen" zumindest in der Vergangenheit des Öfteren vorausschauend und machterhaltend für ihre Ziele durchgesetzt.

(Wikipedia) "Der Ausdruck Herrschaftswissen bezeichnet in seiner engeren Bedeutung ein Wissen, das Inhabern von Positionen der Herrschaft vorbehalten ist und deren Machtbestrebungen dienlich ist, vor allem, weil es Arkanpolitik (Geheimpolitik) ermöglicht. In seiner weitesten und umgangssprachlich kritischen (sich der Hinterlist annähernden) Bedeutung bezeichnet es einen Wissensvorsprung, der zur Sicherung einer Position dient. Die zentralen Merkmale sind die Knappheit des Wissens und der daraus entstehende Vorteil für die Wissenden."

Sehr geehrter Herr Regierungspräsident Dr. Kühner,

in Sorge um die Demokratie unseres Landes bitte ich Sie, um die öffentliche Beantwortung der folgenden Fragen hier auf bruchsal.org:

- Wussten Sie bereits vor der Kommunalwahl am 07.06.2009 von der Nichtwählbarkeit des Kandidaten Dr. Scherbel zu den Bruchsaler Gemeinderatswahlen, da er nicht die Wählbarkeitsvoraussetzung erfüllte?

- Haben Sie dem damaligen Bruchsaler OB Doll aus parteipolitischen Gründen trotzdem die Wählbarkeit des Kandidaten Dr.Scherbel zugesichert durchaus in dem Bewusstsein, dass die für ihn dann abgegebenen Stimmen ungültig sein könnten?

- Sollten Sie die o.g. Fragen bejahen, wären Sie dann bereit, nachdem das Regierungspräsidium nun zu einer anderen Einschätzung zur Wählbarkeit des Dr.Scherbel kommt, als Verantwortlicher dieser Behörde zurückzutreten, um weiteren Schaden an unserer Demokratie zu vermeiden?

Ich freue mich auf Ihre Antwort und verbleibe bis dahin

mit freundlichen Grüßen
Bruno Wallisch

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